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Offene und transparente Schulen

kub a / © Marc Lorenz
Mitte Mai fand der Spatenstich für den Bildungscampus Aspern Nord statt (Entwurf: Karl und Bremhorst Architekten)
kub a / © Marc Lorenz

Mit dem Konzept „Campus plus“ setzt die Stadt Wien das Prinzip der gemeinsamen Schule der 6- bis 14-Jährigen um. Kindergarten, Schule und aktive Freizeitgestaltung sollen noch stärker vernetzt werden. Bis 2023 werden insgesamt neun „Campus plus“-Standorte realisiert.

Die Seestadt Aspern im 22. Wiener Gemeindebezirk ist eines der größten Stadt­entwicklungsgebiete Europas. Nun erhält auch der nördliche Teil der Seestadt einen eigenen Bildungscampus mit Platz für rund 1400 Schülerinnen und Schüler. Am 17. Mai fand der Spatenstich für den Bildungscampus Aspern Nord am Standort Sonnenallee in der Seestadt statt. Dieser „Campus plus“ wird nach einem Entwurf von Karl und Bremhorst Architekten von der Bietergemeinschaft HYPO NOE Leasing GmbH & STRABAG Real Estate GmbH realisiert.

Das Architekturbüro aus Wien gewann 2017 das von der Stadt Wien ausgelobte Verhandlungsverfahren mit einem Projekt, das durch eine versetzte Dreiteilung des Baukörpers neben differenzierten Freiräumen eine klare Teilung der Funktionen im Inneren der Schule schafft. Im zentralen Gebäudeteil befinden sich der Eingangsbereich sowie gemeinschaftlich genutzte Bereiche. In den seitlichen Gebäudeteilen sind die Bildungsbereiche in Clusterverbänden untergebracht. Mit rückspringenden Geschoßen und umlaufenden Balkonen entstehen in allen Geschoßen gut nutzbare Dachterrassen und Lauben unterschiedlicher Größen und Atmosphären. Das Jugendzentrum befindet sich als Solitär am nordwestlichen Teil des Grundstücks. Ein ausgefeiltes Energiekonzept sieht ein annähernd wartungsfreies System vor, welches mithilfe von Sonnenenergie, Windenergie, Erdwärme und Speichermasse ein nahezu energieautarkes Gebäude schafft. Auch die begrünte Fassade trägt mit ausgezeichneten bau- und umweltklimatischen Eigenschaften zu einem außerordentlichen Bauprojekt in der Seestadt bei.

Neue Wege bei Bildungseinrichtungen
Der Bildungscampus Aspern Nord ist einer von neun geplanten „Campus plus“-Standorten, die bis 2023 in Wien realisiert werden sollen. Mit diesem Campusmodell geht die Stadt Wien neue Wege beim Bau von Bildungseinrichtungen. Kindergarten, Schule und aktive Freizeitgestaltung sollen noch stärker vernetzt werden: Die gruppen- und klassenübergreifende Zusammenarbeit wird gestärkt, das Angebot der multifunktionalen Bereiche besser genutzt. Kinder von sechs bis vierzehn Jahren werden am Campus plus gemeinsam den Tag verbringen können, wodurch ein besserer sozialer Austausch ermöglicht wird. Jeweils vier Schulklassen und zwei Kindergartengruppen werden in einem Stockwerk zusammengefasst. Eingeplant werden dabei auch mehrere multifunktionale Räume. Die Kinder halten sich dabei nicht ausschließlich in „ihrem“ Klassen- oder Gruppenraum auf, sondern können sich frei bewegen und beispielsweise selbstständig eine andere Gruppe besuchen oder das Angebot des multifunktionalen Bereiches nutzen.

Bildungscampus Nordbahnhof
Der Bildungscampus „Christine Nöstlinger“ am Nordbahnhof, der im Herbst 2020 in Betrieb gehen wird, ist nach dem Bildungscampus Friedrich Fexer (Attemsgasse in Wien-Donaustadt) und dem Bildungscampus Berresgasse das dritte in Bau befindliche „Campus plus“-Projekt. Das nach den Plänen des Architekturbüros Klammer*Zeleny aus Wien entworfene Schulgebäude im Bereich Schweidlgasse / Bruno-Marek-Allee / Leystraße (siehe auch die Wettbewerbsdokumentation in Ausgabe 4/2016 – 327) orientiert sich mit seinem Haupteingang zum verkehrsberuhigten Teil der Taborstraße (Eckbereich Bruno-Marek-Allee) und zur „neuen Mitte“. Der Vorplatz des Campus dient dabei nicht ausschließlich als Erschließungsbereich, sondern auch dem Quartier als öffentlich nutzbares Feld.

In den drei Gebäudearmen, den „Blütenblättern“, sind die Bildungsbereiche untergebracht, die durch die gemeinschaftlich genutzten Funktionen miteinander verwoben sind. Durch den dreiarmig strukturierten Baukörper („die Campus Blume“) wird dieser für Kinder überschaubar und stellt trotz seiner Dimension einen städtebaulichen Mehrwert dar. Über drei Stiegen sind die je drei „Biber“ (zwischen Kindergarten und Volksschule durchmischte Bildungsbereiche) pro Geschoß erreichbar. Die Orientierung ist klar und wird durch differenzierte Raumgrenzen unterstützt. Die Bildungsräume der „Biber“ sind um einen zentralen Multifunktionsraum angeordnet.

Bildungscampus Deutschordenstraße
Ebenfalls in Bau befindet sich der Bildungscampus Deutschordenstraße, der ab Herbst 2022 für rund 1100 Kinder und Jugendliche in Betrieb gehen wird. Das Bildungsangebot umfasst zwölf Kindergartengruppen, eine 29-klassige Ganztagsschule, zu der Volks- und Mittelschule, vier sonderpädagogische Bildungsräume, zwei Turnsäle, ein Gymnastiksaal sowie eine Musikschule gehören. Den offenen Realisierungswettbewerb hatte im März 2018 das Architekturbüro Shibukawa Eder aus Wien gewonnen. Der Entwurf sieht einen einfachen, klaren, nach Süden terrassierten Baukörper vor, der sich zweigeschoßig abtreppt. Jede zweite Ebene verfügt über eine großzügige Terrasse. Das Zentrum formiert sich um eine Terrassierung, die mit Speisesälen und Kreativbereichen die Kommunikation fördert. Der Vorplatz gliedert sich in zwei Hauptebenen, von denen aus der Campus erschlossen wird, um die topografischen Verhältnisse bestmöglich in das Gesamtkonzept des Bildungscampus zu integrieren. Insgesamt gibt es zwei Hauptzugänge, die über einen Luftraum miteinander verbunden sind. Über einen großzügigen, klaren und einfach orientierbaren Eingang gelangt man in das zweigeschoßige Foyer. Von dort aus erschließen zwei klare, gut auffindbare Stiegen­hauskerne das Campusgebäude vertikal. Diese Kerne sind immer unmittelbar an die „Biber“ und sonstige Kreativ­räume oder an die Speisesäle direkt an­geschlossen.

Informationen
bildung.wien.at
schulbau.wien.at

Bildungscampus plus
Alle bis 2023 geplanten Campus-Standorte in Wien werden nach dem „Campus plus“-Konzept umgesetzt. Bei diesem Konzept werden jeweils vier Schulklassen und zwei Kindergartengruppen zu Bildungsbereichen, sogenannten Clustern, mit multifunktionalen Räumen zusammengefasst.
Die Kinder halten sich dabei nicht ausschließlich in ihrem Klassen- oder Gruppenraum auf, sondern können sich frei bewegen und beispielsweise selbstständig eine andere Gruppe besuchen oder das Angebot des multifunktionalen Bereiches nutzen. Des Weiteren soll in den Bildungsbereichen auch eine Sondergruppe beziehungsweise -klasse (Vorschule, heilpädagogische Gruppe oder basale Klasse) untergebracht sein. Kinder im Alter von null bis zehn Jahren verbringen dort den Tag miteinander. Ein „Campus plus“ beherbergt im Regelfall bis zu vier derartige Bereiche, also insgesamt 21 Schulklassen und 12 Kindergartengruppen, für rund 700 Kinder.

Alle Bildungsbereiche werden möglichst offen und transparent gestaltet. Die Zusammenarbeit der Gruppen untereinander soll durch Verbindungen der Räume sowie durch Sichtverbindungen gezielt gefördert werden. Das Raumangebot muss verschiedenste Arten des Lernens in kleinen und größeren Gruppen, Rückzugsmöglichkeiten sowie Freizeitgestaltung ermöglichen. Darüber hinaus sollen auch die Mahlzeiten in einer Bildungseinheit gemeinsam eingenommen werden können.

14 Campus-Standorte bis 2023 fertig
Wien hat insgesamt sechs fertiggestellte Bildungscampus-Standorte (Monte Laa in Favoriten, Gertrude Fröhlich-Sandner in der Leopoldstadt, Donaufeld in Floridsdorf, Sonnwendviertel in Favoriten sowie den Campus Seestadt Aspern und Campus Friedrich Fexer in der Donaustadt), acht weitere sind derzeit in Bau bzw. Planung (Aspern Nord, Berresgasse, Nordbahnhof, Aaron Menczer in der Landstraße, Atzgersdorf, Landgutgasse und Deutschordenstraße).

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