347 Veranstaltungen Forum

Wohnbauförderung und die Zukunft der Menschheit

© Verlag Holzhausen. Fotograf: Michael Namberger
Das Podium v. l. n. r.: Gunther Graupner, Christian Wintersteller, Andrea Klambauer, Raimund Gutmann, Reinhold Lindner (Moderator), Carsten Innerhofer
© Verlag Holzhausen. Fotograf: Michael Namberger

Der Frage, wie mehr Wohnungen zu erschwinglichen Preisen gebaut werden können und gleichzeitig qualitätsvolle Architektur umgesetzt werden kann, ging das Podium im Architekturhaus der Initiative Architektur in Salzburg nach. Hauptproblem ist der Mangel an Bauland für geförderten Wohnbau. Wohnbaulandesrätin Klambauer will mehr Grundstücke mobilisieren. Nachverdichtung, Sanierung und neue Wohnformen wurden als weitere Auswege erörtert.

von: Roland Kanfer

Seit rund eineinhalb Jahren ist die neue Salzburger Landesregierung im Amt. Die gebürtige Wienerin und NEOS-Politikerin Andrea Klambauer dirigiert dort seither als Landesrätin die Bereiche Wohnbau, Familien, Wissenschaft, Frauen und Integration. Für den Wohnbau hat sie sich einiges vorgenommen: Heuer noch und nächstes Jahr soll es neben einem Mietensenkungs­programm eine Änderung im Salzburger Wohnbauförderungsgesetz geben. Mit aktiver Bodenpolitik will Klambauer weg von der Häuslbauerförderung und hin zur Bereitstellung von Grundstücken und Förderung von mehrgeschoßigen Wohnbauten. Denn das Problem ist virulent: Es fehlt, nicht nur in Salzburg, sondern österreichweit, an Bauland, sodass nicht einmal die vorhandenen Wohnbaufördermittel ausgeschöpft werden können. 2018 wurden bundesweit nur noch rund 2,1 Milliarden an Wohnbaufördermitteln ausgeschüttet, im Vergleich zu drei Milliarden im Jahr 2010.
Das ist auch ein Problem für die gemeinnützigen Wohnbauträger. Wie Christian Wintersteller, Direktor der Salzburger Wohnbaugesellschaft gswb und Obmann des Salzburger Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen, erläuterte, verfügen die Gemeinnützigen im Unterschied zu früher aus Mangel an Angebot am Markt über keinerlei Grundstücksreserven mehr. Das habe unter anderem zur Folge, dass verschobene Projekte nicht durch andere kompensiert werden können und damit das von der Wohnbauförderung vorgesehene Volumen an Wohnungsneubauten nicht erreicht werden könne. Die aufgrund der guten Konjunktur stark gestiegenen Baukosten sowie die Normenflut täten ein Übriges, um den gemeinnützigen Wohnbau nicht mehr finanzierbar zu machen, so Wintersteller.

Die Schwierigkeit, ein Wohnbauvorhaben zu realisieren, bestätigte auch Carsten Innerhofer, stellvertretender Vorsitzender der Architektensektion in der Salzburger Ziviltechnikerkammer. Neben den steigenden Baupreisen macht er auch den Mangel an Nachwuchs im Handwerk als eine der Ursachen aus. Um zu mehr Wohnraum bei fehlenden Grundstücken zu kommen, plädierte der Architekt für die Nachverdichtung. Auch wenn sie von den Menschen als bedrohlich empfunden werde, würden Quartiere mit hoher Dichte, in denen Misch­nutzungen zu finden sind, wie es sie in der Gründerzeit und im Mittelalter gab, sehr gut funktionieren, meinte Innerhofer. Um die in den Gemeinden vorhandenen Flächen für den Wohnbau zu mobilisieren, müssten die Gemeinden eigentlich nur das vorhandene Raumordnungsgesetz aus­nützen, meinten Innerhofer und Klambauer unisono. Einen weiteren Ausweg aus der Wohnbaukrise skizzierte Gunther Graupner vom Salzburger Kompetenzzentrum Bauforschung. Er plädierte dafür, den Gebäudebestand in den Ortskernen zu sanieren, anstatt diese verwaisen zu lassen und dafür an den Ortsrändern neu zu bauen. Als Beispiel führte Graupner ein Altstadthaus in Hallein an, das mittels Bauteilaktivierung der Außen­wände „vom Alt- zum Wohnraum“ geworden sei. Zugleich kritisierte der Baufachmann den Umstand, dass diese Art von Bauteilaktivierung im Bestand mit dem derzeitigen Energieausweis nicht abbildbar sei. Landesrätin Klambauer konzedierte hier Änderungsbedarf.

Nachverdichtung von Einfamilienhausgebieten
Einen Weg zu leistbarem und zugleich qualitativ hochwertigem Wohnbau sieht der Leiter der wohnbund:consult Raimund Gutmann in neuen Wohnformen. „Hören wir auf, in klassischen Wohnbaukategorien zu denken!“ Gemeinschaftliches Wohnen, Baugruppen, junges Wohnen – diese Formen müssten aus der elitären Nische und in die Normalität geholt werden, so Gutmann. Ein gemeinschaftlich entwickelter Wohnbau biete nämlich die gleichen Qualitäten wie ein Einfamilienhaus, ohne dessen Nachteile wie hohe Erschließungskosten und hohen Flächenverbrauch. Deshalb sei die Nachverdichtung von Einfamilienhausgebieten eine notwendige Maßnahme, ebenso wie Besiedlungs- und Qualitätsmanagement sowie soziale Teilhabe im Wohnbau, die in Wien gang und gäbe sind. Das sei die Zukunft der Menschheit, zeigte sich der Wohnforscher überzeugt.

Der Artikel als PDF


© Ulli Engleder

Andreas Steigersdorfer ist Architektenbetreuer bei JUNG.

Weiterlesen
© Ulli Engleder

Objektberater bei Somfy

Weiterlesen
© Wienerberger

Wienerberger: Vanessa Rausch, Leitung Business Development

Weiterlesen

Wolfgang Riederer hat Ende September die Geschäftsführung übernommen.

Weiterlesen
© Lafarge Österreich

Helmut Reiterer leitet das Lafarge Zementwerk in Mannersdorf

Weiterlesen
Quelle: Youngok Victoria Lee

Die Komponistin Youngok Victoria Lee präsentiert ihre graphischen Arbeiten zu ihren Kompositionen.

Weiterlesen
© Feyferlik/Fritzer

Wolfgang Feyferlik (*1957), Architekturstudium an der TU Graz, und Susanne Fritzer (*1967), Architekturstudium an der TU Graz und der Städelschule FFM

Weiterlesen
Alle Fotos: © Hertha Hurnaus

Neubau Volksschule Graz-Andritz / Hillinger Mayrhofer Architekten

Weiterlesen
© Architekt Anglberger

Das 2004 gegründete Architekturbüro wird von Architekt Heinz Anglberger mit seiner Mitarbeiterin Alexandra Überbacher geführt.

Weiterlesen
Alle Fotos: © David Schreyer

Quartiersentwicklung Campagne Reichenau, Baufeld 1, Innsbruck / Bogenfeld Architektur

Weiterlesen

Termine

BILDERBUCHKUNST

Datum: 12. Oktober 2022 bis 05. März 2023
Ort: MAK

Ausstellung: 100 BESTE PLAKATE 21.

Datum: 19. Oktober 2022 bis 05. Februar 2023
Ort: MAK

Die Natur als Vorbild

Datum: 26. Oktober 2022 bis 31. August 2023
Ort: Technisches Museum Wien, Mariahilfer Straße 212, 1140 Wien

Best High-Rises 2022/23

Datum: 10. November 2022 bis 22. Januar 2023
Ort: Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main

7. Bildnerische Musik

Datum: 22. November 2022 bis 22. Januar 2023
Ort: Amerlingstrasse 13, 1060 Wien

Mehr Termine

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten

Anmeldung zum Newsletter

Frau / Mrs  Herr / Mr