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Rückzugsort am Wasser

Alle Fotos: © Michael Maritsch
Alle Fotos: © Michael Maritsch

Unmittelbar an den Ufern des Attersees entstand dieses neue Badehaus, das sich je nach Jahreszeit und Witterung geschlossen oder offen zeigt. Architekten: Bernhard Eggl und Walter Höller

Unmittelbar hinter einer auf einem Seegrundstück in Attersee liegenden Hütte stand eine riesige, vierstämmige Erle, die bereits ihr Lebensalter erreicht hatte. Das Ganze war im Hochwasserabflussbereich gelegen, und es war klar, dass das Seewasser in diesem Bereich alle paar Jahre über die Ufer treten würde. Für Planer und Bauherrschaft war zunächst völlig unklar, ob und in welchem Umfang eine Neuerrichtung aufgrund der naturschutz- und wasserrechtlichen Gesetze überhaupt möglich oder sinnvoll war. Hinsichtlich der Hochwassergefahr wurde eine defensive Bauweise angedacht. Die Baumfällung war schon allein aus Gründen der Sicherheit notwendig und in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde wurden entsprechende Ersatzpflanzungen vereinbart.
Aufgrund der Lage an der Uferkante wünschten sich die Bauherren einen möglichst kompakten, unaufgeregten Baukörper nach außen und innen. Die Architekten Bernhard Eggl und Walter Höller planten auf einer bebauten Fläche von rund fünf mal sieben Metern ein Badehaus mit Hauptraum im quadratischen Grundriss mit Pyramidendach in strenger Geometrie, daran angeschlossen einen kleineren Anbau für Sauna- und Abstellraum. Darüber ergibt sich ein kleiner Spitzboden, den die Kinder der Familie als Schlafgalerie nutzen können.
Um den Seeuferschutz zu gewährleisten, sollte das äußere Erscheinungsbild vorwiegend Holzoberflächen zeigen, übermäßige Glasflächen mussten vermieden werden. Die Bauherren wollten aber vom Aufenthaltsraum aus einen Panoramablick auf Attersee und Höllengebirge genießen. Um diesen planerischen Spagat zu schaffen, entschied sich der Architekt für eine dreiseitige Verglasung des Hauptraumes mit Hebe-Schiebe-Konstruktionen und vorgehängten, elektrisch betriebenen Faltläden. Diese bieten die Möglichkeit, das Fassadenmaterial aufzunehmen und für die kältere Jahreszeit im geschlossenen Zustand eine homogene Außenhülle zu schaffen. Für die Hauptnutzungszeit im Sommer lässt sich das Badehaus zum See hin vollständig öffnen. Im Winter und in der Übergangszeit dient das Badehaus als Sauna-Objekt. Durch das Bullauge genießt man von der Liegefläche einen fantastischen Ausblick auf Schilfgürtel mit Fauna und Flora. Die Beheizung erfolgt über eine elektrische Fußbodenheizung bzw. über einen integrierten Sauna-Kombiofen.

Extreme Witterung
Ein wesentlicher Aspekt in der Planung waren Wind und Wellen und eine extreme Witterung. Dieser Umstand war essenziell in der Wahl der Materialien und der Bauweise. Als Tragkonstruktion kam Brettsperrholzbauweise zum Einsatz. Kreuzlagenholz ermöglicht größtmögliche Vorfertigung und erwies sich aufgrund der hohen Tragfestigkeit bei geringem Gewicht auch als ideal für den Transport zur Baustelle mittels Schwimmponton. Das Bauwerk wurde auf einen Betonkranz gestellt und aus der Gefahrenzone herausgehoben. Der Spritzwasserbereich und das Betonfundament wurden gezielt abgedichtet. Für den Bodenaufbau wählte man ausschließlich wasserresistente Materialien. Zusätzlich besteht über versteckte Bodenauslässe und Wandfugen in jedem Raum die Möglichkeit zur Absaugung von Wasser. Die Holzdeckung im Außenbereich ist aus technischen und gestalterischen Gründen mit vertikaler Fuge ausgeführt. Diese garantiert eine rasche Abtrocknung und ermöglicht eine weitgehend verzugsfreie Montage in den Faltläden.
Das Dach ist im Verborgenen als Blechdach ausgeführt. Als Dachdeckung kamen sibirische Lärchenbretter zum Einsatz, die im Werk vorvergraut wurden, ganz im optischen Einklang mit der dreiseitig umlaufenden Holzterrasse aus Thermo-Esche.

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Projekt
Badehaus Mühlbach 27, 4864 Attersee am Attersee

Bauherr
Martin Stiksel, London (UK)

Architektur
ARGE Architekten Höller-Eggl, Schörfling-Gmunden 

Projektdaten
Grundstücksfläche: 1210 m²
Bebaute Fläche: 27 m²
Nutzfläche: 19 m²

Projektablauf
Planungsbeginn 11/2018
Baubeginn 11/2019
Fertigstellung 05/2020

Materialien
Konstruktion: Brettsperrholz
Fassade: Sibirische Lärche
Dämmung: Holzweichfaser
Innenwände: Brettsperrholz
Fenster: Alu-Elemente
Bodenbeläge: innen Zementplatten, außen Thermo-Esche

Irrtümlich wurde in diesem Artikel der falsche Fotografenname genannt. Es handelt sich hier nicht um Manuel Timelthaler, sondern um Michael Maritsch. Wir bedauern den Irrtum.


Quelle: Screenshot

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