Metall-Bau

Schräge Wände und Schnitte

© Guenter R. Wett
Aufgrund begrenzter Tragreserven des Bestandes musste die Aufstockung des Schulgebäudes als Leichtbau ausgeführt werden.
© Guenter R. Wett

Ingenieurskunst und architektonische Ausdrucksstärke sind die Kriterien für den Österreichischen Stahlbaupreis. In der Kategorie Hochbau wurde heuer die Aufstockung der Ferrarischule in Innsbruck ausgezeichnet.

Der österreichische Stahlbaupreis wird im Zweijahresrhythmus vergeben, 2019 fand die Verleihung zum siebten Mal statt. Ziel ist es, die Leistungs­fähigkeit, die architektonische Ausdrucksstärke, das technische Potenzial und die Vielseitigkeit des österreichischen Stahlbaus zu zeigen. Zum Bewerb zugelassen waren Stahlbauprojekte, die von und mit österreichischen Firmen in den letzten beiden Jahren errichtet wurden.

19 Projekte wurden heuer eingereicht, darunter Projekte in den Kategorien Hochbau, Infrastruktur und Ingenieurskunst. Unter den erstmals von einer Jury bewerteten Projekten waren Fußgängerstege, Brücken, Seilbahnen, neue Gebäude und Erweiterungen ebenso wie eine Aussichtswarte, die aus verdrehten, tanzenden Stahlstützen mit einem um diese herum gewendelten Stiegenlauf besteht. Die verzinkte Stahlkonstruktion und Edelstahl im oberen Bereich führen dazu, dass die Warte bei unterschiedlichem Sonnenstand in einem Farbenspiel erscheint.

Aufstockung in Leichtbauweise
Im Mai wurden die Sieger gekürt. Preisträger in der Kategorie Hochbau ist die Aufstockung der Ferrarischule in Innsbruck von huber+theissl architekten und dem Tragwerksplanungsbüro gbd. Das im Innenstadtbereich Innsbrucks gelegene Schul- und Internatsgebäude wurde Ende der 1960er-Jahre erbaut und ist Bestandteil des Ensembles der Ferrarischule, dessen Kern das aus dem 17. Jahrhundert stammende historische Palais Ferrari ist. Eine Parkanlage umschließt die Gebäude und wird durch eine umlaufende, unter Denkmalschutz stehende historische Mauer eingefriedet. Erschlossen wird die Parzelle von der Weinhartstraße. Bei diesem Schulbau handelt es sich um eine Höhere Bundeslehranstalt für wirtschaftliche Berufe, womit als Nutzergruppe Schüler im Alter von 14 bis 19 Jahren im Vordergrund stehen.

Aus Platzmangel musste das Schulgebäude aufgestockt werden. Aufgrund begrenzter Tragreserven des Bestandes musste die Aufstockung als Leichtbau ausgeführt werden. Trägerspannweiten von bis zu zehn Metern, integrierte Brückentragwerke mit bis zu 27 Meter Länge waren notwendig, um sowohl den architektonischen Ansprüchen als auch den statischen – da nur an definierten Punkten abgelastet werden durfte – gerecht zu werden. Um die Eingriffe in die bestehende Struktur des im Betrieb befindlichen Schu­l­gebäudes zu minimieren und Synergien mit dem komplett zu entkernenden angeschlossenen Internatsgebäude zu nutzen, wurde ein in Bodenebene liegen­des Fachwerk entworfen. Dieses leitet die Horizontallasten der Auf­stockung aus Wind und Erdbeben zu den exzentrisch liegenden neuen Stahlbetonwänden im Bestand. Die gesamte Struktur lagert schwimmend auf dem Baukörper der Schule.

Behutsames Einfügen
Schräge Wände und Schnitte in Kombination mit den großen Spannweiten waren einzig mit dem Baustoff Stahl wirtschaftlich lösbar. Das Projekt wurde ausgezeichnet, weil es sämtliche Vorteile des Baustoffes Stahl vereint: den hohen Vorfertigungsgrad und damit eine schnelle Montage, Platzersparnis bei beengten Verhältnissen am Bau und die Umsetzbarkeit von architektonischen Wünschen, was Formen, Winkel und Spannweiten betrifft. Durch die Leichtbauweise werden dem Bestand möglichst geringe Zusatzlasten zu­gemutet. Umgesetzt wurde die Aufstockung vom Metallbauunternehmen Ambrosi.

Abgerundet wurden die baulichen Maßnahmen durch die Anbindung aller Geschoße – sowohl im Internat als auch in der Schule – an eine neue Aufzugsanlage sowie die Adaptierung des erdgeschoßigen Foyers. Ziel war ein behutsames Einfügen der Maßnahmen in die bestehende Situation – sowohl hinsichtlich der Gesamtkubatur als auch räumlich-strukturell. Neue qualitative Innen- wie Außenräume wurden geschaffen und ein bereichernder kontextueller Bezug zum bestehenden Ensemble hergestellt.

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