Wie „anders“ ist Wien eigentlich?

© Rupert Steiner
Mit der Kategorie SMART-Wohnungen in Wiens geförderten Wohnbauten sollen auch sozial Schwache einfacheren Zugang zu leistbarem Wohnraum bekommen.
© Rupert Steiner

Wien wird von deutschen Kommunalpolitikern gerne über den grünen Klee gelobt. Dabei gibt es in der Donaumetropole auch Kritiker, die meinen, dass viele sozial schwache Gruppen keinerlei Zugangsmöglichkeit zu günstigem geförderten Wohnraum hätten.

von: Rudolf Preyer

Wenn viele Deutsche, die gerade nicht in der Spreemetropole leben, zuletzt staunend und verständnislos den Kopf über ihre Bundeshauptstadt Berlin schütteln mussten, wundern sich gleichzeitig immer mehr Bundesbürger, was Wien anders macht. „Berlin enteignet“, hieß es da in einer fetten Headline, während man in ­Wien vermelden konnte: „Wohnbau in Wien: Zwei Drittel müssen künftig gefördert sein“. Jüngst beschäftigte sich sogar ein ZDFzoom von Renate Werner mit dem Titel „Das Drama um die Sozialwohnungen“ mit der vielgestressten Problematik des „leistbaren Wohnens“ (der sehenswerte Film ist in der Mediathek verfügbar). Um ein Best-Practice-Beispiel abzubilden, reiste das ZDF-Team dafür eigens nach Salzburg. Zwar seien die Mietpreise in Österreich insgesamt „drastisch gestiegen“, trotzdem habe Österreich im sozialen Bereich kein Wohnungsproblem. Stimmt das auch?

Dem Gemeinwesen dienen
„Genossenschaften sind neben Kommunen die wichtigsten Player bei gefördertem Wohnbau“, erklärt die Regisseurin heimische Verhältnisse, „im Unterschied zu Deutschland, wo Privatinvestoren die zentrale Rolle spielen.“ In Deutschland fehlt über eine Million Sozialwohnungen, das Problem habe längst auch selbst kleinere Städte erreicht. Die Hälfte der Österreicher, unterstrich Werner, wohne in gefördertem oder kommunalem Wohnbau. Zudem sei – eben am Beispiel Salzburgs – geförderter Wohnbau nicht „verscherbelt“ worden, denn, so die Politikerin Anja Hagenauer (SPÖ), Vizebürgermeisterin von Salzburg: „Geförderter Wohnbau soll dem Gemeinwesen dienen und nicht nach einer gewissen Zeit wieder aus der Sozialbindung herausfallen.“ Schauen wir nun aber in die Donaumetropole: Ist Wien tatsächlich so anders?

Zwei Drittel Gemeinnützigkeit
Die neue Widmungskategorie „Geförderter Wohnbau“, die in der Bauordnungsnovelle verankert wurde, sieht vor, dass bei Neuwidmungen ab 5000 Quadratmeter Wohnnutzfläche zwei Drittel „gefördert“ sein müssen. Von der Bauordnungsnovelle sind auch sogenannte Aufzonungen betroffen – also, wenn bestehende Gebäude (auch Hochhäuser) aufgestockt oder mit einem Zubau versehen werden. Leistbarer Wohnraum bedeutet hierbei eine Nettomiete von 5 Euro/m², die oberirdischen Grundstückskosten wurden mit 188 Euro/m² limitiert.

„Die neue Widmungskategorie ,Geförderter Wohnbau’ ist eine von mehreren Antworten der Politik, um die uns viele – vor allem deutsche – Städte beneiden“, freut sich Bernd Rießland, neuer Obmann des Österreichischen Verbands gemein­nütziger Bauvereinigungen (GBV): „Wir denken, dass die neue Widmungskategorie in den nächsten Jahren kostendämpfend wirken wird. Von einer Wettbewerbsverzerrung kann sicherlich keine Rede sein, zumal diese Maßnahmen auf alle Marktteilnehmer in gleicher Weise wirken.“

Hans Jörg Ulreich, Österreichs Bauträgersprecher (WKO), sieht das naturgemäß anders: „Tatsächlich stellt geförderter Wohnraum für jene Mehrverdiener eine Alternative dar, die sich de facto ohne Probleme am Privatmarkt eine Wohnung mieten könnten.“ Österreich brauche vielmehr Wohnungen für einkommensschwache Personen. Bereits heute lebt in der Bundes­hauptstadt mehr als die Hälfte der sozial Schwächsten in privaten Mietwohnungen, so der Bauträgersprecher: „Übrig bleiben mit dem jetzt eingeschlagenen Weg der Wohnbaupolitik einkommensschwache Arbeiterfamilien sowie private Vermieter und kleine wie mittlere Bauträger.“

Regelmäßige Einkommensüberprüfungen?
Sollten die Einkommensverhältnisse der Haushalte im „geförderten Bereich“ dann regelmäßig überprüft werden? Dazu Rießland: „Eine Überprüfung der Einkommensverhältnisse gibt es bei gemeinnützigen Wohnungen ohnehin bei Mietbeginn bzw. bei Wohnungswechsel.“ Eine aktuelle Analyse von Eva Bauer und Gerlinde Gutheil-Knopp-Kirchwald (beide vom wohnwirtschaftlichen Referat des Verbandes) zeige, so der GBV-Obmann, „dass die gesteckten politischen Ziele einer Durchmischung und einer Versorgung insbesondere auch niedrigerer Einkommensgruppen in der Realität mehr als erreicht werden.“ Ulreich hält dagegen: „NGOs und die private Immobilienwirtschaft sehen hier eine andere Realität. Bestandswohnungen, die günstigsten Wohnungen im geförderten Wohnbau und am österreichischen Wohnungsmarkt, können überhaupt beliebig – ohne jegliche Einkommensprüfung – weitergegeben werden.“

Und weiter: „Die Einkommensgrenzen sind so hoch angesetzt, dass sozial Schwache kaum und Besserverdiener sehr einfach Zugang haben.“ Außerdem: „Es bilden sich in Wien sehr wohl Gettos und sehr arme Viertel, nämlich in den Gründerzeitvorstädten. Dort, wo sich private Vermieter keine Sanierungen leisten können,  und dort, wo sich die Ärmsten, die keine billige öffentliche Wohnung bekommen, einquartieren müssen.“ Ulreich warnt abschließend: „Der Weg, der Privatwirtschaft die Wohlfahrt aufzubrummen und günstigen Wohnraum an die eigenen Zielgruppen zu verteilen, wird sich nicht mehr lange für die Politik rechnen. Denn die Zahl der sozial Schwachen in Wien steigt – leider.“ 

Der Artikel als PDF


Am 25. September findet der fünfte österreichische Facility Management-Day der Facility Management Austria und IFMA Austria unter dem Motto…

Weiterlesen
Fotos: VALETTA

Lärm nervt, führt zu Konflikten und macht auf Dauer sogar krank. Jeder Bauteil und jedes Produkt, das speziell in Wohngebäuden den Lärm reduziert,…

Weiterlesen
© Sebastian Andersen, Lightsource Productions, 2019

Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main

Weiterlesen
© Christian Hemmelmeir

Bei der Planung des Vorarlberger Kindergartens und der Volksschule Bütze durch das Architekturbüro Schenker Salvi Weber wurden offene Lernlandschaften…

Weiterlesen
 © Thonet / Constantin Meyer

Studierende der Fachbereiche Design und Architektur der Hochschule Düsseldorf entwickelten über zwei Jahre einen neuen Stahlrohr-Seminartisch, der mit…

Weiterlesen
 © Molto Luce

Ende Mai hat der deutsche Ableger des Baukonzerns Strabag seine neue Unternehmenszentrale in Köln-Deutz mit dem Namen „SIEGI.241“, benannt nach der…

Weiterlesen
©  AllesWirdGut Architektur
Produkte & Systeme

Alle arbeiten am Modell

Demonstrationsprojekte geben beim Planen, Bauen und Betreiben mit BIM den Rhythmus vor.

Weiterlesen
© Bengt Stiller

„Unsere Kompetenz ist, neue Typologien zu denken und in einem gemeinschaftlichen Prozess zu realisieren.“

Weiterlesen
##Verlagshomepage wettbewerbe.cc events## Termine

Podiumsdiskussion WOHNBAU UND BAUKULTUR

Wie jedes Jahr lädt das ARCHITEKTURJOURNAL WETTBEWERBE gemeinsam mit BAU!MASSIV! zu einer Podiumsdiskussion rund um das Thema Wohnbau und Baukultur.…

Weiterlesen
© Franziskus Spital

Zentrum für Menschen im Alter, 1030 Wien / DELTA

Weiterlesen

Termine

architecture speaks: the language of MVRDV

Datum: 06. Juli 2019 bis 28. September 2019
Ort: aut. architektur und tirol, lois welzenbacher platz 1, 6020 innsbruck.

In norwegischen Landschaften

Datum: 14. September 2019 bis 19. Januar 2020
Ort: Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main

openBIM-­Praxistage 2019

Datum: 18. September 2019 bis 23. Oktober 2019
Ort: Wien, Graz, Salzburg

„Sorry, the file you have requested does not exist.“

Datum: 21. September 2019 bis 08. November 2019
Ort: Haus der Architektur Graz, Mariahilferstraße 2, 8020 Graz

Ein Blick in die Zukunft – Immobilien erleben – Neue Arbeitswelten

Datum: 25. September 2019
Ort: Park Hyatt Vienna

Mehr Termine

Sonderausgabe: Immobilien 2018

LESEN

Alles ist DESIGN 2019

LESEN

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten