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Multi-Aktiv-Fassade

© GAP SOLUTION
Detailansicht der Multi-Aktiv-Fassade
© GAP SOLUTION

Ein Schritt zum Null-Energiegebäude in der Sanierung.

von: Stefan Sattler, Doris Österreicher

In der „Klima- und Energiestrategie
der Österreichischen Bundesregierung – #mission2030“ wird eine Erhöhung der
Sanierungsrate von aktuell rund ein auf zwei Prozent angestrebt, um den Energieverbrauch des Gebäudebestands nachhaltig zu senken. Um diese Ziele zu erreichen, sind Konzepte und Technologien notwendig, welche die Möglichkeit bieten, den Energiebedarf zu reduzieren, den thermischen Komfort zu erhöhen und gleichzeitig als „dezentrales Kraftwerk“ Energie am und für das Gebäude vor Ort bereitstellen. Ein wesentlicher Aspekt in der Sanierung ist dabei die Minimierung der Beeinträchtigung der Nutzer durch die notwendigen Bauarbeiten. Besonders im Wohnbau sind innovative Lösungen durch vorgefertigte Systeme, die eine kurze Bauzeit ohne direkte Eingriffe in die Wohnungen erlauben, notwendig, um die Energieeffizienz im Gebäudebestand substanziell zu erhöhen.

Das innovative Fassadensystem
Die Multi-Aktiv-Fassade vereint diese Anforderungen an kurze Bauzeit und hohe Effizienz durch ihr spezielles Design. Das Fassadenelement besteht aus einer vorgefertigten, hinterlüfteten Glasfront mit einer Kartonwabe inklusive Wärmedämmung auf der Rückseite und wird von einer Holz­ständerkonstruktion getragen. Photovoltaik (PV) und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sind direkt in die Konstruktion integriert. Die Reduzierung des Heiz­energiebedarfs auf Passivhaus-Niveau wird durch die Wärmedämmung und die Kartonwabe erreicht, welche durch das innovative Konzept passive solare Gewinne nutzen kann. Im Winter können durch den niedrigen Einstrahlungswinkel die Sonnenstrahlen tief in die Konstruktion eindringen, die Baumassen aufwärmen und damit den Heizwärmebedarf des Gebäudes reduzieren. Im Sommer sorgt die Wabenstruktur für eine Verschattung der Wand, da die steilen Sonnenstrahlen nicht in die Konstruktion eindringen können. Die Energieeffizienz des Gebäudes wird durch die integrierte Lüftung mit Wärmrückgewinnung erhöht. Gleichzeitig wird der Komfort der Bewohner gesteigert, da diese nicht nur auf die Fensterlüftung angewiesen sind. Besonders bei lärmbelasteten Standorten bringt eine Lüftungsanlage einen deutlich erhöhten Nutzer-Komfort. Um auch die Anforderung zu erfüllen, das Gebäude aktiv zur Energieerzeugung zu nutzen, sind transparente, rahmenlose Glas/Glas-PV-Module in die Fassade integriert, die genug elektrische Energie produzieren, um den Elektrizitätsbedarf der Lüftungsgeräte und teilweise den allgemeinen Elektrizitätsbedarf einer Wohnhausanlage zu decken. Ein Energiemanagementsystem in Kombination mit einem Batteriespeicher gewährleistet den Betrieb, auch wenn keine Sonneneinstrahlung vorhanden ist. Das Speichersystem ist so ausgelegt, dass genügend Energie für zumindest 24 Stunden vorhanden ist.

Derzeit wird die Multi-Aktiv-Fassade zum ersten Mal in einer bestehenden Wohnhausanlage an einer stark frequentierten Straße im 14. Wiener Gemeindebezirk eingesetzt. Dies ist gleichzeitig die erste Sanierung auf Passivhaus-Standard im sozialen Wohnbau der Stadt Wien. Im nächsten Schritt wird das Replikationspotenzial untersucht und die Energie- und CO2-Einsparung über die gesamte Lebensdauer des Gebäudes bewertet, um eine detaillierte Analyse dieses Sanierungsverfahrens für zukünftige Bauvorhaben zu ermöglichen.

Literaturtipp
B., Leitner, K., Leonhartsberger.: ­Experimentelle Untersuchung der GAP-Fassade. FH Technikum Wien 2017.


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Ort: Schottenring 30, 1010 Wien

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Datum: 22. Oktober 2018 bis 10. Dezember 2018
Ort: Architekturzentrum Wien, Museumsquartiert, 1070 Wien

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