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Können Sie BIM?

© Zoom VP.at
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Mit großformatigen Projektentwicklungen kommt BIM auch in den Planungsbüros an. Öffentliche Auftraggeber können BIM erst einfordern, wenn der Standard durchschlägt.

von: Peter Matzanetz

Der Gesprächsbedarf ist groß, wenn es ums Thema Building Information Modeling (BIM) geht. Bevor sich die Sommerpause über das Land legte, hatte es einmal mehr eine öffentliche Gesprächsrunde zum Thema gegeben, diesmal mit prominenten Bauherren. Von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) äußert sich der Leiter der Abteilung Architektur und Bauvertragswesen, Claudius Weingrill, schaumgebremst: „Als öffentlicher Bauherr müssen wir sicherstellen, dass ausreichend viele Wettbewerber das anbieten können, um dem Markt Sicherheit zu geben und um genügend Ein­reichungen zu haben.“

Erich Kotroczo, BIM-Stratege und Geschäftsführer beim Consulting Büro SIDE, sieht die Marktdurchdringung derzeit als mäßig: „In Österreich sind es vielleicht 40 Planungsbüros, die den Umgang mit BIM-Prozessen wirklich beherrschen.“ Ausführende Firmen zu haben, die ihre Teilmodelle beisteuern, ist wiederum für Generalplaner schwierig. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt schränkt eine solche Forderung in der Aus­schreibung den Bieterkreis bei einigen Gewerken leider stark ein,“ sagt Christoph Zechner vom Architekturbüro Zechner & Zechner.

Sämtliche Planungsinformationen sind in einem zentralen Datensatz räumlich verortet und können von allen Projekt­beteiligiten eingesehen und bearbeitet werden.
© Zechner & Zechner ZT GmbH

Vor so einem Hintergrund über Ausschreibungen BIM zu fordern, wäre diskriminierend. Zu diesem Ergeb­nis war man beim ersten „Symposium Digitalisierung“ der Architekten- und Ingenieurkammer gekommen, und zwar unter Verweis auf die geltende EU-­Regelung 2014/24. Stattdessen über Förderungen den Weg zur digitalen Umstellung des Mittelstandes zu bereiten, wäre zielführend. Solcherart vorzugehen regt das „Handbuch für die Einführung von BIM im öffent­lichen Sektor“ an, welches von EU-Stellen herausgegeben wurde. In Deutschland hat die Förderstrategie einen Entwicklungsschub bewirkt. Mit Beginn 2021 sollen dort Infrastrukturbauten an die BIM-Planung
gekoppelt werden.

Prozesse im Wandel
Die Österreichische Bautechnikvereinigung (öbv) hat das Thema Digitalisierung mit ihrer Plattform 4.0 auf der Agenda ganz oben. öbv-Vorstandsvorsitzender Peter Krammer kündigt an: „Die im Herbst erscheinende BIM-Richtlinie ist auf die Umsetzung in der täglichen Praxis ausgerichtet.“ Die Architekten- und Ingenieurkammer wiederum hat den „Reality Check“ für BIM ins Leben gerufen. Bei der ersten Ausgabe war man zum Schluss gekommen, dass Urheber- und Haftungsfragen in einem gemeinsamen Modell noch ungenügend geklärt sind. Außerdem gäbe es finanzielle Diskrepanzen. Abläufe würden zwar effizienter aber Planungsauf­gaben leider auch teurer. Verantwortlich dafür sei die Datenerfassung mit daran gekoppelten Aufgaben.

„Wir arbeiten mit webbasierten Zentralmodellen in Rechenzentren. Diese Modelle müssen regelmäßig gewartet und geprüft werden“, berichtet Christoph Zechner aus der Praxis über laufenden Mehraufwand. Christine Horner von SOLID Architecture und Sektionsvertreterin in der Architektenkammer, kennt die Situation und fordert daher: „Die Auswirkung von BIM auf die Honorarsituation ist zu prüfen.“ Herbert Hetzl vom Generalplaner und Projektmanager Bauconsult sieht beim „Bauherrentalk“ der IG-Lebenszyklus auf konventionellem Weg kein Durchkommen: „Wir sehen leider wenig Bereitschaft von Bauherren, zusätzliche Planungskosten zu übernehmen.“

© Zechner & Zechner ZT GmbH

Kooperationen und Abstimmung
BIM und damit verbundene Einführungskosten betrachtet man beim Architekturbüro BEHF unter dem Aspekt der rasanten Weiterentwicklung der IT. Als Teil des gesamten digitalen Wirtschaftsspektrums sei auch keine Alternative absehbar. „Mit der Größe und der Komplexität des Projektes sowie mit unterschiedlichen geographischen Positionen von Projektbeteiligten und Projektstandorten steigt der Nutzen von BIM“, sagt Franz Gruber, Mitglied der Geschäftsführung bei BEHF. Alle Planungs- und Projektbeteiligen sollten rechtzeitig eingebunden werden und müssten sich auf den neuen Planungsmodus einlassen.

Für Lars Oberwinter, Geschäftsführer des BIM-Spezialisten Plandata gibt es offensive Projekte mit BIM und zurückhaltende Büros: „Für die Planungsbüros geht es mit der Umstellung in aller Regel darum, nicht ins Hintertreffen zu geraten.“ Was die Standardisierung betrifft, sieht er Fortschritte: „EU-weit bewegen sich die Normen in die gleiche Richtung.“ Sein Unternehmen ist Teil von ATP architekten ingenieure und hat mit „Bimpedia“ eine offene Wissensplattform entwickelt.

Im Büro Zechner & Zechner geht man den Weg selbst gewählter Partnerschaften, die auf der gleichen Softwaregrundlage funktionieren. „Wir setzen BIM hauptsächlich dann ein, wenn wir als Generalplaner tätig sind und unsere Planungspartner für eine Closed BIM-Lösung selbst aussuchen können“, sagt Zechner, dessen Büro gemeinsam mit Mario Cucinella architects im Praterquartier „Viertel Zwei“ zwei Hochhaustürme für die IC Development GmbH modelliert. Der Bauherr hätte mit umfangreichen Informationsanforderungen seine Wünsche an das Gebäudemodell formuliert.

Projektentwickler geben BIM vor

Bei privaten Bauträgern und ihren Investoren wächst der „Datenhunger“ merklich und das bereits bei der Vorprüfung. „Zur besseren Abschätzung kann so ein Modell schon beim Grundstücksankauf oder bei
Fragen der Widmungsänderung relevant sein“, betont Claus Stadler, Geschäftsführer der UBM Development AG. Gegenüber Flächenkennwerten ließe sich früher mehr ableiten. „Für uns sind die Investoren als End­kunden ausschlaggebend“, sagt Stadler und stellt fest, dass deren Projekte in Zukunft nur gemeinsam mit den Gebäudedaten werthaltig wären.

Peter Ulm, Vorstandsvorsitzender beim Immobilien­entwickler 6B47, erhofft sich von BIM reibungslosere Projekte: „Die gemeinsame Planungsgrundlage erspart wiederkehrendes Abgleichen inklusive Bearbeitungsschleifen.“ Seine Investorengruppe wird das Althan Quartier am Franz-Josefs-Bahnhof in Wien-Alsergrund als erstes Projekt seiner Art auf den nächsten BIM-­Standard heben. ARTEC Architekten, die den städtebaulichen Wettbewerb gewannen (siehe Wettbewerbsdokumentation Seite 77), Delugan Meissl Associated Architects und Josef Weichenberger Architects heißen die planenden Architekturbüros und an der Gebäudemodellierung führt für sie kein Weg vorbei. „Wir haben den Bestand bereits in 3D vermessen lassen“, sagt Ulm und ermuntert mitzuziehen: „In fünf Jahren wird eine derartige Planung ganz sicher keine Herausforderung mehr sein.“ Dass die Planer das bei Zeiten tun werden, und zwar auch ohne BIM-Vorgaben seitens der öffentlichen Bauträger, darüber hat Weingrill von der BIG kaum Zweifel: „Die Planer werden sich rasch um­stellen.” 

Informationen
bimpedia.org
Begriffelexikon für unterschiedliche Berufsgruppen

freebim.at
BIM-Bauwerksdokumentation auf Basis der ÖNORM mit Einschulungen im Videoformat

bsdd.buildingsmart.org
sprachunabhängiges „BIM-Datenbuch“ für Bauteile und ihre Eigenschaften

bautechnik.pro
Plattform 4.0 der Österreichischen Bautechnikvereinigung (öbv)

Mit der Größe und Komplexität des Projekts steigt
der Nutzen von BIM. Varianten und multidimensionale Simulationen werden unterstützt.
© ISP Architekten, Stuttgart

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