358 Projekte

Vielschichtig und kompakt

Alle Fotos © STRABAG Real Estate/ Daniel Hawelka
Alle Fotos © STRABAG Real Estate/ Daniel Hawelka

Bildungscampus Aron Menczer, Wien // Architekt Martin Kohlbauer / WGA ZT GmbH

von: Roland Kanfer

Zu erwartende Lernfreude und pädagogischer Mehrwert – das war auf den Punkt gebracht die Begründung der Jury, Martin Kohlbauer 2017 zum Sieger des Wettbewerbs für einen neuen Bildungscampus auf den Aspanggründen in Wien zu erklären. Dem Wiener Architekten war es mit seinem Entwurf gelungen, einen vielschichtigen und zugleich kompakten Baukörper zu schaffen, der sich dem Stadtraum öffnet, starke Raumwirkung erzielt, viel Licht ins Innere lässt und insgesamt Offenheit und Freundlichkeit vermittelt. Zwischen Landstraßer Gürtel im Süden, Rennweg im Norden und der Schnellbahn­trasse mit dem Fasanviertel im Westen liegt das Stadtentwicklungsgebiet Eurogate, dessen westlichen Abschluss der Bildungscampus bildet. Errichtet wurde das nach dem 1943 in Auschwitz ermordeten Pädagogen Aron Menczer benannte Bildungsstandort, wie alle Bildungsbauten nach dem Campus plus Konzept der Stadt Wien, im PPP-Modell. Public-Private-Partnership bedeutet die Hereinnahme eines privaten Errichters als Partner der öffentlichen Hand, der die Ausführungsplanung und die gesamte Umsetzung übernimmt. In diesem Fall war es der Baukonzern Strabag, der die Ausführungs- und Generalplanung des Kohlbauer-Entwurfs nach erfolgter Einreichung an das Wiener Planungsbüro WGA übergab.

Im Baukastensystem
Der Ende August 2021 fertiggestellte Bildungscampus besteht aus drei Kleinkindergruppen, elf Kindergartengruppen, einer Vorschulklasse, einer 17-klassigen Ganztagsvolksschule, einer Musikschule, vier basalen Klassen für pflegeabhängige Kinder mit mehrfacher Behinderung und sieben sonderpädagogische Bildungsräume samt Therapieräumen. Das Gebäude setzt sich aus zwei Bauteilen zusammen, die vom Erd- bis zum dritten Obergeschoß miteinander verbunden sind. In einem lang ge­zogenen Gebäudekomplex entlang der Adolf-Blamauer-Gasse sind ein Turnsaal, Gymnastikbereiche und Räumlichkeiten der Musikschule sowie ein Veranstaltungsraum untergebracht. Der zweite, von der Grundstücksgrenze abgerückte punktförmige Gebäudeteil besteht aus sechs oberirdischen Geschoßen mit den restlichen Bildungsräumen. Alle Bildungsbereiche sind rund um die zentrale Erschließung angeordnet. Wie in einem Baukasten sind die Geschoße verschachtelt, versetzt und verdreht übereinander angeordnet, wodurch weit aus­laden­de Terrassen unterschiedlicher Konfi­guration entstehen. Zusätzlich sind die Terrassen durch Außentreppen miteinander verbunden. Das Dach ist teilweise begehbar.

Viel Natur
Einen wichtigen Teil der Gestaltung übernehmen die Freiflächen in diesem Projekt. Sie erstrecken sich Richtung Norden. Der vom Landschaftsarchitekturbüro 3:0 gestaltete Freiraum baut sich zwiebelschalenartig um das Hauptgebäude auf. Die umlaufend großzügige Terrassenzone im sonderpädagogischen Bereich wird von Blütenstauden und Kleinsträuchern eingefasst und dient als Puffer zum weitläufigeren Wiesenbereich. Die Begrünung geht im Norden der Freifläche in einen mit Bäumen bepflanzten Multifunktionsbereich über, der außerhalb des Campusbetriebs auch den Bewohnern der Umgebung und Besuchern zur Verfügung steht und über eine leicht abgesenkte Wiese in den Leon-Zelman-Park überführt. An der Grundstücksgrenze haben die Landschaftsarchitekten einen geschützten Naturraum eingefasst. Der im Süden gelegene Haupteingang zum Bildungscampus mit gepflastertem Vorplatz wird durch drei größe­re Pflanzinseln mit umlaufenden Sitzgelegenheiten strukturiert. Die Eingangshalle erstreckt sich über die gesamte Breite des Vorplatzes und verknüpft sämt­liche Funktionsbereiche im Inneren des Campus miteinander. Die zweigeschoßige Stapelung der Terrassen sorgt für gute Belich­tung der Multifunktionsbereiche.

Projekt
Bildungscampus Aron Menczer, Otto-Preminger-Straße 1, 1030 Wien

Bauherr
Stadt Wien – Schulen/Kindergärten/Bildung und Jugend

Auftraggeber
HYPO NOE Leasing GmbH
STRABAG AG Direktion AR Hochbau
PPP Campus AM + SEEA GmbH & Co KG

Architektur
Wettbewerb bis Einreichplanung: Martin Kohlbauer ZT-GmbH, Wien, martinkohlbauer.com

Ausführungs- und Generalplanung
WGA ZT GmbH, Wien, wg-a.com

Landschaftsplanung
Wettbewerb bis Entwurf: 3:0 Landschaftsarchitektur, Wien, 3zu0.com

Statik
KS Ingenieure ZT GmbH, Wien, ksingenieure.com

Projektdaten
Grundstücksfläche: 17.318 m²
Bebaute Fläche: 5269 m²
Netto-Grundfläche: 14.875 m²
Bruttogeschoßfläche: 15.966 m²

Projektablauf
Wettbewerb 11/2016, 02/2017
Planungsbeginn 03/2017
Baubeginn 05/2019
Fertigstellung 08/2021

Materialien
Bauweise: Stahlbeton
Innenwände: Stahlbeton, Gipskarton
Fassade: Fertigteile aus Weißzement, sandgestahlt bzw. unglasierte, bernsteinfarbene Keramik; Pfosten-Riegel-Alucobond-Fassade
Türen: Vollbautürblatt aus Röhrenspanplatte, Innenportale Glas
Bodenbeläge außen/innen: Feinsteinzeug, Kunststein, Kautschuk, Parkett, Teppich, Vorplatz gepflastert, Farbasphalt, Terraway

Wettbewerbsdokumentation: ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 2/2017 (331)  

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Datum: 26. Oktober 2022 bis 31. August 2023
Ort: Technisches Museum Wien, Mariahilfer Straße 212, 1140 Wien

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Datum: 11. November 2022 bis 18. Februar 2023
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Datum: 24. Februar 2023 bis 26. Februar 2023
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Datum: 02. März 2023 bis 04. März 2023
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