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Höher, schneller, stärker

© Rhomberg Bau
Kurze Bauzeit und Sonderschalungen ließen sich bei der Raststation in Hörbranz vereinbaren.
© Rhomberg Bau

Ein bisschen smart sind sie geworden, die Schalungslösungen am Markt. Für die Ausführenden ist das Schalungsgewerbe damit ein hilfreicher Partner und für die Planergemeinschaft ein Möglichmacher.

von: Peter Matzanetz

Wenn Sie vom Lakhta Center noch nichts gehört haben, dann liegt das nicht am Gebäude selbst. Der St. Petersburger Multifunktionsbau ragt seit heuer 462 Meter übers Meer in die Höhe und zwar direkt an der Ostsee. Der turmartige Bau ist damit gleichzeitig das höchste Bauwerk des europäischen Kontinents. Weil sich das Gebäude nach oben windet, hätte eine herkömmliche Selbstkletterschalung nicht gedient. Die Schalungsplattformen wurden daher über Teleskoparme mit dem veränderlichen Grundriss mitgedreht. Eine solche über drei Geschoße reichende hydraulische Kletterkonstruktion erspart laut Produzent Peri den Kran, verhindert Abstürze und schützt vor Starkwind. An dem besonderen Bauplatz musste außerdem 80 Meter tief nach unten mit Betonpfählen gegründet werden. Als eigentliches Fundament wurde darüber eine 16,5 Meter hohe Betonbox gesetzt, die im Kern über radial angeordnete Betonscheiben ausgesteift ist. Die 19.624 Kubikmeter Beton, die hier in einem Schritt eingebracht wurden, bedeuteten einen neuen Weltrekord. Geschalt wurde dabei lediglich mit flexibel einsetzbaren Leichtbau­elementen aus Aluminium, die teilweise sogar per Hand versetzt wurden.

Hoch hinaus
Das bald höchste Wohngebäude der Welt wiederum wird aktuell unter Beteiligung des Amstettener Schalungsunternehmens Doka in den USA fertiggestellt. Der Central Park Tower im New Yorker Stadtteil Manhattan soll 2020 übergeben werden und wird dann 472 Meter Höhe aufweisen. Die Schalung erweist sich auch hier als Kletterkünstler. In den unteren Geschoßen eilte der Kern dem Rest voraus. Weiter oben werden Gebäudekern und Geschoßdecke in einem betoniert. Die Mannschaftsquartiere und der Treppenturm werden von Abschnitt zu Abschnitt hydraulisch gleichsam mit nach oben bewegt.
Seit der Wiener Wohnbau auch mehr in die Höhe geht, bedient sich dieser ebenfalls der Selbstklettertechnik. Beim kürzlich fertiggestellten Favoritner Projekt „Hoch33“ mit seinen 33 Geschoßen hat jede der 341 Mietwohnungen einen Balkon oder eine Loggia. Die damit einhergehende zerklüftete Fassade sollte einem raschen Baufortschritt nicht im Wege stehen. So war man beim Schalungsunternehmen Hünnebeck auf den kombinierten Einsatz von herkömmlicher Fassadenschalung mit Kletterfahrgerüsten gekommen.

Ganz große Flächen
Effizienz scheint bei Großbaustellen ein Gebot der Stunde zu sein und Sonderapparaturen werden immer wieder neu entwickelt. Für einen Bau in Kanada mit insgesamt 200.000 Quadratmetern Deckenfläche war eigens eine auf einem Rahmen schwebende Konstruktion entworfen worden, die ohne lästige Ständer auskommt. Für den erwähnten Fall wurden vom Hersteller Peri mindestens 30 Prozent Zeitersparnis und 2.800 Quadratmeter Wochen-Produktionsleistung reklamiert. Für Arbeiten in Regelgeschoßen, die möglichst noch ohne Zwischenwände auskommen, bieten einzelne Hersteller auch maschinenunterstützte Tischhubsysteme an. Diese bringen Leichtbaupaneele über Kopf in Position oder lassen sie hydraulisch wieder herab. Um geschwungene Abschlüsse an den Fassadenfronten zu erleichtern, also bei kreisförmigem Grundriss, werden auch Leichtbaugabeln für geschoßweises Versetzen per Kran eingesetzt. Damit können runde Fassaden bei ausreichender Wiederholung trotzdem wirtschaftlich produziert werden.

Weniger ist mehr
Bei herkömmlichen Träger-Deckenschalungen werden vielfach Systeme angeboten, die dank leistungsstarker Hauptträger mit bis zu 30 Prozent weniger Ständern auskommen als herkömmliche Systeme. Flugdächer mit größerer Lichtehöhe wiederum können auch in zehn Metern Höhe ohne Gerüstaufbau geschalt werden. Solide Stahlrahmentische in Kombination mit Aluständern können das leisten. Die Baustelle der Autobahnraststätte in der Vorarlberger Grenzgemeinde Hörbranz wurde vom Schalungsunternehmen Hünnebeck dahingehend ausgestattet. Für die Stützen mit Pilzkopf, nach einem Entwurf von Architekt Christian Lenz waren Stahlsonderschalungen eigens geplant und konstruiert worden. Errichtet wurden die 37-fach sich wiederholenden Bauteile mit nur zwei Schalungskörpern. Im Dreitagesrhythmus wurde ausgeschalt sowie das Korsett neu aufgestellt. Jenes Vorgehen hätte die Terminplanung unterstützt, aber auch die rasche Fertigstellung in nur zwei Jahren begünstigt, wie die Baufirma Rhomberg mitteilt.

In Form gebracht

Central Park Tower in Manhattan: Gebäude­kern und Geschoßdecke werden in einem betoniert.
© Doka GmbH

In Form gebrachtStützenprofile, ob rund oder eckig in formschönen Querschnitten, können bei spezialisierten Firmen wunschgemäß bestellt werden. Formen werden zum Beispiel bei Max Frank als Einlage gefertigt die über einfache Ummantelungen in Form gehalten werden. Dabei kommt man ohne eigentliche Schalung aus. Simple Rundstützen können überhaupt nur mit einer formstabilen Kartonage produziert werden, die leicht ausgeschalt und sogleich entsorgt werden kann. Glatte Oberflächen seien damit herstellbar und sogar porenfreie Oberflächen verspricht man über eine eingelegte Folie erzielen zu können. Gesimse können wiederum mit Gussformen aus Kunststoff faconiert werden. Zum Thema störende Ankerlöcher werden Faserbeton­korken angeboten, wobei unterschiedliche Fassungen Gestaltungsspielraum bieten. Gleiches gilt, was die ­Farbschattierungen betrifft. Das symmetrische Ankerlochbild ist bei manchem Ausstatter mehr und bei manchem weniger Thema. Hünnebecks letzte Errungenschaft, die leistungsstarke Rahmenschalung Platinum 100, kann jedenfalls bezüglich des ausgeglichenen Schalungsabdruckes dienen. Kunststoffschaltafeln, die von hinten fixiert sind, sorgen laut Hersteller auch für dezente Schalungsbilder.

Praktisch ist Trumpf
Ansonsten überbieten sich die Hersteller bei den Errungenschaften, wobei sich vieles einfach auch um die Bedienbarkeit dreht. Einseitig setzbare Anker finden sich mittlerweile fast überall im Angebot. Damit kann wertvolles Personal auf der Baustelle gespart und das Setzen besser ermöglicht werden, wo der Seitenabstand wenig Spielraum lässt. Verschlüsse, die fix auf den Platten aufliegen und derart nicht verloren gehen können, sowie Stütz-, Schal- und Gerüstsysteme in einem sind praktische Neuentwicklungen. Beim Betonleichtbau ist auch einiges in Bewegung, wobei man hier kaum aus dem Experimentieren herauskommt. Die ETH Zürich hat zuletzt gemeinsam mit Doka eine Schalung erprobt, die selbsttragende Konstruktionen ermöglicht. Im konkreten Fall wurde ein Pionierprojekt mit einem Stahlseilnetzwerk und einer abgespannten Folie errichtet, wobei immerhin mit nur 800 Kilogramm Eigengewicht 20 Tonnen Leichtbeton geschalt werden konnten.

Digitale Ergänzung
Die Schalungssysteme werden mehr und mehr auch technologisch unterstützt. Elektronische Informationen an den Schalungselementen kommen dank Internet of Things (IoT) ins Spiel. Derartige Produkte gibt es bereits und durch sie lassen sich Logistikaufgaben in Zukunft leichter überschaubar halten und Konstruktionselemente besser zusammenfinden. „Augmented Reality“ bietet ebenfalls bereits schon heute Unterstützung für den Aufbau, sodass zukünftig vielleicht ohne großes Anlernen leichter konstruiert werden kann, auch wenn der Plan missverständlich ist. Bei Doka gibt es das als Software, und eigentlich preschen alle großen Anbieter mit Software oder Plattformen für die Baustellenverwaltung in der Hoffnung vor, dass die Nutzer den Mehrwert der Technologie für sich erkennen.

BIM zu unterstützen ist auch schon vielfach vorgesehen. Damit lässt sich der Schalungsbedarf im Modell detailhaft und produktbezogen abbilden. Eine Kollisionsprüfung lässt sich auch durchführen, damit letztlich die Umsetzbarkeit vom Plan weg garantiert ist. Beim Bau des Science Towers in Graz wurde eine spezielle Hardware eingesetzt, die den Aushärtungsgrad des Betons gemessen hat. Damit waren exakte Festigkeitswerte vorhanden, die wiederum ein früheres Ausschalen und einen schnelleren Baufortschritt ermöglichten. Auch diese Technologie ist bereits als marktfähiges Produkt im Angebot eines heimischen Herstellers und mit BIM sind solche Dinge im Baumanagement natürlich schon hilfreich. Im Übrigen kann individuelle Formgebung mittels BIM auch der Produktion von Holzschalungen dienen, weil die CNC-­gefrästen Teile die gleichen Daten verwenden. Schalungsunternehmen bieten damit mehr Möglichkeiten denn je. Sie lösen dadurch allerdings schon auch ein Erfordernis aus, sich mehr auf die Kooperation mit ihnen einzulassen.


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