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Quo vadis Einfamilienhaus?

Alle Fotos: © Sabine Weiß / Verlag Holzhausen
Alle Fotos: © Sabine Weiß / Verlag Holzhausen

Ist das Einfamilienhaus noch zeitgemäß? Wurde mit Blick auf Bodenverbrauch und CO2-Emissionen schon genug gebaut? Oder gibt es doch, mit einigem guten Willen aller Stakeholder, Konzepte und Wege, den Traum einer großen Zahl von Menschen vom Eigenheim in eine klimaneutrale Zukunft zu retten? Darüber diskutierten wir im architekturforum oberösterreich in Linz mit kompetenten Referenten und einem fachkundigen und interessierten Publikum.

von: Roland Kanfer

Ein paar Zahlen vorweg: In Österreich gibt es etwas mehr als vier Millionen Wohnein- heiten. 37 Prozent oder rund 1,5 Millionen davon sind Einfamilienhäuser. Im Bundesland Oberösterreich – und um dieses ging es in erster Linie bei der Veranstaltung – leben sogar 44 Prozent aller Menschen in einem Eigenheim mit einer durchschnittlichen Wohnfläche von 102 Quadratmetern. Auf der anderen Seite macht der Anteil der Einfamilienhäuser in Österreich an der zurzeit heftig diskutierten Bodenversiegelung lediglich 4 Prozent aus.

Eigenheim hat Zukunft

Das Einfamilienhaus (EFH) hat eine Zukunft, zeigte sich der Immobilienexperte Wolfgang Amann vom Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen zuversichtlich – unter drei Voraussetzungen: weniger Grundver- brauch, und das nur innerhalb bestehender Siedlungsgrenzen, sowie Beschränkung der Gebäudegröße. Derzeit laufe der Trend in die andere Richtung: Bis 2021 sei nicht nur die Zahl der Baubewilligungen in Österreich auf 21.000 gestiegen, sondern auch die Wohnflächen – auf bis zu 180 Quadratmeter.

Zu viel Boden verbraucht

Rudi Hemetsberger, Bürgermeister der Gemeinde Attersee und als Grüner Abgeordneter im oberösterreichischen Landtag für Raumordnung und Bauen zuständig, wies auf das Ziel der heimischen Nachhaltigkeitsstrategie hin, pro Tag nicht mehr als 2,5 Hektar Boden neu zu verbauen – ein Ziel, von dem wir laut Bundesumweltamt mit einem Durchschnittsverbrauch von täglich 11,3 Hektar meilenweit entfernt sind. Schon Oberösterreich alleine verbraucht nämlich 2,2 Hektar täglich, die Hälfte des oberösterreichischen Bodens sei als Bauland gewidmet.

Geht es in diesem Tempo weiter, würde Österreich wegen der kleiner werdenden Agrarflächen auch seine Ernährungssouveränität verlieren, brachte Hemetsberger einen eher unbeachteten Aspekt ein. Dass das EFH nicht verschwinden wird, aber kleiner werden müsse, diese Ansicht Amanns teilte auch der Atterseer Bürgermeister ebenso wie Johann Marchner, Geschäftsführer Wienerberger Österreich. Die Ziegelindustrie müsse einen Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung in Richtung Kreislaufwirtschaft, Dekarbonisierung und Dematerialisierung leisten, um dem Zuviel an Ressourcenverbrauch im Baubereich Einhalt zu gebieten und den Boden intelligent zu nutzen – Stichworte Biodiversität, Nachverdichtung, Revitalisierung.

Energieautarker Siedlungsbau

Maximilian Etzenberger, Eigentümer der ETZI­Group, sieht die Zukunft des Eigenheims im energieautarken Siedlungsbau
– den er in seinem Konzept Etzi­Energypark in den nächsten Jahren in Ober­ und Niederösterreich verwirklichen wird. Diese Parks, von denen sich neun in Planung befinden, sollen ein Mix aus idealerweise 50 Prozent Doppelhäusern, 25 Prozent Systemhäusern, 15 Prozent Bungalows und 10 Prozent „individueller Architektenhäuser“ werden. Wenig überraschend kam auch von Etzenberger ein Ja zur Zukunft des Einfamilienhauses, das allerdings mit klaren Vorgaben.

Intelligent umbauen

Zu wenige gute Alternativen zum EFH sieht hingegen der Architekt Gernot Hertl aus Steyr. Würden solche in guter Qualität entwickelt, wäre der Drang zum Eigenheim geringer, zeigte sich Hertl überzeugt. Für den Architekten steht die Standortfrage an erster Stelle, wenn es um nachhaltigen Wohnbau geht. Die Nutzung bestehender Infrastruktur, Mobilitätsreduktion und Nach- verdichtung seien die Instrumente. Ein Umbau mit Sanierung des Bestands sei nicht teurer als ein Neubau und überdies intelligent, weil damit bestehende Ressourcen und die im Altbestand gespeicherte graue Energie genutzt werden könnten. Als Beispiel sei Hertls Revitalisierung eines Bauernhofs in Garsten genannt, wo abgesehen vom alten Dach alles darunter neu gebaut wurde.

Mitdiskutierende im Publikum wie Rudolf Ecklmayr vom Österreichischen Ziegelverband, Ziegelproduzent Martin Leitl oder Alexander Steinkellner von Vaillant Österreich stimmten dem Fazit der Diskussionsveranstaltung zu: Grundstücke und Einfamilienhäuser müssen kleiner werden, Baubewilligungen außerhalb von bereits erschlossenen Zonen wird es keine mehr geben.


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