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Wohnen wie früher

© tschinkersten fotografie
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Der Kapellenhof, Wien / ARGE KAP – AllesWirdGut / feld72 Architekten

Der Kapellenhof, Wien / ARGE KAP – AllesWirdGut / feld72 ArchitektenGanz im Stil der Wiener Gemeindebauanlagen aus der Zwischenkriegszeit, mit Baukörpern, die sich schützend um einen großen Innenhof gruppieren – so präsentiert sich der im vergangenen November fertiggestellte Kapellenhof im 22. Wiener Gemeindebezirk. Der von AllesWirdGut und feld72 Architekten geplante Wohnbau bietet Weite, Identität, Blickbeziehungen und einen umgebenden Stadtwald. Mit dem großen gemeinschaftlichen, begrünten Hof ist ein klares und selbstbewusstes Ensemble entstanden. Um die große Baumasse in die städtebauliche Matrix und die Nachbarschaft optimal zu integrieren, ist der Hofteil im Norden spärlicher begrünt und bildet mit den Gemeinschaftsräumen einen über die Grundgrenzen hinausreichenden Park, der einen Mehrwert für das Quartier schaffen kann. Im Süden des Wohnquartiers ist im Erdgeschoß ein Geschäftslokal angesiedelt, das sich um das soziales Leben in der Nachbarschaft kümmern soll, die überwiegend aus Einfamilienhausbebauung besteht.

Wiener Wohntradition
Mit diesem Hof, der das Entstehen einer Wohnidentität verspricht, knüpft man an eine Wiener Tradition an. Der Hof bietet zahlreiche Nischen für unterschiedliche Nutzungen. Auf jeder Stiege gibt es einen Waschsalon und einen Gemeinschaftsraum mit vorgelagerter Terrasse. Über die Nutzung der Gemeinschaftsräume sollen die Bewohner partizipativ entscheiden können.

Bei dem im Jahr 2016 durchgeführten Bauträgerwettbewerb „Kapellenweg“ handelte es sich um das erste Verfahren, das im Rahmen der Wohnbau-Offensive 2016–2018 abgeschlossen worden ist. Kostengünstige Lösungen im Sinne des leistbaren Wohnens standen im Vordergrund. Deshalb ist ein Drittel der Wohneinheiten als SMART-Wohnungen errichtet. Außerdem gibt es Wohnungen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen und acht Wohneinheiten mit einer Raumhöhe von 4,20 Meter bei einer Grundfläche von 32 Quadratmetern.

Gelungene Erdgeschoßkonzeption
Die Baukörper mit 450 Zwei- bis Dreizimmerwohnungen, die in ihrer Anordnung großzügige Durchlässigkeit sicherstellen, werden von vier Stiegenhäusern mit angedockten großzügigen Eingangsbereichen und Infrastrukturangeboten, wie etwa Gemeinschaftsräumen, erschlossen. Besonders lobend hob die Jury die gelungene Erdgeschoßkonzeption und deren Durchwegung sowie auch das differenzierte Wohnungsangebot mit sehr guter Zuordnung der Balkone hervor. In den oberen Geschoßen bilden eingezogene Loggien wohnungsbezogene Freiräume, in den unteren vier Geschoßen prägen Balkone das Bild. Die Vor­gärten im Erdgeschoß sind einen halben Meter über Terrain erhöht und für die Wohnungen im Erdgeschoß somit als Freiräume sehr gut nutzbar.

Projekt
Der Kapellenhof, Kapellenweg 35, 1220 Wien

Bauherren
ARWAG Bauträger Ges.m.b.H, Wien, arwag.at
NEUES LEBEN Gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Reg. Ges.m.b.H, Wien, wohnen.at
WOGEM Gemeinnützige Wohn-, Bau- und Siedlungsgesellschaft, Wien, wogem.at

Architektur
ARGE KAP AllesWirdGut / feld72
AllesWirdGut Architektur ZT GmbH, Wien, awg.at
feld72 Architekten ZT GmbH, Wien, feld72.at

Landschaftsplanung
Carla Lo Landschaftsarchitektur, Wien

Statik: Dorr – Schober & Partner ZT GmbH, Wien, dsp-zt.at
Fotos: tschinkersten fotografie, tschinkersten.com

Projektdaten
Grundstücksfläche: 16.453 m²
Bebaute Fläche:
Oberirdisch ca. 10.055 m²  
Unterirdisch ca. 5464 m²
Mietzinstragende Nutzfl.: 28.497 m²
Bruttogeschoßfläche: 52.270 m²

Projektablauf
Wettbewerb: 08/2016
Planungsbeginn: 09/2017
Baubeginn: 01/2018
Fertigstellung: 11/2019

Wettbewerbsdokumentation
ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 6/2016 (329)

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