341 Interior Design

Spiegel der Gesellschaft

© Elica
Zur Kochkunst gesellt sich die Küchenkunst – fliegende Küchenmöbel und eine Abzugshaube, die man fast nicht sieht, aber alles kann: Lullaby von Elica.
© Elica

Foodstyle trifft Feuerstelle: Die Küche ist Lifestyleprodukt geworden, mit allem, was dazugehört. Hier laufen die Fäden des Lebens zusammen – vom maßgeschneiderten Ernährungskonzept über smarte Tools bis zum Ausklang eines anstrengenden Arbeits­tages. Ein Netzwerk vom Feinsten.

von: Barbara Jahn

Wohin geht die Reise, fragt man sich berechtigterweise, wenn man die neuesten Entwicklungen in der Welt der Küche näher ansieht. Mit Freunden und Familie zu kochen und gemeinsam zu essen, das Urerlebnis des Sitzens rund um die archaische Feuerstelle gehört nach wie vor zu den größten Sehnsüchten der Menschen. Heute kommt eine ordentliche Portion Technologie hinzu, die alles ein bisschen leichter, schneller und besser machen soll. Analogie und Digitalisierung prallen in einer Art aufeinander wie wohl in keinem weiteren Raum des Hauses. Kochen ist zum Lifestyle geworden. Aber immer noch herrscht eine gewisse Diskrepanz zwischen vernetzten, intelligenten Küchengeräten und der gepachteten Gartenparzelle, auf der man Gemüse anbaut wie anno dazumal. Fakt ist, dass eine Küche immer auch ein Ort zum Wohnen sein muss, an dem sich Kochtöpfe mit Büchern die Regale teilen, alle Gäste für den Aperitivo hineinpassen und trotzdem noch genug Aktionsradius zum Kochen bleibt.

Flach, aber nicht platt
Die Arbeitsplatte in der Küche ist die Visitenkarte. Da sie sehr viel Platz einnimmt, beherrscht sie die Szene und muss bei aller Schönheit natürlich funktional sein: Hitze, Bakterien und viel Schmutz, aber auch mechanische Einwirkung muss die Küchenarbeitsplatte aushalten und sich nach der Kochorgie wieder rückstandslos und hygienisch reinigen lassen. Bei den Arbeitsober­flächen und Dekoren liegt aktuell neben Naturimitaten etwa mit höchst authentisch wirkenden Holzmotiven der Betonlook im Trend. Zusätzlich statten viele Anbieter die Oberfläche mit bakterienhemmenden Materialien aus. Aber auch Küchenarbeitsplatten aus Vollholz – natürlich aus nachwachsenden Baumbeständen – sind gefragt. Nicht aus der Mode kommt Naturstein, der mit seiner bodenständigen Ausstrahlung und Widerstandsfähigkeit ein Evergreen ist. Zu gern gesehenen Varianten haben sich auch Corian, Cristalplant und Himacs gemausert, Hightechmaterialien, die sich gut in eine besondere Form bringen lassen, wenn jemand mehr „Raumschiff Eierspeis“ möchte als den klarlinigen Monolithen.

Spaß beim Spülen

Küchen, oftmals wie klarlinige Monolithe, werden zum Teil der modernen Architektur.
© Snaidero

Spaß beim Spülen
Natürlich gibt es beim Kochen viele Dinge, die nicht zu den beliebtesten Jobs in der Küche gehören. Doch selbst da wird für Abwechslung und Vielfalt gesorgt, zum Beispiel rund um die Küchenspüle. Edelstahl ist hier zwar immer noch der begehrte Klassiker, jedoch rücken andere Materialien wie Naturstein, Mineralguss oder Keramik nach. Hauptsache hart im Nehmen, lebens­mittelecht, hygienisch und reinigungsfreundlich. Besonders schön und praktisch ist es, wenn die Küchen­spüle bündig mit der Arbeitsplatte abschließt und so ein harmonisches, einheitliches Erscheinungsbild erzeugt, wie aus einem Guss. Neu sind stark individualisierte Spülbereiche: Platte und Spüle werden zum Raum maßgeschneidert.

Aber was wäre die Spüle ohne Armatur? Wohl nur die Hälfte wert. Hier hat sich einiges getan. So gibt es beispielsweise Armaturen mit beleuchtetem Wasserstrahl per LED, umlegbar, wenn die Spüle netterweise einen Fensterplatz hat, mit Brauseschlauch wie bei den Profis oder mit der Option, sofort kochend heißes Wasser oder mit Kohlensäure versetztes Wasser direkt aus dem Hahn zu erhalten. Das klassische, polierte Chromgesicht hat auch hier keineswegs ausgedient, muss sich jedoch die Bühne mit Varianten mit neuen Ober­flächenbehandlungen teilen, bei denen mehr
Farbe ins Spiel kommt.

Luft nach oben
Eine unglaubliche Entwicklung haben die Abzugssysteme durchlaufen. Die Wandlung zum Designobjekt ist bei ihnen wohl am deutlichsten sichtbar. Entweder sind sie nun raffiniert in die Küchenmöbel integriert oder aber sie zieren als Eyecatcher den Raum, ohne sich dabei als technisches Wunder zu outen. Was hinzukommt, ist die zunehmende Smart-Home-Technologie, die auch vor den Dunst- und Geruchstaubsaugern nicht haltmacht. Zu den neuesten Trends im Bereich Smart Home zählen spannende Konzepte, die mit einem neuen Konsumverhalten einhergehen. Angesagt und zukunftsträchtig sind zurzeit Self-Production, Vertical oder Indoor Farming, Urban oder Smart Gardening, die es ermöglichen, mit technischer wie automatisierter Technik selbstständig Kräuter, Gemüse, Salat und Pflanzen aufzuziehen und zu ernten und damit ein Stück Unabhängigkeit zurückzugewinnen. All das geht einher mit neuen Koch- und Ernährungstrends wie Bio und Veggie, In-Vitro und Convenience. Fragt sich dann bloß, wie man den Kochroboter, den Internetkühlschrank und den Dialoggarer mit Omas unverfälschten und zusatz­stofffreien Rezepten auf einen Nenner bringt.


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