357 Bauwelt

Wer füttert die Maschinen?

© werkraum ingenieure
Peter Bauer, Werkraum Ingenieure, Stellvertretender Vorsitzender Ingenieurkonsulent:innen
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Building Information Modeling (BIM) wird in Architekturkreisen kontroversiell diskutiert. Welche Vor- und Nachteile bietet das System? Der Bauingenieur Peter Bauer und die Architektin Christine Horner stellen ihre Sichtweisen dar. Die beiden Gastkommentare sind erstmals in der Juliausgabe des Newsletters der IG Architektur erschienen, der österreichweiten Interessengemeinschaft von Architekturschaffenden.

Neue Herausforder­ungen und Chancen
Wenngleich die nun unter Einsatz von viel (Markt)Macht und weniger durch die Überzeugungskraft allgegenwärtige BIM-Planung im Bauwesen noch Fragen aufwirft, sollen auch die Chancen, die eine digitale Erfassung, Durchplanung und der dadurch mögliche automatisierte Bau eines Gebäudes bietet, diskutiert werden. Was BIM sicher nicht kann, ist schon in der Planungsphase für Kosten- und Terminsicherheit zu sorgen, so lange die Bauausführungsprozesse selbst nicht ebenso wie die Planung durchgehend digitalisiert gesteuert werden. Gerade die Entwicklung des letzten halben Jahres zeigt, wie rasch sich Baupreise nach oben bewegen und Baustoffverfügbarkeiten ändern. BIM kann auch nicht die Lebenszykluskosten genauer vorhersagen, als dies mit den bisher üblichen Methoden der Fall ist. Woher soll unser BIM auch wissen, welcher Rohstoff zu welchen Kosten in 15 Jahren verfügbar ist oder zu welchen Kosten ein Bauteil am Lebensende entsorgt, recycliert oder wiederverwendet werden kann?

Ein kompetentes Team aus Architekten und Fachplanern wird also nach wie vor notwendig sein, um die Unwägbarkeiten des Bauprozesses kompetent zu minimieren. Die beste Lösung wird bei komplexen Aufgabenstellungen immer im Diskurs und nicht durch die Methode aus A folgt B folgt C gefunden. Anachronistisch ist allerdings, dass wir heute digitale Modelle in BIM, CAD oder sonstiger Software erstellen, nur um sie dann als Pläne und Anweisungen für die Baustelle wieder auszudrucken. Diese Papiere müssen dort mit Sachverstand interpretiert und umgesetzt werden. Das wiederum erfordert ein hohes Maß an Kenntnissen und ist trotzdem enorm fehleranfällig und damit teuer, riskant und endet oft im Streit. Man könnte sich viel davon ersparen, würde man die Information direkt an geeignete Maschinen weitergeben oder sie virtuell ins Gesichtsfeld des Monteurs einblenden. Eine vollständige Digitalisierung heißt aber auch, dass man bei der Planung tatsächlich Ausführungsmethode und Betrieb des Gebäudes viel stärker berücksichtigen könnte, als dies heute in der Regel der Fall ist. Die Fähigkeiten der Planungsteams werden also in Zukunft noch mehr gefordert werden. Die große Chance der vollständig digitalisierten Prozesse liegt in der Überwindung der Trennung von Ausführung und Planung im Bauwesen. Wer in Zukunft die Maschinen oder Roboter mit Information füttert, ist schließlich egal. 

What you see is what you get
Je mehr Pläne für ein Projekt benötigt werden, z. B. Rohbau- und Ausbaupläne, Bodenaufbauten und Deckenspiegel, desto zeitaufwendiger ist es in der 2D-Planung, diese in Grundrissen und Schnitten oder hinsichtlich der Stücklisten für die Abrechnung synchron zu halten. In Projektphasen wie Ausschreibung oder Ausführung, in denen schnell fünfzig oder mehr Pläne zusammenkommen, ist dies kein leichtes Unterfangen mehr. Jene Pläne allerdings, die über das 3D-­Modell miteinander verknüpft sind, können im Projektverlauf mit weniger Aufwand aktualisiert werden als bei der klassischen 2D-Planung. Zudem ist die 3D-Darstellung quasi eine allgemein verständliche Sprache. 2D-Pläne mit ihrer Symbolsprache und den Fachbegriffen werden mithilfe der 3D-Darstellung für Nichtfachleute deutlich leichter verständlich. Eine Steckdose oder ein Lüftungsgerät ist als 3D-Element sofort erkennbar, Höhe und Position sind leicht ersichtlich.

Das BIM-Modell ist somit eine Verständnishilfe für die Projektpartner, reduziert die Anzahl der blinden Flecken und die Fehlerquote bei der Planinterpretation wesentlich. Es muss nicht gleich „Big Fat BIM“ sein, es genügt bereits, im Sinne des „Little BIM“ einen Screenshot des Modells dem 2D-Plan oder einer E-Mail beizufügen, um schon bei den ersten Implementierungsschritten von BIM zu profitieren. Dazu müssen vorerst weder Infor­mationen in die Bauteile ein­gegeben werden, noch muss man das Modell für diesen ersten Schritt softwaremäßig korrekt exportieren können.

Diese beiden Aspekte von BIM – what you see is what you get – und die 3D-Sprache als allgemein verständliche Erklärungshilfe für Pläne sind für kleinere und mittelgroße Büros ein mächtiges Werkzeug und eine große Chance. Denn gerade in kleineren Büros lassen sich Arbeits­abläufe sehr schnell anpassen, da Erkenntnisse aus der Praxis auf kürzerem Weg in Büro­prozesse zurückfließen als in größeren Strukturen, wo der Informationsweg oft über mehrere Abteilungen führt. Denn die Information muss reibungslos und unterbrechungsfrei fließen, um BIM effektiv und effizient einzusetzen und zu nutzen. Bei kleineren und mittelgroßen Büros liegen die Fach-, Planungs- und BIM-Kompetenzen meist in einigen wenigen Händen – bei der BIM-Arbeitsweise ist dies definitiv ein großer Vorteil!

Informationen
ig-architektur.at

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