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Strenge Badefreuden

© Andrew Phelps
Der vorne zweigeschoßige Baukörper fällt nach hinten ab.
© Andrew Phelps

Hallenbad Ried im Innkreis, OÖ / Architekten Gärtner+Neururer

Im Sommer 2013 musste das Hallenbad in der oberösterreichischen Stadt Ried, das statisch das Ende seiner Lebensdauer erreicht hatte, geschlossen werden. Um Kosten zu sparen, wurde beschlossen, ein reines Sportbecken ohne Erlebnisrutschen zu errichten. Als Gesamtkosten-Obergrenze wurden zehn Millionen Euro festgelegt. Schlussendlich kostete das Bad rund 14 Millionen. Gründe für die Verteuerung sind laut Medienberichten Zusatzwünsche der Gemeinde sowie Zusatzkosten aufgrund eines Verfahrens gegen die Baufirma.

Kompakter Baukörper
Sieger eines im Jahr 2014 ausgelobten geladenen Architekturwettbewerbs mit acht Teilnehmern wurde das Vöcklabrucker ­Architekturbüro Gärtner+Neururer, das nach einem Verhandlungsverfahren auch den Zuschlag erhielt. Der Entwurf sah ein in Nord-Süd-Richtung längs gestrecktes Objekt mit in diese Richtung ansteigendem Dach vor. Im Norden sollte ein Gebäudewinkel als überdachter Außenbereich an­geschlossen werden. Dieser kompakt gehaltene Baukörper, der von einer einzigen großen Dachfläche überspannt wird, fügt sich in die lockere städtebauliche Struktur ein. Die Anordnung des Gebäudes direkt an der Volksfeststraße sowie die Anordnung der Parkplätze und des Fußgänger­zugangs im Westen wurde von der Jury begrüßt, da sie die Belastung der ostseitig angrenzenden Wohnhäuser durch den Bade­betrieb minimieren. Die Fassade des nach vorne zweigeschoßigen Baukörpers aus weißen, vertikal geriffelten Keramikfliesen unterstreicht einerseits den öffentlichen Charakter des Gebäudes, andererseits die Kompaktheit des Baukörpers und sie verleiht dem Gebäude ein formal strenges Erscheinungsbild. Im straßenabgewandten Bereich dehnt sich der Baukörper in seiner vollen Länge aus und fällt nach hinten zum Saunabereich leicht ab. Die große Anzahl von vorgelagerten Parkplätzen wird mit einem dichten Baumraster versehen, der Schatten spendet und raumbildend wirkt. Zwischen Parkplatz und Gebäude entsteht ein autofreier, konischer Vorplatz, der die Besucher zum Eingang leitet.

Vom Lärm zur Ruhe
Die Jury lobte die funktionell gut gelöste innere Organisation des Bades. Die Funktionen entwickeln sich vom Hohen zum Niedrigen, von der Öffentlichkeit zum Privaten, vom Lärm zur Ruhe. Belichtung und Aussicht sind den jeweiligen Nutzungen angepasst. Das Dach verbindet die außen liegenden Saunakabinen in einer großzügigen integrativen Geste mit dem Bad. Über das Foyer mit Rezeption und Wartebereich nimmt der Badegast den gleichen Weg wie der Saunabesucher. Erst nach den Garderoben teilt sich der Weg zur Schwimm­halle sowie zur Saunawelt mit Innen­- und Außenbereich. Dazwischen liegt die Küche zur zentralen Versorgung für Bistro, Saunabar und Kaminlounge.

Herzstück der Schwimmhalle ist das 25-­Meter-Becken mit vier Bahnen, einem Kombibecken sowie dem Kleinkinder­bereich. Der Wellnessbereich besteht aus Sauna, Dampfkammer und Infrarotkabinen, dem Aufenthalts- und Gastrobereich sowie dem Abkühlbereich und den Ruheräumen. Abgeschirmt durch den winkelförmigen Baukörper gibt es einen Freibereich mit Saunasee, einem beheizten Solebecken und großzügigen Liegeflächen.

Projekt
Hallenbad Ried im Innkreis, Volksfeststraße 14, 4910 Ried im Innkreis

Bauherr
Stadtgemeinde Ried im Innkreis (OÖ)

Architektur
Architekten Gärtner+Neururer ZT GmbH, Vöcklabruck, gaertner-neururer.at

Statik
Weilhartner ZT GmbH, 4910 Ried i. Innkreis, ztw.at

Projektdaten
Grundstücksfläche: 9850 m²
Bebaute Fläche: 3700 m²
Nutzfläche: 4500 m²
Bruttogeschoßfläche: 5540 m²

Projektablauf
Wettbewerb 11/2014
Planungsbeginn 06/2015
Baubeginn 04/2016
Fertigstellung 11/2017
Eröffnung 02/2018

Wettbewerbsdokumentation: ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 3/2015 (320)

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