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Schlichter Baukörper mit viel Luft

Alle Fotos: © Julian Höck
Alle Fotos: © Julian Höck

Jugendgästehaus Gerlosplatte, Krimml / Lechner & Lechner Architekten, Salzburg

Das Jugendgästehaus Gerlosplatte liegt auf 1700 Metern Seehöhe an der Grenze zwischen Salzburg und Tirol im Wander- und Skigebiet Zillertal Arena sowie im Nationalpark Hohe Tauern. Das Skigebiet liegt direkt vor der Tür, die Krimmler Wasserfälle sind vier Kilometer und die Filzsteinbahn 2000 ist 400 Meter entfernt. Das Stadtzentrum ist innerhalb von 30 Fußminuten zu erreichen.
Hier öffnete im Februar 2020 der vom Salzburger Architekturbüro Lechner & Lechner geplante Neubau mit einem herrlichen Ausblick auf die umliegenden Berge und Täler. Der am Hang gelegene Bauplatz wird über die Hochkrimml Straße erschlossen. Der im nördlichen Bereich des Areals po­sitionierte Hauptbaukörper des Jugendgästehauses ist in Holzbauweise ausgeführt, für die Fassade wurde sägeraue Lärchenschalung verwendet.
Der Zugang zu diesem Hauptbaukörper erfolgt vom Dorfplatz aus durch eine ein­geschoßige, über die gesamte Breite verglaste Fläche. Diese lässt den Hauptbaukörper wie eine Brücke über dem Dorfplatz schweben. Räumliche Komplexität entsteht erst bei Annäherung an das Gebäude.
Gemeinsam mit der Straße bildet das Gästehaus einen nach Süden gerichteten U-förmigen Platz als vermittelnde halböffentliche Zone zwischen dem Gebäude und der umgebenden Bebauung. Begleitet wird dieser Platz von zwei Seitenflügeln, die als Landschaftswellen geformt sind und den Platz in der Landschaft versinken lassen.

Visuelle Durchlässigkeit
Das Jugendgästehaus bietet 416 Zimmer, jeweils mit Sitzecke, einen Gepäckraum und eine Terrasse sowie verschiedene sportliche Aktivitäten wie Wandern, Billard und Skifahren an. Acht Speisesäle lassen sich durch Trennwände auf entsprechende Gruppengrößen von 25 bis 190 Personen anpassen. Im Inneren des Gebäudes verleihen zahlreiche Lufträume zwischen den Geschoßen dem schlichten Baukörper eine visuelle Durchlässigkeit. Das Foyer, von dem aus die Geschoße mit Rampen erschlossen werden, erstreckt sich mittig über die gesamte Breite des Längsbaukörpers und erweitert den Raum des Foyers in die Vertikale. Diese erlaubt den Blick auf eine dreigeschoßige Kletterwand, die im 2. ­Untergeschoß beginnt und bis ins 1. Ober­geschoß reicht, auf eine 15 Meter breite, 27 Meter lange sowie sieben Meter hohe Sporthalle im 2. Untergeschoß sowie auf Trampoline und andere Freizeitgeräte wie eine Halfpipe für Skateboards und Scooter, Tischtennisplatten oder Billardtische. Ein Personenlift verbindet alle Geschoße.

Zueinander versetzt
Durch die zentrale Positionierung der Haupterschließung wird der Baukörper in einen West- und einen Osttrakt geteilt mit jeweils einer eigenen Fluchttreppe am Gebäudeende. Am oberen und unteren Ende wechselt die Erschließung von Rampen auf Treppen. Beide Gebäudetrakte sind halbgeschoßig zueinander versetzt und nehmen so die Topografie der Landschaft auf. Dieses Halbgeschoß befindet sich über dem Bereich der Turnhalle und liegt auf Trägern, die die Turnhalle überspannen. Da das Jugend­gästehaus auch für Schulausflüge vorbereitet ist, beinhaltet das Halbgeschoß neben sieben Schülerzimmern, zwei Galeriebereichen zum Foyer im Erdgeschoß sowie einem Hausleiterbüro auch drei Lehrerzimmer. Das Fluchttreppenhaus des Westtraktes, das im Dachgeschoß beginnt, endet in diesem Halbgeschoß. Über eine Landschaftsbrücke geht es auf das Freigelände. Im Dachgeschoß befinden sich ein Apartment, ein Stüberl sowie zwei Saunen. Das Hotel wird mit Biomasse-Fernwärme beheizt, das Restholz der Brettsperrholzwände wurde zu Möbeln verarbeitet. 

Projekt
Jugendgästehaus Gerlosplatte
Hochkrimml 244, 5743 Krimml

Bauherr
Jugendgästehaus Gerlosplatte GmbH  (vertreten durch Jörg Neumaier)
5743 Krimml

Architektur/Landschaftsplanung
Architekturbüro Lechner & Lechner, Salzburg
lechner-lechner.at

Tragwerksplanung
Forsthuber ZT GmbH, Salzburg
forsthuberzt.at

Bauphysik
Ingenieurbüro Ing. Denis Gappmaier
Bau- und Zimmermeisterarbeiten
Ehrenreich BaugmbH, Tamsweg
ehrenreich.at

Projektdaten
Grundstücksfläche: 5281 m²
Bebaute Fläche: 1950 m²
Nutzfläche: 7557 m²
Umbauter Raum: 30.591 m³

Projektablauf
Planungsbeginn 08/2016
Baubeginn 11/2018
Fertigstellung 05/2021

Materialien
Außen- und Innenwände: BBS-Wände
14 cm / Industrie Nicht-Sicht (Binderholz)
Fassade: Lärchenschalung sägerau (Zimmerei/Baumeister Ehrenreich Bau)
Wärmedämmung: Passivhausfilz Duo Multi-Kombi (Isover)
Bodenbeläge: Nadelvlies Finett Select 8804 (Findeisen)
Beleuchtungskörper: ModuLED und FrontLED (S2 Lichttechnik)
Sanitärgegenstände: Vigour
Armaturen: Grohe
Küche: Palux
Aufzug: Schmitt + Sohn GmbH & Co. KG

„Wir haben versucht, den vielfältigen Anforderungen an das Haus nach einem Zitat von Karl Friedrich Schinkel zu begegnen: Es ist die Pflicht der Architektur, Nützliches, Praktisches und Zweck­mäs-s­iges in etwas Schönes zu verwandeln.“

Das Architekturbüro Lechner & Lechner versucht, durch unorthodoxe, interdisziplinäre und ungewöhnliche Arbeitsweisen die Grenzen des Baudiskurses auszuloten und den Bereich des Möglichen zu vergrößern. Bearbeitet werden Gestaltungsaufgaben von Stadtplanungen bis zu den kleinsten Sanitäranlagen. Insbesondere das Bauen im historischen Kontext sowie der Themenkomplex des nachhaltigen Bauens in all seinen Facetten zählen zu den Kernkompetenzen der Architekten. Die Funktionen der europäischen Stadt sowie das Verhindern der Stadtflucht durch das Vereinen und Verweben von Lebensbereichen ist eines ihrer Herzens­anliegen. 

Lechner & Lechner Architekten
Salzburg        
Gegründet 1987             
lechner-lechner.at

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