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Neues Konzept für historische Siedlung

© Manfred Gsottbauer
Die beiden neuen Häuser passen sich in ihrer Erscheinung ganz dem sie umgebenden Bestand an, ihre Formensprache ist dennoch modern.
© Manfred Gsottbauer

Neugestaltung Innenhof Gumppstraße, Innsbruck / Gsottbauer architektur.werkstatt

Im Innsbrucker Stadtteil Pradl entstanden zwischen 1939 und 1943 die Südtiroler Siedlungen. Für den Innenhof eines Teilbereichs zwischen Gumppstraße und Lindenhof/Ahornhof plante der Tiroler gemeinnützige Wohnbauträger Neue Heimat Tirol eine Neugestaltung und Erweiterung durch den Abbruch der eingeschoßigen Garagen- und Werkstättengebäude.

Im Gegensatz zu den Südtiroler Siedlungen in den damals am Stadtrand situierten Bereichen, die nur zwei- bis dreigeschoßige Gebäudehöhen aufweisen, ist der Teil der Siedlung, in dessen Hof der Zubau geplant wurde, eine urbanere Lösung der Südtiroler Siedlungen mit vier- bis fünfgeschoßigen Gebäuden. Die typischen Charakteristika der historischen Süd­tiroler Siedlungen sind gut ablesbar, beispielsweise die Weiterentwicklung der gründerzeitlichen Blockrandbebauungen, Abrücken der Bebauungen von den Straßen, Planung differenzierter Räume und Raum­folgen im öffentlichen und privaten Bereich, durchgrünte, offene und großflächige Siedlungs- und Grünstruktur mit öffentlichem Wegenetz in den Wohnanlagen, Schaffung von urbaneren Bereichen mit Infrastrukturversorgung entlang der Gumppstraße und
vieles mehr.

Um auf das prognostizierte Bevölkerungswachstum in Innsbruck zu reagieren, entschloss sich die Stadtplanung zu einer Strategie des differenzierten Umgangs unterschiedlicher Bereiche. Die Teilbereiche der Südtiroler Siedlungen mit gut erhaltenen und wesentlichen Merkmalen sollten als Beispiele des Städtebaus und der Architektur der Vierzigerjahre geschützt und saniert werden. Im Gegenzug dazu sollte in den Siedlungsbereichen Pradl-Ost oder dem Pradler Saggen auf städtebaulich neuen Konzepten aufbauend verdichtet und neuer Wohnraum errichtet werden.

© Manfred Gsottbauer
Die Stiegenhäuser sind in unterschiedlichen Farbtönen gestrichen.
© Manfred Gsottbauer

Maßstab zwischen Alt und Neu
Im Februar 2016 wählte eine Jury aus Vertretern des Bauträgers, der Architektenkammer, der Stadtplanung, der Stadtpolitik sowie der Mieter aus neun geladenen Beiträgen das Projekt des Innsbrucker Architekten Manfred Gsottbauer zum Gewinner. Überzeugt hatte die Jury unter dem Vorsitz des damaligen NHT-Vorsitzenden Klaus Lugger die Entscheidung, den bebau­baren Hofraum mit zwei Solitärbauten zu bestücken. Dadurch sah sie die Maßstäblichkeit zwischen der bestehen­den und der neuen Bebauung gegeben. Besonders überzeugte die Jury das Projekt mit der Positionierung des größeren Baukörpers an die bestehende Grenze des Ahorn- und Lindenhofs, die das neue Projekt trotz baulicher Verdichtung in den Bestand der Südtiroler Siedlung integriert. Zusätzlich wird der Hofraum durch die neue Spange klarer definiert und letztendlich für die Bewohner besser nutzbar. Die Weiterführung des bestehenden öffentlichen Wegenetzes verbindet Durchgänge miteinander und macht die Höfe und Gärten zu privat und öffentlich gemischten Bereichen.

Die beiden Häuser passen sich in ihrer Erscheinung ganz dem sie umgebenden Bestand an, sind aber in ihrer Formensprache dennoch modern. Zurückversetzte Sockelgeschoße mit schlanken Stahlbetonstützen in den Randbereichen, in Loggien aufgelöste Gebäudekanten und Flachdächer kontrastieren mit den Gebäuden aus den Vierzigerjahren. Sie sind wie der Bestand grau verputzt, die weißen Fenster aus Kunststoff sind weiß eingerahmt. Die Stiegenhäuser sind mit keramischen Bodenbelägen und in unterschiedlichen Farb­tönen gestrichenen Wänden einfach ausgeführt.

Zwischen den zwei neuen Baukörpern spannt sich ein Grünraum auf. Wege und Durchlässigkeit vom Hof sind dadurch gewährleistet. Die Bäume eines Ahornhains spenden Schatten und geben dem Hof seine Prägung. Ein Spielplatz für Kleinkinder neben dem Ahornhain ist von allen Häusern einsehbar. Im öst­lichen Bereich neben dem bestehenden Sportplatz wurde ein Spielplatz für Jugendliche angelegt.

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Längsschnitt

Projekt
Neugestaltung Innenhof NHT Gumppstraße, Gumppstraße 49a+b, Innsbruck

Bauherr
Neue Heimat Tirol Gemeinnützige Wohnungs GmbH

Architektur
Gsottbauer architektur.werkstatt, Innsbruck
gsottbauer.at

Grünraumplanung
CHIMMO Landschaftsarchitektur im Alpenraum, Rosenheim
chimmo.it

Projektdaten
Grundstücksfläche: 18.960 m²
Bruttogeschoßfläche: 8333 m²
Nutzfläche: 7003 m²
Bebaute Fläche: 543 m²
Umbauter Raum: 26.362 m³
Projektablauf
Wettbewerb 02/2016
Planungsbeginn 04/2016
Baubeginn 07/2017
Fertigstellung 12/2018
Wettbewerbsdokumentation
ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 2 /2016 (325)


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