337 Naturstein

Symbiose von Wasser und Stein

© CC-BY-SA 3.0
Weltberühmt: Der 1762 fertiggestellte Trevi-Brunnen in Rom aus Travertin und Marmor.
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Wasser ist Leben. In Verbindung mit Naturstein entsteht aus diesen beiden Elementen eine ästhetisch-archaisch-elementare Symbiose.

von: Roland Kanfer

Glasklares Wasser, das aus seiner Quelle im Gebirge sprudelt und sich zwischen und über Steine in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben ergießt – ein idyllisches Bild, das wir mit Urlaub, Natur, Frieden und Harmonie assoziieren. Kein Wunder daher, dass uns die Kombination von Naturstein und Wasser immer wieder in ihren Bann zieht und wir uns dieses Schauspiel aus der Natur in unsere Umgebung holen wollen. Zur kunstvollen Ausgestaltung von Gärten und Plätzen gehören Brunnen seit der Renaissance, vor allem das Barock liebte die spielerische Ausgestaltung mit verschiedenen Natursteinarten, Figuren und Lichtspielen. Wer kennt nicht den Trevi-Brunnen in Rom, in dem die berühmte Filmszene mit Anita Ekberg und Marcello Mastroianni spielt. Bereits in der Antike endete an dieser Stelle eine römische Wasserleitung, die Wasser aus den Sabiner Bergen nach Rom brachte. Entworfen wurde der Brunnen von Nicola Salvi und 1762 – nach dessen Tod – wurde er vollendet. Der Trevi-­Brunnen besteht aus einer Palastfassade, der ein Triumphbogen vorgesetzt ist. Davor tummeln sich Meeresgestalten auf einer Felslandschaft, über die sich das Wasser in ein großes, flaches Becken ergießt. Thema des Brunnens sind die Naturgewalten, die das Werk der Menschen bedrohen. Auf der rechten Seite scheint die Fassade durch die hervorbrechenden Felsen bereits zu zerbrechen. Die dramatische Wirkung wird noch durch das vom fließenden Wasser erzeugte Meeresrauschen verstärkt, das schon in den Seitengassen zu hören ist. Salvi hat lange experimentiert, mit welcher Steinoberfläche er diesen Effekt trotz der relativ geringen Wassermenge erreichen kann. Schlussendlich entschied er sich für Travertin aus Tivoli und Marmor aus Carrara.

Farbenreicher Hochstrahlbrunnen

Nicht ganz so alt, aber ebenfalls eine Touristenattraktion ist der Hochstrahl­brunnen am Wiener Schwarzenbergplatz. Er wurde aus Anlass der Fertigstellung der 1. Wiener Hochquellenleitung vom Bauunternehmer Anton Gabrielli errichtet und im Oktober 1873 in Betrieb genommen. Im Juni 1906 wurde der aus einem gestrahlten Schärdinger Hellgranit in den Formaten 48/48 /24 und 48/48/12 errichtete Brunnen zu einem Leuchtbrunnen umgestaltet. Nachts leuchtet er in den Farben Rot, Rosa, Gelb, Violett, Blau und Grün. Zahl und Anordnung der Springbrunnen orientieren sich am Kalender: Die ursprüngliche Düsenanordnung von 1873 bestand aus einem Hochstrahl für das Jahr, vier Strahlen in der inneren Steininsel für die Jahreszeiten und 365 Randstrahlen für die Tage im Jahr. Nach der Umgestaltung befinden sich am Becken­rand 365 kleine Springbrunnen, die die Tage des Jahres symbolisieren. Die sechs Springbrunnen zwischen Beckenrand und innerer Insel und diese selbst entsprechen den sieben Wochentagen. Zwölf hohe Strahlen versinnbild­lichen die Monate, 24 niedrige die Stunden des Tages und die 30 Strahlen in der mittleren Insel die Tage des Monats.

Der Wasserbildhauer

In Österreich denkt man seit den siebziger Jahren beim Thema Natursteinbrunnen an einen Namen: Hans Muhr. Der in Graz geborene ehemalige Mathematiklehrer entdeckte damals das Thema Wasser. Als „Wasserbildhauer“ realisierte er zahlreiche Natursteinskulpturen im In- und Ausland, auf öffentlichen Plätzen und Einrichtungen, in privaten Innenräumen und Gärten. Muhr sieht seine Brunnen, die er bevorzugt aus Sölker Marmor und Serpentin herstellt, als multifunktionale Unikat-Kunstwerke mit bioklimatischen Funktionen für den Lebensbereich des Menschen. Sie stellen für ihn eine ästhetisch-archaisch-elementare Symbiose von Wasser und Stein dar, erwachsen aus der emotionellen Zuneigung zum Element Wasser.

Der österreichischen Öffentlichkeit bekannt wurde Hans Muhr vor allem durch seine rund 80 Brunnen in Wien, davon 33 sogenannte „Wiener Trinkbrunnen“. Der von 1984 bis 1994 amtierende Bürgermeister Helmut Zilk förderte den Bildhauer und beauftragte ihn, seine Trinkbrunnen aufzustellen, unter anderem in der Innenstadt in der Kärntnerstraße, am Hohen Markt und beim Bundeskanzleramt am Ballhausplatz. Letzterer, der „Wasserwellen-Lebens-Brunnen“, wurde aus einem in den chilenischen Anden in einer Seehöhe von 4.500 Metern abgebauten Lapislazuli-Monolithen mit einem Rohgewicht von 19 Tonnen gefertigt. Ursprünglich stand er beim Österreich-­Pavillon der Weltausstellung in Lissabon 1998, wo ihn Zilk entdeckte und einen Verkauf an die Stadt Wien vermittelte. Gemeinsam mit seiner Wanne wiegt die Skulptur aus dem am häufigsten in Afghanistan vorkommenden, tiefblauen, schwer zu bearbeitenden Naturstein Lapislazuli 23 Tonnen.

Muhrs Brunnen in der Wiener Kärntnerstraße hingegen fielen der Neugestaltung der Fußgängerzone zum Opfer. Die größte Skulptur, der aus einem tauerngrünen Serpentin vom Großvenediger gefertigte Goldfluss-Brunnen mit einer Höhe von 1,90 Meter, stand von 1991 bis 2009 dort, bis ihn nach dessen Entfernung Singapur als Geschenk bekam, wo er heute noch steht. An der Oberseite der Skulptur tritt an acht Öffnungen das Wasser aus und fließt über Führungsrinnen, die zum Teil mit Goldbronze ausgelegt sind, in das wenige Zentimeter tiefe, in den Boden versenkte Auffangbecken.
Auch im Arkadenhof des Wiener Rathauses steht ein Muhr-Brunnen, ebenso
wie im 1983 neu gestalteten Park am Schillerplatz in Linz, für den der Künstler eine Wasserplastik entwarf, bei der die austretenden Wasserstrahlen Kopf und Arme von fünf im Kreis angeordneten, sitzend gedachten blockhaften Figuren bilden. Im kroatischen Opatija steht ein Brunnen mit dem Namen „Wasserfriedenstor Euro­päische Union“, der vorwiegend aus den in Österreich abgebauten Steinen Sölker Marmor nund den Serpentinen Tauern Grün und Dorfer Grün besteht. 

Der Campusteich der WU Wien

BUS Architektur gewann 2008 den Masterplan und Generalwettbewerb für den Campus der neuen Wirtschaftsuniversität Wien und realisierte in der Arbeitsgemeinschaft mit Vasko + Partner unter anderem den Freiraum des Projekts. Kompositionell schafft das Projekt ausgeglichene Proportionen und eine Balance zwischen den isolierten von internationalen Architekten kreierten Baumassen, der dazwischen liegende Freiraum wurde durch Plattformen, Parks, Promenaden und Wasserteiche gestaltet. Umgesetzt wurde das Vorhaben mit dem Diabas „blaugrüner Carat“ und Silberquarzit in gestrahlten Bahnen bis zu 40 Zentimeter Breite, drei und vier Zentimeter stark. Für das Becken wurden spezielle Formsteine verwendet.

Meidlinger Treffpunkt
Nach vier Jahren Bauzeit wurde die zwischen 2014 und 2017 neugestaltete Fußgängerzone in der Meidlinger Hauptstraße, der fünftgrößten Einkaufsstraße von Wien, im vergangenen November eröffnet. Schanigärten, Bäume, Sitz­hocker aus Granit und ein Brunnen mit Sitzmöglichkeit an dessen Umrandung laden zur Rast ein und fördern somit die Kommunikation. Dieser neue Brunnen am zentralen Meidlinger Platzl ist mit einer geschliffenen Steinkante – gelegen an der tiefsten Stelle der Meidlinger Hauptstraße – nun zentraler Treffpunkt. Bei der Wahl der Materialien wünschte sich der Bauherr einen hellen, ruhigen und einheitlichen Gesamteindruck. Man entschied sich für österreichische Materialien, um den ökologischen Fußabdruck gering zu halten und österreichische Arbeitsplätze zu sichern. Die Wahl fiel auf den traditionellen Neuhauser Granit und den Herschenberger Granit grau/blau beziehungsweise grau/gelbbraun, welche die gewünschten Eigenschaften perfekt abbilden. Als Kontrast dazu wurden kleine Bereiche mit dem dunklen Gebhartser Syenit eingeplant.


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