Silenzio!

© Hertha Hurnaus
Die Wiener Tourist Info wurde mit dem Baswa- System Phon Classic Top ausgestattet.
© Hertha Hurnaus

Eine gute Raumakustik fördert nachweislich das Wohlbefinden und die Gesundheit. Umso besser, wenn sie nicht nur perfekt funktioniert, sondern auch noch edel aussieht.

von: Barbara Jahn

Allein, dass sich mit einem klingenden Wort wie dem lateinischen „Silentium“ ein so technisches Thema wie die Akustik verknüpfen lässt, ist wunderbar. Absorption, Schallwellenbrechung, Dezibel ebenso. Im Zeitalter, in dem der Open Space in vielen Zweckgebäuden zur Höchstform aufläuft, sind aber gerade sie es, um die sich alles in erster Linie dreht. Leise genug, um ein harmoni­sches Nebeneinander zu gewährleisten, aber laut genug, um nicht das Gefühl einer Aufbahrungs­halle zu suggerieren: so gesehen fast die wichtigste Herausforderung in einem Gebäude, das nicht nur schön sein, sondern auch gut funktionieren soll.

Es fließt
Zunächst denkt jeder wohl an die Decke, die einen Raum überspannt und somit seine größte Angriffs­fläche darstellt. Sie ist eine der Hauptakteurinnen, wenn es darum geht, ein angenehmes akustisches
Klima zu schaffen. Wer dabei aber nur mit Tausenden Löchern perforierte, faserige Platten vor Augen hat, die in einen Raster eingehängt werden, darf nun die Ohren spitzen – es gibt nämlich auch Alternativen. Eine davon sind die fugenlosen Akustikober­flächen von Baswa, einem 1991 gegründeten Schweizer Unternehmen, das sich auf glatte Oberflächen bis zu 500 Quadratmeter ohne Dehnfuge spezialisiert hat. Die steigende Komplexität und der Anspruch der Gebäudetechnik be­einflussen die Gestaltung eines Raumes. Um diesen Konflikt zwischen Ästhetik und Funktionalität zu entschärfen, hat es sich Baswa zur Aufgabe gemacht, dem Planer keine eigenen Regeln aufzuzwingen und so der Gestaltungsfreiheit größtmöglichen Spielraum zu verschaffen. Das System, das auf den Eigenschaften von Marmorkorn und Glimmer basiert, lässt keine Zufälle zu, hier wurde an alles gedacht. So gibt es nicht nur eine umfangreiche Farbpalette, sondern auch die Möglichkeiten, das akustische System neben Neubauten und Sanierungen für Nassräume, thermisch aktivierte Bauteile und Räume mit hohen Kühl- und Heizlasten sowie akustischen Anforderungen einzusetzen. Besonders charmant sind der optionale Glimmereffekt und ein enzymhältiger Zweikomponentenreiniger, der
Flächen punktuell oder vollflächig von organischen Verunreini­gungen befreit.

Es leuchtet
Akustische Maßnahmen an der Decke sind aber nur eine von mehreren Möglichkeiten, die neben der Wirkung auch die Optik im Fokus haben. So bietet etwa Sattler elegante Verbindungen von Licht und Akustik an, die sich als technisches Element fast gar nicht wahrnehmen lassen. Denn auch hier hört das Auge mit. Das Unternehmen bietet eine Vielzahl von Standard­lösungen für hochwertig ausgestattete Arbeitswelten, Foyers und Empfangsbereiche sowie maßgeschneiderte Lösungen. Um elegant an das akustische Ziel zu kommen, bedient man sich einer attraktiven Palette von schallschluckenden Materialien: Zu den besonders akustisch wirksamen zählen unter anderem natürliche Stoffe wie Filz, Textilien und Moos, die vor allem dann zum Einsatz kommen, wenn es darum geht, eine warme, emotional ansprechende Atmosphäre zu schaffen. Neben einem neuen Filzpaneel, wie es beispielsweise bei der Pendelleuchte Gioco eingesetzt wird, bietet das Unternehmen Lösungen mit Textil, perforierter
Folie und mit einem speziell behandelten, dauerhaft saftig grünen Trockenmoos – eine vielfältige Auswahl an Materialien, die eine angenehme raumakustische Atmosphäre schaffen. Um noch mehr Varianten an­bieten zu können, gibt es die Lichtobjekte auch ohne akustische Funktion.

Es fasziniert
Apropos Textilien: Ohne sie würde wahrscheinlich Raum­akustik erst gar nicht funktionieren. In diese Kerbe schlägt der Schweizer Hersteller Création Baumann mit der Hightechentwicklung Sinfoniacoustic, einem neuen, effizienten Akustikvorhang, dessen Vorder- und Rückseite unterschiedlich gestaltet werden können. Ein integriertes Folienband sorgt für die akustische Funktionalität. Sinfoniacoustic ist die Erweiterung der Produktfamilie Sinfonia, die bereits 1978 den Markt eroberte. Jetzt mit dem neuen Stoff mit seinen zwölf Farbvarianten, die eine wohnliche Ausstrahlung haben und den Räumen das „Harte“ nehmen, scheint diese Produktserie komplett, auch für den Einsatz in öffentlichen und halböffentlichen Gebäuden.

Es grünt
Die österreichische Moosmanufaktur mit Niederlassung in Berlin setzt auf Natürlichkeit auf allen Ebenen, wo alles selbst gemacht wird: Die eigenen Designs für Wand- und Bodenflächen werden mit eigenhändig gesammeltem Moos direkt aus dem Wald kreiert. Dabei wird selbstverständlich darauf geachtet, dass nur so viel entnommen wird, dass sich das Moos wieder regenerieren kann. Schließlich werden die Moose gereinigt, eingefärbt, konserviert und zuletzt auf ein Trägermaterial aufgebracht. Mit diesem Tool kann praktisch alles Flächige vom Wandteppich bis hin zum Moosbild in belebenden Grüntönen gestaltet werden. Die Schallwellenabsorbierer und Staubbinder aus dem Wald schaffen es, das Niveau der Raumluftfeuchte auf 45 Prozent anzuheben und dadurch ein um zwei bis drei Grad kühleres Mikroklima zu schaffen. Durch die kontinuierliche Verdunstung durch die Pflanzen wird trockene, warme Luft in der Heizperiode mit Feuchtigkeit angereichert. Die positive Wirkung ist durch Studien belegt, ausgedrückt in der stagnierenden Zahl von Krankenständen und Erschöpfungsanzeichen.

Es fliegt
Zurück zur Decke: Das akustische Deckensegel Ecophon Solo unterstützt mit seiner Formen- und Größenvielfalt und der Möglichkeit eigener Designs die kreative Umsetzung von Planern und Architekten. Rund, quadratisch und rechteckig, groß oder klein, bunt oder uni. Solo weist auch hervorragende akustische Eigenschaften auf. Das Standardprogramm umfasst einige der größten Akustikplatten auf dem Markt. Sie sind oft die bevorzugte Wahl für große Räume, setzen aber auch in kleineren Räumen spannende Akzente. Frei von der Decke hängende Baffel bilden entweder klare Linien, um den Raum selbst wirken zu lassen, oder sie übernehmen als Wellen- oder Zickzackmuster die Hauptrolle. Da manchmal gerade bei nachträglicher akustischer Optimierung von Räumen eine deckenseitige Installation nicht möglich ist, hat Ecophon nun auch Baffeln für die Wand entwickelt. Diese können bei neuen Entwürfen gleich mitgeplant werden, eignen sich aber ebenso für die nachträgliche Montage. Wichtig für den Green-Building-Aspekt: Ecophon Schallabsorber werden zu 80 Prozent aus Recyclingmaterial (Glas) und zu 100 Prozent mit einem ökologischen Binder hergestellt.

Blick nach oben. Interview mit Christoph Pellech, Baswa

Von welchen Faktoren hängt gute Raumakustik ab?
Einfach gesagt: vom Wohlfühlfaktor. Dieser hängt von sehr vielen Umständen ab. Räume nehmen wir mit sämtlichen Sinnen wahr, unter anderem optische Eindrücke, Gerüche, Temperaturen und selbstverständlich auch den Klang des Raums. Bevor wir überhaupt „Lärm” hören, hat sich unser Gehirn aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen auf die räumlichen Verhältnisse eingestellt. Jeder Raum muss demnach individuell betrachtet werden, um gute Raum­akustik zu schaffen und Belastungen für uns zu reduzieren. Ein Wohnzimmer ist anders als ein Poolbereich, ein Meetingraum, ein Theater oder eine Kirche zu bewerten. Natürlich kann man diese Eindrücke über Nachhallzeiten absorbierender oder reflektierender Materialien optimieren.

Akustik ist gerade an öffentlichen und halböffentlichen Plätzen ein großes Thema. Wie geht man es aus Ihrer Sicht am besten an?
Besonders bei öffentlichen Bauvorhaben müsste mit mehr Bedacht geplant und dementsprechend ausgeführt werden. Dem Entscheidungsträger müssen die Auswirkungen vermittelt werden, wenn Materialien, Oberflächen und Möblierungen geändert werden. Am besten zieht man Experten wie Akustiker und Bauphysiker bei der Planungsphase zurate, um auch kosteneffizient zu agieren. Nachträgliche Sanierungen sind immer teurer.

Welcher und wie viel Spielraum steht dabei den Architekten zur Verfügung?
Aus Herstellersicht gibt es jede Menge raumakustischer Lösungen, Architekten haben viele Auswahlmöglichkeiten. Der Spielraum des Architekten hängt auch hier vom Budget und Verständnis des Bauherrn ab. Gerade beim Verständnis des raumakustischen Themas besteht noch Spielraum nach oben.

Stichwort Open Space Office: ungeliebt, geliebt. Welche Maßnahmen würden Sie bei einem solchen Projekt ­setzen, damit es ein gutes Auskommen gibt?
Open Space ist ein spezielles Thema. Kreative, offene, einladende Büros zu schaffen ist nicht leicht. Wenn es dann auch akustisch nicht funktioniert, leidet meist auch die Produktivität. Schlechte Akustik beeinflusst uns negativ und somit müssen erst recht nachträglich Trennwände, Telefonkabinen, absorbierende Möbel etc. gekauft werden.

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