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Wohnbauförderung – auch eine Frage der Baukultur

alle Fotos: © Verlag Holzhausen
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v.li.n.r.: Heinz Plöderl, Wolfgang Pfeil, Herbert Karrer, Manfred Haimbuchner, Martin Leitl, Roland Kanfer (ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE), Reinhold Lindner (BAU!MASSIV!)

Um die Frage, wie im geförderten Wohnbau Bezahlbarkeit mit architektonischer Vielfalt in Einklang zu bringen sei, ging es Anfang September in der Tabakfabrik Linz bei der fünften Veranstaltung des ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE gemeinsam mit der Plattform BAU MASSIV. Der Standard-Ausstattungskatalog in Oberösterreich bleibt dabei weiterhin der Stein des Anstoßes mancher Architektinnen und Architekten.

von: Roland Kanfer

Vorweg ein paar Zahlen zur Wohnbauförderung in Oberösterreich: 4.179 Wohneinheiten wurden im Jahr 2017 vom Land mit einem Darlehensvolumen von rund 284 Millionen Euro gefördert. Knapp die Hälfte, 47 Prozent oder 133,5 Millionen, ging dabei in die Errichtung von 1.933 Mietwohnungen und 573 Eigentumswohnungen, der Rest verteilt sich auf Eigenheime und andere Wohnformen. Mit diesen 2.506 gefördert errichteten Wohnungen liegt Oberösterreich an dritter Stelle der Bundesländer. Es werde aber nicht weniger gebaut in Oberösterreich, vielmehr finde eine Flucht aus der Wohnbauförderung statt, meinte der für den Wohnbau zuständige oberösterreichische Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner bei der Podiumsdiskussion „Neue Wohnbauförderung ­– eine Frage der Baukultur“.  

Leistbarer Wohnraum

Gerade in Oberösterreich wird dieses Thema seit einigen Jahren heiß diskutiert, seit Haimbuchner, damals FPÖ-Wohnbaulandesrat und nunmehr stellvertretender Landeshauptmann, den „Standard-Ausstattungskatalog“ in Kraft setzte, um leistbares Wohnen sicherzustellen. Nicht „oberste Qualität“ soll mit Mitteln der Wohnbauförderung realisiert werden, sondern ein guter Standard unter Berücksichtigung bestimmter Nachhaltigkeitskriterien, wie etwa den Verzicht auf erdölbasierende Dämmstoffe. „Leistbares Wohnen soll mit dem bedarfsorientierten Angebot kombiniert werden“, so Haimbuchner.

Dieser seit 2015 geltende Ausstattungskatalog hat unter den Architekturschaffenden für Unruhe und bei Wohnbauprojekten wie solchen in der Grünen Mitte Linz (siehe Projektbericht Ausgabe 338) für – aus Architektensicht – gestalterische Einschränkungen gesorgt. Folglich befasste sich die zum fünften Mal vom ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE gemeinsam mit der Plattform BAU MASSIV veranstaltete Podiumsdiskussion mit diesem Thema. Von „oft harten Diskussionen mit Architekten“ berichtete Wolfgang Pfeil, Geschäftsführer der GWG Gemeinnützigen Wohnungsgesellschaft der Stadt Linz. Doch auch er zeigte sich überzeugt davon, dass ein Umdenken bezüglich der Leistbarkeit von Wohnraum notwendig sei. Wirtschaftliche Lösungen im Sinne dessen zu finden, was sich Mieter leisten können, sei die Hauptaufgabe eines gemeinnützigen Bauträgers, so Pfeil. Zu begrüßen sei etwa, dass die Zahl der zu errichtenden Stellplätze in einer Wohnhausanlage nunmehr von den Gemeinden selbst bestimmt werden können. Denn nicht jeder Mieter wünsche sich heute noch einen eigenen Garagenplatz, erzählte Pfeil.  

Wohnbauwirtschaft muss sich neu erfinden

Herbert Karrer von Karrer Oehlinger Architekten aus Linz sah mehrere Gründe dafür, dass „die Preise im Wohnbau durch die Decke gehen“: Gesetzgebung, Normenverordnungen und Anforderungen, wie etwa die Barrierefreiheit oder die Stellplatzverordnung, wonach früher bis zu zwei oder drei Stellplätze pro Wohneinheit einzuplanen waren. „Solche detaillierten Vorschriften machen es unmöglich, kreative Lösungen zu finden“, meinte der Architekt und appellierte gleichzeitig an die Bundesländer, Bauland zur Verfügung zu stellen. „Bauplatzverknappung kann von den Gemeinden alleine nicht gelöst werden“, so Karrer.  

Heinz Plöderl, Sektionsvorsitzender der Architekten in der Ziviltechnikerkammer Oberösterreich/Salzburg, definierte drei Kriterien für bezahlbaren Wohnbau: Lage, Errichtungskosten und Betriebskosten. Um diese Parameter erfüllen zu können, seien komplett neue Ansätze notwendig. „Die Wohnbauwirtschaft muss sich neu erfinden“, meinte Plöderl und wies auch auf die Zersiedelung hin, der durch die Mobilisierung von bereits gewidmetem Bauland begegnet werden könne.  

Martin Leitl, oberösterreichischer Ziegelproduzent und Mitglied im Fachverband Steine-Keramik, wies darauf hin, dass es nicht die Baustoffe seien, die die Kostenexplosion im Wohnbau zu verantworten hätten. Vielmehr seien es die Arbeitskosten, die im Zeitraum von 1958 bis 2016 um das Vierzigfache gestiegen seien. Auch der Transport der Baumaterialien zur Baustelle sei ein wichtiger Faktor, meinte Leitl und brach eine Lanze für die Verwendung regionaler Baustoffe: Er wies darauf hin, dass es in Oberösterreich 87 Baustoffproduzenten gibt, der durchschnittliche Transportweg vom Werk zur Baustelle daher nur 35 Kilometer betrage. Im Zusammenhang mit der Begrenzung von Errichtungskosten plädierte Leitl dafür, Wohngebäude nicht zu „Wohnmaschinen“ werden zu lassen, sondern solche zu errichten, die „von sich aus funktionieren“ und für die Bewohner da seien.  

Innovationskraft ist gefordert  

In der Publikumsdiskussion wiesen Architektinnen und Architekten darauf hin, dass es bei Beachtung der Wirtschaftlichkeitskriterien aus ihrer Sicht zu weniger Vielfalt und einander gleichenden Gebäuden komme. Herbert Karrer etwa monierte das vorgeschriebene Verhältnis zwischen Volumen und Oberfläche, dessen Ergebnis Punkthäuser seien, die Baukörper mit geringen Bautiefen unmöglich machen würden. Wolfgang Kaufmann von Kaufmann & Partner Architekten nahm allerdings seinen eigenen Beruf in die Pflicht: „Wir Architekten sind selbst schuld, wenn der Städtebau so aussieht wie er aussieht.“ Denn die Bauverwaltungen hätten kein Rückgrat und auch Gestaltungswettbewerbe seien nur so gut wie die Jury, die die Projekte kürt. Heinz Plöderl bestätigte das: „Unsere Innovationskraft ist gefordert, den gesellschaftlichen Wandel in anderen Grundrissen umzusetzen.“ Man könne auch mit Wohnbaufördermitteln Impulse bei der Realisierung von bezahlbarem Wohnraum setzen, das beginne bei den Architekten.

Der stellvertretende Landeshauptmann Manfred Haimbuchner zeigte sich überzeugt, dass gestalterische Vielfalt trotz des Standardausstattungskatalogs weiterhin möglich ist. Dennoch müsse es möglich sein, im geförderten Wohnbau über Tabus wie die Barrierefreiheit zu reden. Denn seine Aufgabe sei es, so Haimbuchner abschließend, den Menschen leistbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen.  


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