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aspern Die Seestadt Wiens

© ATParchitekteningenieure
Das 2012 fertiggestellte ­Technologiezentrum Seestadt wird erweitert.
© ATParchitekteningenieure

Labor für energieeffiziente und nachhaltige Stadtentwicklung

aspern Die Seestadt Wiens ist die bedeutendste Stadterweiterungsmaßnahme, die in Wien – seit der Gründerzeit – je initiiert wurde und eines der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Das Planungsgebiet umfasst 240 ha – so viel wie 340 Fußballfelder oder die gemeinsame Fläche des 7. und 8. Wiener Gemeinde­bezirks. In mehreren Bauphasen wird bis zum Jahr 2028 ein Stadtteil mit Zentrums-, Wohn- und Arbeitsfunktion für bis zu 20.000 Einwohnerinnen und Einwohner und 25.000 Beschäftigte geschaffen.

Die Dimension und die strategische Lage des Areals verleihen der Entwicklung der Seestadt aspern eine besondere Bedeutung für die Stadt Wien. Ziel der Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 Aspern Development AG ist es, die Vergabe von Liegenschaften im Stadterweiterungsgebiet des ehemaligen Flugfelds Aspern an Nachhaltigkeitskriterien zu knüpfen. In energetischer Sicht wurden Ziel- und Mindestkriterien definiert, die die Gebäude erfüllen müssen und die sowohl in den Ausschreibungen, als auch nach Fertigstellung der Gebäude kontrolliert werden können. Um Ziel- und Mindestkriterien in energetischer Hinsicht für die Objekte der Baufelder festlegen zu können, musste ein Gesamtenergiekonzept für den ganzen Stadtteil erarbeitet werden. Um die Sicherung der Nachhaltigkeitsziele bis in die Nutzungsphase zu gewährleisten, wurden Qualitätssicherungsmaßnahmen im Forschungsprojekt entwickelt.

Nachhaltige Vergabekriterien
Das im Rahmen des Leitprojekts „Haus der Zukunft Plus“ entwickelte Forschungsprojekt NACHASPERN hatte die Aufgabe, Kriterien und Maßnahmen zu erstellen, die bei der Vergabe der Baufelder als Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung dienen. Es wurden wesentliche Schritte durchgeführt, um in „aspern Der Seestadt ­Wiens“ großflächig energieeffiziente und nachhaltige Gebäude umzusetzen. Für alle Gebäude in diesem Stadtteil sind verpflichtende Kriterien festgesetzt, die sicherstellen, dass auf Energieeffizienz, die Energieversorgung und nachhaltige Materialien geachtet wird und Maßnahmen für einen energieeffizienten Betrieb forciert werden. Die erarbeiteten Mechanismen, wie diese im Planungsprozess eingesetzt werden können, wurden getestet und funktionieren auch. Diese müssen jedoch von Seiten der Entwicklungsgesellschaft penibel umgesetzt werden. Dazu gehören: Integration der Kriterien in alle Vergabeprozesse (Architekturwettbewerbe, Bauträgerwettbewerbe, Direktvergabe),Entsendung mindestens einer stimmberechtigten und kompetenten Person in die Auswahlgremien, welche die Kriterien im Vergabeprozess verteidigt, Integration von Anreiz- und Pönalemodellen in die Verträge zwischen Entwicklungsgesellschaft und Projektentwickler, um möglichst die Zielkriterien zu erreichen und keine Gebäude zu errichten, welche die Mindestkriterien nicht erfüllen, zumindest stichprobenartige Überprüfung der in Planung und Errichtung befindlichen Gebäude sowie der fertig gestellten Gebäude.

Gebäudeübergreifende Energie
Das Projekt „Gebäudeübergreifende Energie“ verfolgt das Ziel, die Realisierung der Demonstrationsgebäude zu unterstützen, indem die Möglichkeiten des Energieaustausches vor allem zwischen den unterschiedlichen Nutzungen „Wohnen“, „Büro“ und „Produktion“ untersucht werden und die dabei gewonnenen Erkenntnisse den Planungsteams zeitgerecht zur Verfügung gestellt werden, damit diese im größtmöglichen Ausmaß in der Realisierung berücksichtigt werden können. Anhand des Demonstrationsgebäudes Technologiezentrum Seestadt wurde im Rahmen dieses Projekts gezeigt, dass der Energiebedarf für die Raumkonditionierung (Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung, Warmwasser) aus Energieeigenproduktion über die Jahresbilanz gedeckt werden kann.

Zahlreiche Einzelmaßnahmen wurden kombiniert: eine thermisch optimierte Gebäudehülle, eine vorgesetzte Add-on-Fassade, die unterschiedliche Funktionen wie Energieproduktion, Verschattung oder auch Fassadenbegrünung erfüllt, aber auch Abwärmenutzung von Serverräumen zur Raumkonditionierung und kontrollierte mechanische Belüftung in Abhängigkeit von der Außentemperatur und der Innenraumluftqualität. Dadurch wurde eine Gebäudeperformance erreicht, die es erlaubt, mehr Energie am Gebäude zu produzieren, als für die Raumkonditionierung über das Jahr gesehen benötigt wird.
Erkenntnisse aus dem Gebäudebetrieb nach erfolgter Inbetriebnahme lassen den Schluss zu, dass die Abstimmung der physikalischen Eigenschaften der luftdichten Gebäudehülle mit dem Design der haustechnischen Anlagen gelungen ist. Die Kühlung der Mietbereiche mittels Erdwärme funktionierte auch bei längeren extremen Temperaturen bis zu knapp 40 Grad Celsius einwandfrei. Die Energieproduktion der Photovoltaik deckt den Strombedarf für den Gebäudebetrieb weitgehend ab. Das 2012 fertiggestellte Technologiezentrum Seestadt wird derzeit um ein weiteres Gebäude erweitert.

Informationen
nachhaltigwirtschaften.at
bmvit.at


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