Naturstein

Vom Historismus befreit

© iStock/fotoember
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Der zeitgenössische Sakralbau in Europa hat sich längst schon von seinen historischen Vorbildern eman­zipiert. Naturstein wird dabei auch als bewusster Gegensatz zur modernen Leichtbauweise eingesetzt.

von: Roland Kanfer

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren die Formen, die Sakralbauten in Europa haben mussten, eindeutig: Kirchenneu­bauten orientieren sich an romanischen und gotischen Vorläufern, Synagogen je nach Grad der Assimilation an orientalischer oder mitteleuropäischer bürger­licher Architektur. Auch Otto Wagner, der Architekt des Jugendstils, ließ sich bei der Kirche am Steinhof vom byzantinischen, frühchristlichen Sakralbau inspirieren. In Nordeuropa, wo sich der Protestantismus auch baulich von der römisch-katholischen Tradition distanzieren wollte, hielt schon in den zwanziger Jahren der Expressionismus in der Architektur Einzug, wie etwa bei der 1929 geplanten Hallgrims-Kirche in Reykjavik von Architekt Guðjón Samúelsson, deren Form an eine Rakete erinnert.

Weiß-graue Postmoderne
Rundbauten finden sich in der christlichen Sakralbaugeschichte in der Regel nur im Frühchristentum. Nach dem neunten Jahrhundert wird dieser, der Grabeskirche von Jerusalem aus dem 4. Jahrhundert nachempfundene Kirchentypus zugunsten des klassischen Langbaus und kreuzförmigen Grundrisses aufgegeben. Der Schweizer Architekt Mario Botta, der als Vertreter der Postmoderne in den achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts seine Hochblüte hatte, ließ diesen Typus im Stil der vorchristlichen Kultbauten im Jahr 1996 wieder auferstehen. In ­Mogno, einem kleinen Bergdorf im Schweizer Tessin, wo eine Lawine die 350 Jahre alte römisch-katholische Kirche San Giovanni Battista zerstört hatte, entwarf Botta etwas, das der vertrauten Kirchenform diametral widerspricht: ein außen elliptischer und innen rechteckiger Grundriss, der sich nach oben zur Rundform verjüngt und im 45-Grad-Winkel abgeschnitten wird, mit einem engen, hinter der Andeutung eines gotischen Strebepfeilers versteckten Eingangsbereich. Anders als klassische Kirchen kommt das Licht nicht durch Fenster, sondern zentral über das Glasdach in den sonst durchblicklosen Kirchenraum. In diesem befinden sich zwei schmale Nischen und ein beinahe grotesk überdimensioniert wirkendes, mit gestaffelten Rundbögen eingefasstes Eingangsportal zur Sakristei. 

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