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Wohnen am Waldrand

Alle Fotos: © Daniel Hawelka
Alle Fotos: © Daniel Hawelka

GUN – Wohnbau Gundackergasse, Bauplatz A, Wien / trans_city

Am nordöstlichen Stadtrand von Wien, im Stadtteil Essling, liegt ein besonderer Ort. 1987 begannen hier Schulkinder aus den Schulen der Umgebung und aus den jüdischen Schulen Wiens, für jedes der 65.000 jüdischen Opfer des NS-Regimes einen Baum zu pflanzen. So entstand der Ge­denk­wald Aspern. Der Gedenkwald bildet heute den östlichen Abschluss der Seestadt Aspern und grenzt nördlich an die Esslinger Gartensiedlung. Hier, an der Schnittstelle zwischen aufgelockerter Stadtstruktur und dicht bepflanztem Grünland, lobte der wohnfonds_wien im Dezember 2017 einen Bauträgerwettbewerb für drei Grundstücke aus, bei dem der Aspekt des kostengünstigen Bauens und Wohnens im Mittelpunkt stand.

Drei Bauteile
Den Bauplatz A gewann die gemeinnützige Wohnungsgesellschaft Eisenhof mit einer Planung der Architekten Christian Aulinger und Mark Gilbert von trans_city und DnD Landschaftsarchitektur. Die Wohnanlage mit 151 Wohnungen besteht aus drei geknickten und in der Höhe abgestuften Bauteilen, einem L- und einem Z-förmigen sowie einem rechteckigen Riegel, der das Grundstück am östlichen Rand begrenzt. Die Bauteile umrahmen drei differenzierte Freiräume, einen Quartiersplatz im Süden als Entree und Ort der Begegnung, einen nach Norden zum Wald hin geöffneten und einen intimeren im Westen. Die Abtreppung der Gebäudehöhe nach Norden hin schafft einen natürlichen Übergang mit dem Siedlungsbereich der Gartensiedlung zum Grünraum, der zweigeschoßige südliche Trakt des Eckbaukörpers einen sensiblen Übergang mit einer Reihenhaustypologie zum Bestand. Der südliche Freiraum, von den höheren Gebäudeteilen eingefasst, schließt an die Erschließungsstraßen der Gartensiedlung an und bildet an der Ecke Gundackergasse/Leskygasse einen städtischen Vorplatz für die Wohnanlage. Hier befinden sich die Hauseingänge, die Gemeinschaftsräume sowie sonstige Infrastruktur. Die zwei nördlichen Gartenhöfe bilden das wohnliche Herz der Anlage und öffnen sich zum Wald im Norden.

Prägnante Sprache
Die architektonische Sprache ist einfach und reduziert, aber prägnant. Die in Längsrichtung verlaufenden konstruktiven Wände der Obergeschoße sind so auf der Säulen­struktur der Garage positioniert, dass das Gebäude hinsichtlich Spannweiten und Materialeinsatz optimiert werden konnte und die Gangwände der zweihüftigen Wohngeschoße sowie die Wohnungstrennwände in Trockenbau ausgeführt werden konnten. Diese Bauweise erlaubt eine hohe Flexi­bilität bei eventuellen späteren Grundriss­anpassungen. Die zweihüftige Anordnung und die Proportion der Wohnungen erlaubt klare, gut nutzbare Wohnungsgrundrisse mit hellen, lichtdurchfluteten Auf­enthalts­räumen.

Die Baukörper sind in einer gedämpften blauen Farbe verputzt, die weiße Farbe der Eingangszonen und Fensterlaibungen erzeugt kontrastgebende Akzente, die Eckfenster lockern die Kanten der Baukörper auf. Die goldlasierte Lärchenholzfüllung der Balkongeländer ist eine Referenz zum benachbarten Wald. Die vorwiegend ostwestorientierten Trakte ermöglichen eine optimale Erschließungs- und Grundrisskonfiguration. Die drei Baukörper werden effizient mit je einem Erschließungskern und Mittelgängen versorgt. Diese werden an den Orientierungspunkten von oben natürlich belichtet, was zwar keinen direkten Außenbezug ermöglicht, aufgrund der Höhe von zwei bis maximal drei Obergeschoßen aber Tageslicht bringt.

Projekt
GUN – Wohnbau Gundackergasse, Bauplatz A, Gundackergasse 6, 1220 Wien

Bauherr
Eisenhof Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft, Wien

Architektur
trans_city – Christian Aulinger/Mark Gilbert, Wien, trans-city.at

Landschaftsplanung
DnD Landschaftsplanung ZT KG, Wien, dnd.at

Statik/Bauphysik
Dorr - Schober & Partner ZT GmbH, Wien

Projektdaten
Grundstücksfläche: 13.226 m²
Bebaute Fläche: 5290 m²
Nutzfläche: 11.375 m² über Niveau
Bruttogeschoßfläche: 16.524 m²

Projektablauf
Bauträgerwettbewerb 03/2018
Planungsbeginn 06/2018
Baubeginn 04/2019
Fertigstellung 11/2020

Materialien
Bauweise: Stahlbeton
Innenwände: Leichtbau
Fassade: WDVS
Fenster: Holz-Alu
Bodenbeläge außen: Asphalt, Kies, Rasen, Schotterrasen
Bodenbeläge innen: Wohnungen Laminat, Gänge Fliesen

Wettbewerbsdokumentation
ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 5/2018 (340)  

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