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Wohnbau aus dem Baukasten

© Toni Rappersberger
© Toni Rappersberger

„SMAQ – MAX“, St. Pölten // raum & kommunikation / ARTEC / wup_wimmerundpartner

Es ist zur Binsenweisheit in der Baubranche geworden: Wir bauen wie vor 3.000 Jahren. Während etwa die Automobilindustrie ihre Produkte längst in industrialisierter Bauweise herstellt, ist fast jedes Gebäude immer noch ein Einzelstück. Ein Haus sei aber kein Auto, monieren die Architekturschaffenden. Viele befürchten, dass die vorgefertigte, serielle Bauweise im Widerspruch zur individuellen Architektur steht.

Das Wohnbauprojekt „SMAQ“ (Smart Quartier) in St. Pölten ist ein gelungenes Gegenbeispiel. Basierend auf einem Bausystem aus Stahlbauelementen, Stahlbetonfertigdecken, Holz-Leichtbau-­Fassaden und Holzbau-Dachelementen haben zwei Architektenteams einen kostengünstigen Wohnbau geplant, bei dem die unter­schiedlichen architektonischen Handschriften durchaus erkennbar sind. Unter der Projektleitung des Planungsbüros raum & kommunikation entstanden vier Baukörper mit 75 Metern Länge und 16,2 Metern Breite, die durch ein gemeinsames Untergeschoß verbunden sind, sowie ein fünfter mit 37,5 Metern Länge. Zwei der fünf Bauteile mit zusammen rund 15.000 Quadratmetern Nutz­fläche stammen von wup_wimmerundpartner, drei von ARTEC Architekten.

Fertigteil-Bausystem

© Lukas Schaller
Außenliegende sichtbare Stahlfachwerke in der Fassadenebene dienen der Aussteifung der Gebäude in Längsrichtung.

Die Geschoßdecken der Gebäude wurden aus Stahlbetonstützen mit betonvergossenen Stahlträgern und dazwischenliegenden vorgespannten Betonfertigteil-Hohldielen als unbrennbare Tragstruktur errichtet. Dadurch ergeben sich weitgehend stützenfreie Räume. Über die Fertigteil-Stahlbetonstützen und -wände in Ortbeton, die an den Gebäudeenden liegen, erfolgt der vertikale Lastabtrag in eine 30 Zentimeter dicke Stahlbetonplatte. Stützen und Wände dienen zudem der Aussteifung der Bauteile in Querrichtung. Zur Aussteifung der Gebäude in Längsrichtung sind jeweils vier außenliegende sichtbare Stahlfachwerke in der Fassadenebene angeordnet.

Die thermische Gebäudehülle ist eine vorgefertigte und auf die Struktur montierte Holzkonstruktion aus Lärchen-Dreischichtplatten mit Holzfenstern und eingelegter Elektro-Installation. Die 185 freifinanzierten Miet- und Eigentumswohnungen sind ausschließlich durchgesteckte, querlüftbare Einheiten mit Ost-Westorientierung. Die Zwei- bis Vier-immerwohnungen verfügen über Wohnungsgrößen zwischen 60 und 150 Quadratmetern und besitzen jeweils eine Loggia und/oder einen Balkon. Die Gebäudestruktur erlaubt, ähnlich einem Regalsystem, flexible Grundrisse unterschiedlicher Größenordnungen zu konfigurieren. Eine zentrale Installationszone ermöglicht Anpassbarkeit an unterschiedliche Wohnbedürfnisse.

Beidseitig der Wohnungen kragt die Betonstruktur aus, um den Brandüberschlag zu verhindern. Der Zugang zu den Wohnungen erfolgt über diese als offene Laubengänge genutzten Auskragungen, wobei durch deren Tiefe von 2,80 Metern – dieses Rastermaß findet sich auch in der Raumhöhe wieder – auch ein Vorbereich zu den Wohnungen entstanden ist. Jede Wohnung verfügt gegenüberliegend zum Eingang über einen Loggien- und Terrassenanteil. Die Erschließungsbereiche sind mittels Brücken im dritten Obergeschoß miteinander verbunden und münden in den gemeinschaftlichen Dachgarten am Flachdach des Bauteils D2. Im Erdgeschoß des Bauteils A befinden sich Fahrrad-, Kinderwagen- und Fitnessräume sowie ein Serviceraum. Die Beheizung der Wohnungen erfolgt über eine Fußbodenheizung mittels Fernwärme.

Projektinfos

Projekt
Wohnbau „SMAQ – MAX, Maximilianstraße 74, St. Pölten

Bauherrin
BWS Gemeinnützige allgemeine Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft reg. Genossenschaft mbH, Wien

Projektleitung
raum und kommunikation GmbH, Wien
raum-komm.at

Architektur
ARTEC Architekten Bettina Götz + Richard Manahl, Wien
artec-architekten.at

wup architektur
wimmerundpartner, Wien
wimmerundpartner.com

Landschaftsplanung
LAND.IN.SICHT Landschaftsplanung, Wien
gpl.at

Statik
Bollinger + Grohmann Ingenieure ZT GmbH, Wien
bollinger-grohmann.com

Produkte
Delta Beam Träger: Peikko Austria GmbH, Weiler (Vorarlberg)
peikko.at

Projektdaten
Grundstücksfläche: 15.240 m²
Bruttogeschoßfläche: 19.700 m²
Nutzfläche: 15.530 m²
Bebaute Fläche: 4.160 m²
Umbauter Raum: 56.000 m³
Wohneinheiten : 185
Projektablauf
Planungsbeginn 2013
Baubeginn 01/2016
Fertigstellung 12/2017


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Ort: Schottenring 30, 1010 Wien

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Datum: 22. Oktober 2018 bis 10. Dezember 2018
Ort: Architekturzentrum Wien, Museumsquartiert, 1070 Wien

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