359 Editorial

Ziegel, Beton oder Holz

© Raphael Kanfer
Roland Kanfer
© Raphael Kanfer

Keiner der Baustoffe hat nur Stärken oder Schwächen.

von: Roland Kanfer

Es gab eine Zeit – es waren die 2000er-­Jahre –, da begann die mineralische Bau­stoffindustrie, die Konkurrenz der Holzindustrie zu spüren. Erste zaghafte Versuche, bei Baubehörden, Planern und Bauträgern für die Holzbauweise im mehrgeschoßigen Hochbau zu lobbyieren, wurden – im doppelten Wortsinn – massiv bekämpft. Es wurden Studien in Auftrag gegeben, die vorrechneten, wie viele Tote es in Ländern, die diese Bauweise zugelassen hatten, nach Bränden gegeben habe. Laborversuchsreihen, Statistiken und Rechenmodelle wurden bemüht, um zu belegen, dass Bewohner von Holzbauten ungleich größeren Gefahren ausgesetzt seien als solche in Gebäuden aus Ziegel oder Beton.
Heute hat sich die erste Aufregung über den Mitbewerber Holz weitgehend gelegt. Noch immer ist die Anzahl von mehrgeschoßigen Wohn- oder Bürogebäuden aus Holz verschwindend gering im Vergleich zu den Massivbauten. Die prognostizierten Todeszahlen haben sich nicht bewahrheitet. Und man hat festgestellt, dass auch der großvolumige Holzbau nicht ganz ohne massive Baustoffe auskommt – Fluchtstiegenhäuser oder Liftschächte müssen aus brandschutzrechtlichen oder konstruktiven Gründen weiterhin betoniert werden.
In der PR-Arbeit ist man folglich vom „Negative Campaigning“ gegen den Bau­stoff Holz abgekommen. Dasselbe gilt umgekehrt für die Holzindustrie. Man ist zu einer positiven Darstellung der Vorteile des jeweiligen Baustoffs übergegangen. Die gibt es, ebenso wie jeder Baustoff auch seine Schwachstellen hat. Keiner der Bau­stoffe ist nur gut oder nur schlecht. Mit der Holz-Beton-Verbundbauweise ist es gelungen, die Vorzüge der Holz- wie der mineralischen Baustoffe – geringe Deckenstärke, einfache Anschlussdetails sowie gute schalltechnische und brandtechnische Eigenschaften, Vermeidung der Querpressung von Holz und die Möglichkeit der Fertigteilbauweise – zu vereinen und so die jeweiligen Lobbys miteinander zu versöhnen. Selbst das gängigste Argument, dass nämlich Holz ein CO2-Vernichter sei, während die Produktion von Ziegeln und Beton solches zusätzlich erzeuge, könnte in Zukunft an Stellenwert verlieren. Wie in der Titelgeschichte dieser Ausgabe zu lesen ist, hat ein belgisches Unternehmen ein Verfahren entwickelt, Ziegel mittels Beigabe von Kohlendioxid herzustellen. Diese Ziegel sollen auch nach der Produktion immer noch Kohlendioxid aus der Luft aufnehmen.
Wir präsentieren in dieser Ausgabe eine Bandbreite von Projekten, die bei unterschiedlichen baustoffspezifischen Architekturpreisen prämiert und nominiert wurden. Sie alle zeigen, welche architektonischen Höchstleistungen mit den Materialien Ziegel, Beton und Holz möglich sind, wenn man deren jeweilige Eigenschaften kennt.
Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen, friedliche und erholsame Feiertage – und: Bleiben Sie gesund!

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