352 Thema

Raum (schaffen) für Bildung

© Raphael Kanfer
Im Schulneubau muss der Fokus auf innovativen räumlich-pädagogischen Konzepten liegen.
© Raphael Kanfer

Im Rahmen der ersten imh Fachkonferenz „Bau & Betrieb von Bildungseinrichtungen“ in Wien wurde dieser Themenkreis zwei Tage lang aus einem sehr breiten Blickwinkel betrachtet und diskutiert.

von: Brigitte Rabl

„Was muss der Bildungsbau von morgen bieten? Welche Raumangebote sollte ein moderner Schulbau bieten?“ Mit diesen Fragestellungen beschäftigte sich die erste Fachkonferenz „Bau & Betrieb von Bildungseinrichtungen“ des gewerblichen Seminarveranstalters imh. Die zweitägige Veranstaltung führte nicht nur die altbekannte „Szene“ der im Bildungsbau Aktiven, sondern auch einige neue Akteure zusammen und spannte einen breiten Themenbogen. Denn der Bildungsbau in Österreich und damit die öffentliche Verwaltung stehen aktuell vor zahlreichen großen Herausforderungen.

Neubauboom und Sanierungsoffensive
In stark wachsenden Ballungsräumen, allen voran Wien, steht eine große Zahl an Neu- und Erweiterungsbauten an, die ein dynamisches und vorausschauendes Agieren erfordern, um nicht nur den Bedarf zu decken, sondern auch zeitgemäße Quali­täten zu schaffen. Während der Fokus im Neubau auf innovativen räumlich-pädagogischen Konzepten und Organisationsmodellen liegt (z. B. Bildungscampus-Konzept der Stadt Wien), kommen für Gebäudeerweiterungen immer häufiger Modulbauweisen zum Einsatz, um rasch Raum schaffen zu können. Neue Technologien versuchen dabei, das ungeliebte Bild der „Containerschulen“ endlich aus den Köpfen zu vertreiben. Auf Großbaustellen in Deutschland werden bereits Produktionshallen eingerichtet, um Module vor Ort herstellen zu können und Transportwege zu sparen.

Auch in der thermischen Sanierung können vorgefertigte Modulelemente interessante, kostengünstige und ökologische Alternativen zum Vollwärmeschutz darstellen. Gleichzeitig müssen Sanierungsoffensiven reibungslos laufen, denn rund 80 Prozent der Baumaßnahmen im Bildungsbau betreffen Bestandsgebäude. Sowohl im Neubau als auch bei Sanierungen werden nachhaltige, ressourcen- und klimaschonende Technologien und eine hohe Energieeffizienz immer wichtiger.

Armin Knotzer vom Institut für nachhaltige Technologie betrachtete in diesem Zusammenhang das Thema Partizipation aus einer völlig neuen Sicht: Die Einbindung von Schülern in die energetische Sanierung biete die Chance, sie am konkreten Projekt für Themenbereiche wie Dekarbonisierung, Klimawandel, Lüftungsbewusstsein etc. zu sensibilisieren und an der Entwicklung von Konzepten aktiv mitwirken zu lassen.

Digitale Transformation
Rasch schreitet die Digitalisierung voran und die Geschwindigkeit dieser Transformation lässt den Bedarf an Ausstattung einer Bildungseinrichtung nur schwer voraussehen, die gerade am Beginn der Planung steht. Die Veränderungen betreffen dabei keineswegs nur die technischen Installationen, sondern bedeuten durch den veränderten Wissenserwerb auch einen Wandel für Raumkonzepte und Möblierung. Christian Kühn/TU Wien thematisierte die Zusammenhänge zwischen Bildungsbau und Bürobau, wo neue Arbeitswelten bereits vielerorts in die Raumkonzepte Einzug gehalten haben. Die Nachrüstung bestehender Standorte sei ein großes Aufgabengebiet der Digitalisierung.

Partizipation
Auch dem Thema Nutzerbeteiligung wurden zahlreiche Vorträge gewidmet. Karin Doberer, Geschäftsführerin der Firma Lernlandschaft in Franken/D, erzählte, dass in ihren Projekten – in Österreich z. B. die NMS Schwanenstadt – Ausstattung und Möblierung einen hohen Stellenwert einnehmen. Ihr ist es wichtig, eine Grundordnung zu schaffen, ohne die keine Flexibilität gelingt. Auch Michael Zinner/Kunstuniversität Linz würde sich wünschen, dass Bildungseinrichtungen einen Teil des Möbel­budgets zurückhalten und erst in den ersten Jahren nach der Besiedlung bewusst und gezielt einsetzen könnten.

Man war sich einig, dass Beteiligung nicht mit dem Architekturwettbewerb enden darf, sondern sich über den gesamten Planungsprozess bis hin zur Besiedelungsbegleitung – von Doberer auch als „Gebrauchsanweisung für Neues“ bezeichnet – erstrecken sollte. Um die Finanzierung und den erforderlichen Zeitrahmen für eine partizipative Projektbegleitung nachhaltig sicherzustellen, müsste diese als selbstverständliche Phase der Projektentwicklung angesehen werden. Denn nicht selten scheitert die Beauftragung von Beteiligungsprozessen an diesen beiden Faktoren.

Schule als lokales Zentrum
Ein weiterer Themenbereich betraf die Stadtteilfunktion von Bildungseinrichtungen. Als lokale Zentren mit Mehrfachnutzung können sie in ländlichen Regionen dem sogenannten „Donut-Effekt“ entgegenwirken, dem Aussterben der Ortskerne durch Abwanderung von Wohnen und Handel an die Peripherie. Das Zusammenwirken von mehreren Bildungseinrichtungen im Sinne von Bildungsclustern oder Bildungszentren stellt durch Synergienutzung einen Mehrwert für alle dar. Michael Zinner regte darüber hinaus die Fantasie an, auch andere Lernorte – „sinnliche Räume“ – zu finden und zu aktivieren. Orte außerhalb der Schule, die einen „bodenständigen“ Kontrast zur zunehmend digitalen Lern- und Lebenswelt der Kinder darstellen. So hat beispielsweise eine Südtiroler Gemeinde einen Bauernhof erworben, der nun als attraktiver Lernort mitgenutzt wird. Nicht nur eine interessante Erfahrung für die Kinder, sondern auch eine effektive Maßnahme gegen den ländlichen Leerstand und eine kostengünstige Lernraumbeschaffung.

Breiter Bogen
Karin Schwarz-Viechtbauer, Direktorin des ÖISS (Österreichisches Institut für Schul- und Sportstättenbau) als Kooperationspartner der Konferenz, referierte zum Thema „Entwicklungen im Bildungsbau“, wo sie Zukunftsfragen des Bildungsbaus aus Sicht des ÖISS beleuchtete – beispielsweise die Bewegungsförderung von Kindern und Jugend­lichen im Bildungsalltag oder die Herausforderungen, die in Zusammenhang mit dem Klimawandel auf die Planung zukommen (Raumklima, Vermeidung von Überwärmung etc.). 

Das Österreichische Institut für Schul- und Sportstättenbau (ÖISS) wurde 1964 gegründet und wirkt als Kompetenzzentrum für die Planung, den Bau und den Betrieb von Bildungseinrichtungen sowie Sport- und Bewegungsräumen in Österreich. Als Stiftung des Bundes und aller Bundesländer verfolgt das ÖISS das Ziel der Bündelung von Expertise und der Unterstützung im konkreten Anlassfall. Die Leistungen des ÖISS umfassen die Entwicklung von allgemeinen Grund­lagen, ÖISS-Richtlinien bzw. Normen. Die Beratung und Begutachtung von Einzelprojekten sowie die laufende Information der Fachöffentlichkeit leistet einen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung bei der Projektierung, der Planung, dem Bau, der Sanierung, der Erhaltung, Pflege und Wartung sowie im Schadensfall von Sport- und Bewegungsräumen sowie Bildungseinrichtungen.

Vertiefende Beratungen umfassen u. a. Standortanalysen, Beteiligungsverfahren, Raum- und Funktionsprogramme und Jurytätigkeiten. Bereits in der Wett­bewerbsphase ist es wichtig, die spezifischen funktionellen Anforderungen der Bauaufgabe zu beachten. Frühzeitige Beratungen des ÖISS helfen, die Planung effizienter zu gestalten. Mit der Begutachtung von Sportstätten wird das Ziel verfolgt, Zweckmäßigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit sowie Barrierefreiheit der Projekte sicherzustellen und damit für die Fördergeber und die Fördernehmer Projektsicherheit zu schaffen.

Informationen
​​​​​​​oeiss.org

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