342 Thema

Wohnen ist ein Grundrecht

© David Bohmann
Wiens Wohnbaustadträtin will die Grund- und Bodenspekulation in der Stadt einbremsen.
© David Bohmann

Der soziale Wohnbau ist die größte Förderung der Mittelschicht in unserer Stadt. Mit der neuen Widmungskategorie „geförderter Wohnbau“ soll das Wohnen auch leistbar bleiben, meint die Wiener Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál in diesem Gastkommentar.

von: Kathrin Gaál

„Eine schlechte Wohnung macht brave Leute verächtlich“, schrieb bereits Goethe. Als Stadträtin für Wohnen, Wohnbau und Stadterneuerung darf ich ihm darin nur zustimmen. Wohnen ist ein Grundrecht. Und ein Zuhause ist viel mehr als nur ein Dach über dem Kopf, ein Zuhause ist ein Gefühl. Daher ist es meiner Meinung nach eine der wichtigsten Aufgaben der Stadt, dass sich möglichst alle Wienerinnen und Wiener in ihrem Zuhause sicher und geborgen fühlen. Und möglichst leistbaren und lebenswerten Wohnraum zur Verfügung haben.

Wohnbaupolitik kann natürlich nicht alle sozialen Probleme einer Stadt lösen. Aber wir können massiv dazu beitragen, ökonomischen Druck aus der Gesellschaft rauszunehmen und die Wienerinnen und Wiener zu entlasten. Der soziale Wohnbau ist die größte Förderung der Mittelschicht in unserer Stadt.

Keine Stadt der zwei Geschwindigkeiten
Rund zwei Drittel aller Bewohner und Bewohnerinnen (62 Prozent) leben heute im sozialen Wohnbau – also entweder im Gemeindebau oder im geförderten Wohnbau. Bis 2020 sind rund 14.000 weitere geförderte Wohnungen auf dem Weg (auch Wohnungen im Gemeindebau). Dabei ist es der Stadt wichtig, die Wienerinnen und Wiener in ihrer konkreten Lebenssituation bestmöglich zu unterstützen. Daher planen wir etwa auch eigene Wohnprojekte für Alleinerziehende. Die ersten beiden entstehen in der Wolfganggasse in Meidling und in der Käthe-Dorsch-Gasse in Penzing.

Ein bedeutender Grund für die positive Entwicklung Wiens war stets, dass es keine Stadt der zwei Geschwindigkeiten ist. In Wien kann man nicht an der Adresse erkennen, wie viel jemand verdient. Diese starke soziale Durchmischung haben wir zu einem großen Stück dem sozialen Wohnbau zu verdanken, der zu einem schönen Teil des Charmes und Charakters unserer Stadt geworden ist.

Politische Weichenstellungen zum Wohl aller Menschen
Ein zentrales „Erfolgsgeheimnis“ des Wiener Wohnbaus ist: Wien hat seine Wohnungen niemals zur Gänze dem Markt über­lassen, sondern hat stets politische Weichenstellungen zum Wohl aller Menschen in unserer Stadt durchgeführt. Dieser positiven Tradition bleibt die Stadt konsequent treu: So haben wir kürzlich in Wien einen europaweit beachteten Paukenschlag gesetzt. Wir haben die Widmungskategorie „geförderter Wohnbau“ er­funden und eingeführt, womit wir der Grund- und Bodenspekulation in der Stadt einen Riegel vorschieben.

Diese neue Widmungskategorie ist natürlich eine drastische Maßnahme, darin sind sich Befürworter wie Kritiker einig. Wer konkrete Verbesserungen für die große Mehrheit erreichen will, wird wohl niemals auf die Zustimmung aller treffen.

Zentral ist für mich: Wenn künftig mehr leistbare Wohnungen in Wien gebaut werden sollen, muss man dafür vor allem den Baugrund sichern. Das wird jetzt mit der Novelle der Wiener Bauordnung gewährleistet.
Es braucht beim Thema Wohnen jedenfalls entschlossene Schritte gegen Entwicklungen, die das Zusammenleben und das Miteinander in unserer Stadt gefährden. Leistbares Wohnen darf kein Privileg für Besserverdiener sein, sondern leistbares und lebenswertes Wohnen ist in Wien eben ein Grundrecht.

Den Artikel als PDF können Sie hier herunterladen.


Alle Fotos: © Richard Watzke

Pünktlich zum 750. Bestehen wurden die Natursteinböden im Schloss Marchegg sorgfältig erneuert.

Weiterlesen

Der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich entwickelte ein Rechenmodell zur Prognose des Schallschutzes von ein- und mehrschaligen…

Weiterlesen
© Peter Oswald & Daniel Sostaric
Menschen

STUDIO WG3

„It‘s all about details.“

Weiterlesen
© Martin Steiger

Klaus Baringer heißt der neue Obmann des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV).

Weiterlesen
Alle Fotos: © Chris Mavric

Bei der Generalsanierung des Wiener Gartenbaukinos stand die Rückführung in den von Robert Kotas 1960 hinter­lassenen Originalzustand im Vordergrund.…

Weiterlesen
Foto: Felix Pitscheneder © Peikko

In den Vorhallen der hinduistischen Tempel ist jede Säule ein Einzelstück. So ist es auch in der offenen Säulenhalle STOA169 in der Nähe des…

Weiterlesen
Alle Fotos: © Karin Lernbeiß

Graz Museum Schlossberg / Studio WG3

Weiterlesen
© Architekturbüro Reinberg

„Architektur für eine solare Zukunft“

Weiterlesen
© vic schwarz

„Europe 40 under 40“ Award für Oliver Steinbauer

Weiterlesen
© ÖFM/Bruno Klomfar

Das Kino ist eine Maschine. Es funktioniert am besten, wenn es unsichtbar ist, so die These Peter Kubelkas. Denn je mehr Aufmerksamkeit und Farbe der…

Weiterlesen

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten

Anmeldung zum Newsletter

Frau / Mrs  Herr / Mr