338 Naturstein

Alte Steine, neue Ideen

© Breitwieser
Badezimmer aus Marmor Statuario Extra, ein äußerst eleganter Stein aus dem berühmten Carrara-Steinbruch in Italien.
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Eine Diva ohne Allüren: Naturstein als Werkstoff ist so klassisch, dass er für nahezu alle innovativen Projekte unkompliziert eingesetzt werden kann. Her also mit dem großen Auftritt!

von: Barbara Jahn

Gerade im Sommer, wenn wilde Fontänen aus den Bergen hervorbrechen und zu Tal stürzen, wenn die Schneeschmelze so richtig in Fahrt kommt, wird einem wieder einmal bewusst, welche Urkraft in der Kombination von Wasser und Stein steckt. Der Stein, der als unerschütterlich in den Köpfen der Menschen verankert ist, gibt ausgerechnet dem Wasser, das so wunderbar weich ist, nach – mit dem Nebeneffekt, dass Stein sich oftmals nass von seiner schönsten Seite zeigt.

Mit jeder Faser
Warum also nicht Stein direkt an den persönlichen Ort des Seins holen und die Kraft, die von ihm ausgeht, hautnah erleben? Ein Gedanke, der verführerisch klingt, aber auch zum Greifen nah ist. Wo könnte man das
Erlebnis Stein und Wasser besser genießen, als in jenen Räumen, die von Natürlichkeit, Gefühlen und Sinnen leben: Küche und Badezimmer sind geradezu dafür bestimmt. In den letzten Jahren hat sich Naturstein immer mehr seine Stellung im Wohnraum zurück­erobert, längst gilt er nicht mehr als zu protzig und zu elitär, sondern vielmehr als gutüberlegte Investition in das Gesamtkonzept Wohnen, in dem Nachhaltigkeit ihren fixen Platz hat.

Einzig und artig
Naturstein ist nicht nur wieder sehr gefragt als Fuß­bodenbelag, der vor allem im Sommer herrlich kühlend auf nackte Sohlen wirkt, authentisch und erdig, sondern er kann auch ganz gut mit Fußbodenheizung und speichert gleichzeitig an kalten Tagen die Wärme. Dass es in Küche und Bad richtig zur Sache geht, liegt selbstverständlich an der einzigartigen Optik, die jedes Stück zu einem Unikat werden lässt – strahlend, leuchtend, glatt oder rau. Jede Ader, jede Furche, jeder Einschluss, jedes Muster fasziniert, ganz von Natur gemacht und nur in Form gebracht. Fast wäre es schade, bliebe diese unverfälschte Schönheit unten im Berg verschlossen. So entfaltet sie aber ihre ganze Pracht.
Nun, genug geschwärmt. Natürlich gibt es auch die praktischen Vorteile, die andere Materialien ganz schön blass aussehen lassen. Hitzebeständigkeit und Kratzunempfindlichkeit sprechen für den Einsatz in der Küche, Hygiene ohnehin, und das auch im Bad, wo gerne die haptischen Qualitäten und die Kunst der Erwärmung des Weiteren in Anspruch genommen werden. Ganz egal, ob als Platte oder als ganzer Block: Stein lebt und belebt.

Im Kern die Kunst

© antoniolupi
Schalenförmige Badewanne Eclipse aus Marmor von antoniolupi.
© antoniolupi

Stein kennt dabei fast keine Grenzen: Beinahe jedes Format ist machbar, ebenso annähernd jede Form. Das erklärt auch die große Nachfrage an skulptural wirkenden Badmöbeln wie Stand-alone-Waschbecken und frei platzierten Badewannen in Schalenform, die – von allen Seiten schön anzusehen – so für sich platziert erst so richtig gut wirken.
Doch keine Angst: Wer keine „Reithalle“ als Badezimmer zur Verfügung hat, kommt ebenfalls auf seine Rechnung – auch sich an die Wand schmiegende Kunstwerke aus Stein verfehlen ihre Wirkung nicht. Aufwändig wie eh und je, jedoch gerne geordert werden auch kleinteilig verlegte oder mosaik­artige Flächen, die entweder hinterleuchtet oder als eine Art Teppich-Ersatz ihren großen Auftritt zelebrieren. An Wand und Boden wird vermehrt Naturstein eingesetzt. Sehr gut macht sich diese Bereich aus Naturstein zweifel­los in Spa- und Wellnessbereichen, um mit ihrer sanften Tönung einerseits und mit ihrer kunstvollen Zusammen­setzung andererseits eine bestimmte Atmosphäre zu erzeugen, die ein natürliches Wohlbefinden auslöst.

Auf nach draußen
Spannend zu beobachten ist auch der Trend zur Outdoorküche aus Naturstein, die sich die Freiluftqualitäten des Materials zum Ansatz nimmt. Niederschlagserprobt und durchaus für reif empfunden, wird man wahrscheinlich in Zukunft mehr von dieser Sorte sehen, die damit auch jenen Markt, den sich bisher eher Holz, Aluminium und Edelstahl teilen, aufmischen wird. Und gleich öffnet sich wieder eine neue gestalterische Perspektive, denn, nachdem sich das gesamte Leben in den nächsten Jahren ohnehin immer mehr nach draußen verlagern wird, können Pool, Terrasse, Wegführung und Outdoor­kochen aus einem Guss gestaltet werden. Wenn das mal keine guten Nachrichten sind. 


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