337 Thema

Orte zum Leben und Lernen

© Albrecht Imanuel Schnabel
Die Kombination Holz und Beton erzeugt auch bei der Volksschule ­Hallwang ein luftig anmutendes Gebäude (LP Architekten).
© Albrecht Imanuel Schnabel

Um Eigenständigkeit und kreatives Denken zu fördern, braucht es entsprechende Schulen, die eine Entwicklung zu selbstbewussten und verantwortungsvollen Personen ermöglichen. In dieser Ausgabe stellen wir aktuelle Konzepte für neue Schulen vor und fragen: Welche Kriterien sind heute für die Planung relevant?

von: Susanne Karr

Ein Streben nach Helligkeit und Transparenz – diese übergreifenden Leitlinien für den neuen Schulbau lassen sich auf den ersten Blick ausmachen. Orte für Zusammenkünfte sind wichtig und häufig zentral, als Atrium positioniert. Die Gebäude unterscheiden sich zwar in der Umsetzung der Prinzipien, bekennen sich aber zu diesen Werten. Sie können als in Form gebrachte pädagogische Konzepte gesehen werden: Kooperation und Förderung der Selbstständigkeit der Schüler stehen im Zentrum, Raum für Bewegungsfreiheit, Kreativität und Entspannung sind als wesentliche Elemente enthalten. Man gewinnt den Eindruck, als sei die architektonische Formfindung Lichtjahre entfernt von den immer wiederkehrenden Diskussionen zu Schulformen und den mitunter kleingeistigen Debatten zur angemessenen Schülerdressur – in denen aus zweckrationalem Kalkül Menschen für einen angeblich vorhersehbaren Arbeitsmarkt für morgen erzogen werden sollen. Ganz im Gegensatz dazu spricht die Architektur hier die Sprache einer idealen Pädagogik, in der Lehrende und Lernende einander als Akteure in einer gemein­samen Welt ernst nehmen und dazu die passenden Räume erhalten.

Offenheit und Geborgenheit

© Adolf Bereuter
Helle Stimmung durch Mischung von Beton und Holz: Schule Schendlingen (Bregenz) von Studio Bär / Bernd Riegger / Querformat.
© Adolf Bereuter

Bei den neuen Schulbauten wird Wert auf die einladende Geste leichter Zugänglichkeit gelegt. Im Inneren fällt eine Tendenz zu großzügigen, lichtdurchfluteten Räumen auf. Auch der Umweltgedanke ist in den hier präsentierten Projekten stark vertreten, es gibt Solaranlagen für die Beheizung, begrünte Dächer, die sich als Rückgabe an die verbaute Naturfläche verstehen, oder Belichtung durch Oberlichter und Glasfassaden – wobei letztere nicht unbedingt im Sinne der Vögel sein können. Die einzelnen Ausführungen variieren die Thematiken von Offenheit und Geborgenheit, die der Schulbau-Gedanke beinhaltet, sowohl in Formensprache als auch Materialwahl. Auch die Überlegung, wie die Schule sich im Ensemble und Stadt-Zusammenhang situiert, präferiert eine Position des Miteinander, in dem die einzelnen Player aufeinander eingehen. Das Schul­gebäude von heute sieht sich stark eingeflochten in die Umgebung, und die kann urban oder dörflich struk­turiert, oder sogar ein Wald sein – man setzt sich in Dialog mit ihr.

Einladende Rahmengestaltung
Für die Volksschule Hallwang kombinieren die LP Architekten aus Salzburg Holz und Beton und erzielen ein luftig anmutendes Gebäude, das auf den ersten Blick ein Wellness-Sport-Hotel sein könnte. Der Stahlbetonskelettbau der Schule Schendlingen von Studio Bär und Bernd Riegger Bregenz in Kooperation mit Querformat hin­gegen macht von außen einen minimalistischen Eindruck. Die Innenperspektiven wiederum vermitteln eine an­genehme helle Stimmung durch die wohlproportionierte Mischung von Beton und Holz. Dieses Projekt situiert sich ausdrücklich im Stadtzusammenhang, nämlich als „Gebäude im Park“. Die Ganztagesschule in Wien Aspern vom Wiener Architekturbüro fasch & fuchs deklariert sich als „Bildungshügel“, der sich auf einer Seite zum Park hin öffnet. Das Gebäude wirkt in seiner großzügigen, terrassierten Anlage optisch stringent und vermittelt im Inneren eher die Atmosphäre einer Universität als einer Schule – ein schönes Beispiel, wie die autoritäre Bildungsanstalt von einer Arbeits- und Lernlandschaft auch architektonisch abgelöst wird.

Gemeinsamkeit fördern

© Paul Ott
Lichtdurchflutete, bunte Lernlandschaft statt autoritärer Bildungsanstalt: Ganztagesschule in Wien-Aspern von fasch & fuchs.
© Paul Ott

Der Akzent des gemeinsamen Lernens zieht sich auch bei den Wettbewerbsgewinnern für zukünftige Schulbau­projekten durch. Alle Beteiligten verstehen sich als Player in einem Gesamtkonzept. So bekennt sich das Sieger­projekt der Wiener Architektin Patricia Zacek für die Volksschule und Neue Mittelschule Bürgerspitalwiese im 11. Wiener Bezirk zu einem Schulbau als aktivem Städtebau. Die Gebäudehöhe richtet sich nach der Forderung, wenig Platz zu verbrauchen, erzielt aber durch Einschnitte und spielerische Zeichenhaftigkeit der Fassade einen harmonischen Gesamteindruck. Mit ihrem Entwurf für die Expositur Tullnerbach des Bundesrealgymnasiums Purkersdorf konnten fasch & fuchs ein weiteres Mal überzeugen: Das Gebäude mit dem Namen „Wienerwaldschule“ liegt in bevorzugter Grünlage, umgeben von Wald und Natur. Die Umgebung wird als aktives Moment berücksichtigt: Dies spiegelt sich in der Anlage wider, die einen Zugang nach draußen von überall ermöglicht. Für Umbau und Erweiterung der Neuen Mittelschule Satteins wird das Bregenzer Architekturbüro gruber und locher verantwortlich sein. Ihr Siegerprojekt integriert funktional und gleichzeitig großzügig neu zu errichtende und bereits bestehende Elemente. Ein zweigeschoßiges Atrium verspricht spannende Ausblicke. Architektur vermittelt Stimmungen und Positionierungen. Gerade für junge Menschen ist deren positiver Einfluss von Bedeutung – ganz im Sinne der Überzeugung, dass eine offene Lernatmosphäre der gesamten Gesellschaft zuträglich ist – auch in Zukunft.


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Ausloberin: Gemeinnützige Salzburger Wohnbaugesellschaft m.b.H., Ignaz-Harrer-Straße 84, 5020 Salzburg

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Auslober: Wien 3420 Aspern Develoment AG, Seestadtstraße 27/13, 1220 Wien

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