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Die Stadt Graz integriert die Smart-City-Strategie als übergeordneten Grundsatz in ihr Stadtentwicklungskonzept (Grafik: Ideenwettbewerb Smart City Graz).
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Der Mensch im Vordergrund

Zu den Querschnittsmaterien von Smart Cities gehören Themen wie Energie, Mobilität und Digitalisierung – aber auch der Grundsatz sozialer Nachhaltigkeit. Warum Graz diesbezüglich als Pionier gelten darf und was das mit „städtebaulichen Verträgen“ zu tun hat.

von: Rudolf Preyer

Was sie doch nicht alles können sollen, die Smart Cities! Die Ansprüche seitens der Akteure genauso wie der Bewohner werden von Jahr zu Jahr höher. Und dennoch: An ihnen führt buchstäblich kein Weg vorbei, und ihr Idealtypus wird besser heute denn morgen zu erreichen versucht. Für unsere (Enkel-)Kinder wird es nämlich selbstverständlich sein, dass Gebäude die benötigte Energie zur Heizung und Kühlung selbst produzieren und speichern, dass Stromnetze intelligent miteinander kommunizieren und sie ihren Energieverbrauch mit dem Handy steuern.

Smart City-Pionier Graz
Wichtig im Smart City-Verbund sind jedenfalls „städtebau­liche Verträge“, also Verträge zwischen der Stadt und Investoren, Investitionen für das Gemeinwohl werden im Vorfeld möglicher Widmungen vereinbart. An Beispielen wären in Wien etwa der Naschmarkt, auch das Althan Quartier zu nennen; aber auch Graz zeichnet sich durch seine städte­baulichen Verträgen aus.

Dazu holt Kai-Uwe Hoffer (Leitung Smart City Graz) aus: Das in eine Beckenlage eingebettete Graz sei von vornherein klimatisch benachteiligt. Die steirische Landeshauptstadt verordnete sich daher einen Paradigmenwechsel – und bewarb sich auf die erste Smart-City-Ausschreibung der Europäischen Union. In diesem Zusammenhang wurde die Smart-City-Strategie – „in Form eines breiten Prozesses“, so Hoffer stolz – entwickelt: „Als eine der ersten Städte in Europa haben wir die Smart-City-Strategie als übergeordneten Grundsatz in unser Stadtentwicklungskonzept im Ver­ordnungsrang eingebaut.“

Mit der Smart City Graz Mitte nun hat man ein neues Stadtquartier mit Mischnutzungen realisiert (davor gab es dort hauptsächlich Industriebrachen). Dafür konnten aufgrund von gemeinschaftlichen Bemühungen seitens der Stadt und privater Konsortialpartner 4,2 Millionen Euro an Fördermitteln lukriert werden.

Smarte Innovationen & Science Tower
Im Zuge dieses Leitprojekts wurden auf Quartiersebene, sprich: mit den Bewohnern, Versprechen konkret eingelöst. So sind Mieterstrom-Module auf den Dächern nur ein Beispiel – dabei kann der Strom von den Mietern selbst geerntet und verwertet werden. Private beteiligen sich an den vereinbarten smarten Umsetzungsmaßnahmen mit einer Summe von rund zehn Millionen Euro: Innovative Mobilitätsmaßnahmen, ein Niedertemperatur-Wärmenetz, Gemeinschaftsräume, die Finanzierung des Stadtteilmanagements und die Gestaltung der Parks und des Platzes werden dabei umgesetzt. In den Wohnprojekten werden Investoren Smart Home-­Lösungen anbieten.

Sprichwörtlicher „Leuchtturm“ der Smart City Graz ist gewiss der jüngst eröffnete 60 Meter hohe Science Tower der SFL Technologies (Architekt Markus Pernthaler), in welchen sich Hightech-Unternehmen aus dem Bereich Green Sciences einmieten, die gemeinsam mit den umliegenden Unternehmen und Universitäten einen Science Cluster bilden. Und im nächsten Jahr, so verrät Hoffer, wird unter dem Turm eine Volksschule mit dem Motto „Schüler als Forscher“ eröffnet. Die Kinder werden dann selbstverständlich den schon rund hundert Wissenschaftlern des Science Towers einen Besuch abstatten können.

Aspern Smart City Research

Archiv © Richard Tanzer
In der Seestadt Aspern werden Gebäude wie der Schulcampus mit unterschiedlichen Technologie-Komponenten zur Energieoptimierung ausgestattet.
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Erklärtes Ziel der Aspern Smart City Research (ASCR) in der Wiener Seestadt wiederum ist es: mehr Energieeffizienz bei weniger CO2-Ausstoß. Die aktuellen Forschungsobjekte sind eine Wohnhausanlage („Leben mit Holz“, berger+parkkinen und querkraft architekten), ein Studierendenheim (GreenHouse, aap Architekten) und ein Schulcampus (Campus Seestadt, Fasch & Fuchs Architekten). Sie wurden mit unterschiedlichen Technologie-Komponenten ausgestattet, so etwa mit Photovoltaik- und Solarthermie-Anlagen, mit Wärmepumpen und mit diversen Speicherlösungen. Georg Pammer, Geschäftsführer der ASCR: „Wir finden heraus, wie die Energieerzeugung und der Verbrauch im Gesamtgebäude optimiert werden können. Das Stichwort dazu lautet: vorausschauende Gebäudeautomatisierung.“ Darüber hinaus erforscht die ASCR sogenannte Building Energy Management Systeme (BEMS) – dabei lässt sich prognostizieren, wann und wie viel Überschuss produziert und ins Netz eingespeist werden kann.

Smart Grid & Smart User
In ganz Europa müsste die Strominfrastruktur laut Experten an die Anforderungen der dezentralen Erzeugung angepasst werden: Ein intelligentes Niederspannungsnetz, ein sogenanntes „Smart Grid“, und neue Speichermethoden spielen deshalb eine immer größere Rolle. Aber auch andere österreichische Forschungsinstitute arbeiten und denken in Richtung Smart Cities. So berät etwa die Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) im Auftrag des Innovationsministeriums (BMVIT) heimische Akteure und Firmen bei der Konsortialbildung und Umsetzungsfinanzierung innovativer Projekte. Dazu zählen Smart Pölten 2.0 (Vertical Farm-Projekt), EnerPHit (Modernisierung eines Gründerzeit-Gebäudes mittels eines Aerogel-Dämmputzes) und das Innovationslabor GrünStattGrau (Kompetenzstelle für Bauwerksbegrünung). Zu guter Letzt wieder Kai-Uwe Hoffer von Smart City Graz: „Wir haben von Anfang an gewusst: Die Technik muss bei uns im Hintergrund stehen, denn in den Vordergrund gehört der Mensch gestellt.“


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