353 Architektur

Wiener Stadthaus neu gedacht

© Kurt Hoerbst
© Kurt Hoerbst

Sirius Aspern J4, Wien // Arkitektfirma Helen & Hard / WGA ZT GmbH

Die Vienna Biennale 2015 – eine Initiative des MAK in Kooperation mit der Wiener Universität für angewandte Kunst, der Kunsthalle, dem Architekturzentrum Wien und der Kreativagentur departure – versuchte, mit kreati­ven Ideen und künstlerischen Projekten Kunst, Design und Architektur spartenübergreifend und interdisziplinär zu verbinden. Mit dem Versuch einer Neuinterpretation der traditionellen Wiener Stadthausarchitektur beteiligte sich die Seestadt Aspern unter dem Motto „Ideas for Change“ an dieser Initiative und lobte im Jahr 2015 einen Wettbewerb aus, um Ideen für eine nutzungsoffene und multifunktionale Architektur aufzuzeigen. Kuratiert wurde der Ideenwettbewerb von Dietmar Steiner, dem damaligen Direktor des Architekturzentrum Wien. Sieben Architekturbüros waren geladen. Von der Jury wurden vier Konzepte zur Weiterbearbeitung und Realisierung empfohlen, wobei sie drei Projekte als besonders geeignet empfand, der Aufgabenstellung „Ideas for Change“ gerecht zu werden: Es waren dies die Einreichungen der Architekturbüros Kempe Thill, Helen & Hard sowie Hild und K. Realisiert wurde schlussendlich das Projekt des norwegischen Büros Helen & Hard. Die beiden gemeinnützigen Wohnbauträger Österreichisches Siedlungswerk (ÖSW) und Wohnbauvereinigung für Privatangestellte (wbv-gpa) als Grundstückseigentümer verpflichteten den Wiener Generalplaner WGA mit der Ausführungsplanung in Arbeitsgemeinschaft mit Helen & Hard.

 

Fantasievolle Bauplastik
Derzeit wird als erste Etappe der südliche Teil der Seestadt entwickelt. Das Seeparkquartier bildet den Kern dieser Etappe. Es wird zwischen dem Seepark im Norden und der Sonnenallee im Süden aufgespannt und im Westen von der Maria-Tusch-Straße begrenzt. Das Baufeld J4 liegt zentral inmitten des „Seeparkquartiers“ am südlichen Ufer des Sees. Die Bauteile A und B2 befinden sich im nördlichen und südöstlichen Teil, der Bauteil B1 im Süden des Baufelds J4. Das multifunktionale Gebäude unter dem Markennamen Sirius setzt sich aus drei Bauteilen zusammen. Der nach Norden weisende Baukörper beinhaltet neben 56 Wohnungen eine Volkshochschule im Erdgeschoß sowie Büroflächen im ersten und zweiten Stock des Bauteil­sockels. Im südöstlich situierten Baukörper B2 finden sich neben 57 Wohnungen Gewerbeflächen im Erdgeschoß. Der nach Südwesten orientierte Baukörper verfügt neben temporären Wohneinheiten für Lehrende über Servicebereiche für die Bewohner des Heimes.

Die drei Baukörper sind in ihrer Gebäudehöhe jeweils gestaffelt. Die Hochpunkte orientieren sich jeweils zu einem öffentlichen Platz. An diesen markanten Ge­bäude­stellen befinden sich die Zugänge der einzelnen Bauteile und werden durch ein ebenfalls gestaffeltes und voll verglastes Atrium, den sogenannten „Magic Cave“, optisch verstärkt. Der Jury schien es zum damaligen Zeitpunkt fraglich, ob diese magischen Höhlen ihre Versprechen erfüllen werden. Ansonsten war sich die Jury einig, dass die Herausforderung der Aus­schreibung und des Standorts durch eine fantasievolle „bauplastische“ Antwort gemeistert worden war.

Begrünte Dachgärten
Das Gebäudeensemble umfasst 112 Eigentumswohnungen, 140 Serviced Apartments, Büros, eine Volkshochschule und Gewerbeflächen. Die Apartments und Wohnungen sind mit privaten Freibereichen in Form von Balkonen, Loggien oder Terrassen ausgestattet. Charakteristisch für das Ensemble sind die großzügig begrünten Abtreppungen, die alle Bauteile prägen. Durch die Staffelung der Geschoße entstehen begrünte Dachgärten für die Bewohner. Die durchschnittliche Trakttiefe von 13 Metern sorgt für optimale Belichtung der Wohnräume. Die in Massivbauweise hergestellten Gebäude sind mit einer Holzfassade verkleidet. Der Materialeinsatz in Form von Holz und die großzügige Begrünung waren von der Jury ebenfalls lobend hervorgehoben worden und verleihen dem Projekt seine charakteristische Gestalt.

Projekt
Sirius Aspern J4, Janis-Joplin-Promenade 16–18 (Bauplatz J4 A)
Eva-Maria-Mazzuco-Platz 4 (Bauplatz J4 B1), 1220 Wien

Bauherren
ÖSW Österreichisches Siedlungswerk Gemeinnützige Wohnungs AG, Wien
WBV-GPA Wohnbauvereinigung für Privatangestellte Gemeinnützige GesmbH, Wien

Architektur
Arbeitsgemeinschaft Architekturplanung Aspern J4: Arkitektfirma Helen & Hard, Oslo, helenhard.no
WGA ZT GmbH, Wien, wg-a.com

Landschaftsplanung
Carla Lo Landschaftsarchitektur, Wien

Statik
KS Ingenieure ZT GmbH, Wien

Projektdaten
Grundstücksfläche: 7291 m²
Bebaute Fläche: 4575 m2
Nutzfläche: 14.518 m² (gesamt); 6243 m² (Serviced Apartments, Bauteil B1); 4029 m² (Bauteil A); 4246 m² (Bauteil B2)
Bruttogeschoßfläche: 31.843 m²
Bauteil A: 55 Wohnungen, 1065 m² Volkshochschule, 2315 m² Büroflächen;
Bauteil B1: 140 Serviced Apartments, 1 Gastronomiebetrieb;
Bauteil B2: 57 Wohnungen, 1 Geschäftslokal

Materialien
Fassade: Holzriegelkonstruktion mit hinterlüfteten Lärchenholzbrettern
Außenwände: Stahlbeton
Innenwände: Stahlbeton und Gipskarton
Fenster/Türen: Holz-Alu
Bodenbeläge: innen Parkett, außen Feinsteinzeug

Projektablauf
Wettbewerb 06/2015
Planungsbeginn 09/2016
Baubeginn 05/2018
Fertigstellung 11/2020

Wettbewerbsdokumentation: ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 5/2015 (322)  

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Datum: 09. Februar 2021 bis 30. April 2021
Ort: vai – Vorarlberger Architektur Institut, Dornbirn

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