338 Interior Design

Das neue Weiß

© Bette
Badewanne „Oval Couture“ von Bette
© Bette

Was fällt einem zu Schwarz ein? Schwarz wie die Nacht, Schwarz passt immer, Schwarz auf Weiß – alles Mögliche jedenfalls, nur nicht das Badezimmer. Höchste Zeit, endlich umzudenken.

von: Barbara Jahn

Es mag vielleicht im ersten Augenblick etwas irritieren, aber mit der Zeit beginnt es zu wirken und schließlich auch zu gefallen. Bademöbel sind ab sofort nicht mehr sklavisch an Zahnpasta-Weiß gebunden, sondern dürfen auch selbstbewusst Farbe bekennen. Eine davon ist schlicht und einfach Schwarz. Natürlich assoziiert man mit Weiß Reinheit, Unberührtheit Hygiene und Sterilität, kurz alles, was in einem Badezimmer nicht fehlen darf. Aber bei dem, was bisher – maximal mit ein paar „mutigen“ Abweichungen Richtung Creme, Beige oder Champagner – als das Nonplusultra galt, sieht die Sanitärwelt in Schwarz schon ganz anders aus.

Warum eigentlich?
Wir leben in Zeiten der Veränderung und Weiterentwicklung – im Job, im Alltag und auch im Privatleben. Letzteres bekommt in Krisenzeiten immer einen höheren Stellenwert, und deshalb konzentriert man sich auf das eigene Zuhause, das die Krise draußen lässt und einen mit offenen Armen empfängt. Auch wenn Weiß viele positive Eigenschaften hat, so wirkt es doch meistens hart, klinisch und manchmal sogar fast abweisend. Schwarz hingegen mutet samtig an, es strahlt Exklusivität und Noblesse aus und lässt der Individualität ihren Freiraum. Es verträgt sich mit jeder Formensprache und kann in jeder Hinsicht hervorragend kombiniert werden. Gleichzeitig ist es zurückhaltend, von zeitloser Eleganz und unterwirft sich ebenso wie Weiß keiner modischen Laune. Erstaunlich, wie viel diese beiden farblichen Gegensätze doch gemeinsam haben.

Ganz in Schwarz

Wenn es beliebt, kann man sein Badezimmer komplett in mystisches Schwarz einfärben. Mittlerweile werden von den verschiedensten Bademöbelproduzenten komplette Sortimente angeboten, die keine Lücke mehr offen lassen. Und dabei ist das nicht nur etwas für Männer. Je nach Struktur wirken die Elemente durchaus weich und seidig. Betrachtet man diese großartige Bandbreite von Produkten, so wird auch klar, wie vielseitig simples Schwarz sein kann und wie unterschiedlich es durch die unterschiedlichen Oberflächenstrukturen wirkt. Wem Schwarz trotz dieser reichen Vielfalt dennoch zu hart ist, der kann dem Trend mit dem etwas weicheren Grau folgen. Schwarz ist jedoch ausgefallen und bringt eine gewisse Dramatik mit sich. In Kombination mit Holz oder Naturstein wie Schiefer wirkt Glasiertes oder Edelstahl in Schwarz gleich auch mal ein bisschen weicher. Allein durch die Lebendigkeit der Oberfläche, an der sich das Licht bricht.

Kleines Schwarzes
Doch manchmal möchte man einfach nur mit einem Hauch von Schwarz in seinem Badezimmer gewisse Akzente setzen. In diesem Fall empfiehlt es sich natürlich, sich auf einzelne Elemente zu konzentrieren, etwa in Form eines einzelnen Möbels oder auch einer Armatur. Sämtliche Badhersteller – sei es Badmöbel, Accessoire oder Armatur – greifen bei Schwarz herzhaft zu. Zurückhaltung wäre hier fehl am Platz. Was das Herz begehrt, wird in tiefes Schwarz getaucht und erzeugt einen geheimnisvollen Flair im Raum. Gerne wird natürlich auch mit dem Pendant Weiß kombiniert – eine ebenso reizvolle Variante, die vielleicht die konträren Geschmäcker ein Einklang bringen kann. Und man kann mit Weiß wunderbare Akzente setzen. Von rau bis glatt, von glänzend bis matt, von soft bis satt – alle Varianten von Oberflächen und Farbnuancen fließen hier ein.

© Kaldewei
Waschbecken „Miena“ von Kaldewei, ­Design: Anke Salomon.
© Kaldewei

Sexy mit Stil

Die Sorge, dass mit Schwarz das oft ohnehin kleine Bad noch kleiner wirkt, ist unbegründet. Ganz im Gegenteil: Der Raum bekommt noch mehr an Tiefe im Gegensatz zu den blitzweißen Projektionsflächen. Schwarz hüllt ein, lässt entspannen und sorgt im Idealfall dadurch für mehr Wohlbefinden im eigenen Körper. Traut man sich nun, oder traut man sich nicht? Das ist nun die große Frage. Ganz ehrlich: Ein wenig Mut erfordert es schon. Aber warum sollte man nicht einmal über den eigenen – ohnehin auch schwarzen – Schatten springen und sich etwas gönnen, was vielleicht um eine Nuance unkonventioneller ist als das heilige Weiß, das – in allen Ehren – endlich einmal ein bisschen Platz machen könnte. Zumindest im Badezimmer.

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Design: Terri Pecora.
© Vitra Bad

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