337 Naturstein

Ökologie im Steinbruch

© Richard Watzke
Innerhalb weniger Jahre entfaltet sich eine reiche Vegetation in stillgelegten Arealen.
© Richard Watzke

Steinbrüche sind künstliche Eingriffe in die Landschaft und zugleich wertvolle Refugien für seltene und bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Für die Natursteingewinnung gelten strenge Auflagen. Der Abbau der Rohblöcke erfolgt ressourcenschonend und mit geringem Energieaufwand.

von: Richard Watzke

Ein schonender Umgang mit dem Rohmaterial ist oberstes Gebot in Werksteinbrüchen. Anstelle großflächiger Sprengungen zerteilen diamantbestückte Werkzeuge das wertvolle Gestein. Das Ziel sind Blöcke, die sich für die Weiterverarbeitung auf Sägegattern oder Seilsägen in Natursteinwerken eignen. Die Abbaumethode richtet sich nach den Eigenschaften des Gesteins und der Beschaffenheit der Lagerstätte. Beim Abbau von Hartgesteinen mit natürlichen Klüften im rohen Fels werden die Blöcke durch Reihenbohrungen und mit sanften, niedrig dosierten Sprengladungen gelöst. Ist das Vorkommen ausreichend kompakt, werden zunächst große Wände mit der Diamantseilsäge geschnitten und anschließend in transportfähige, rechteckige Blöcke zerteilt.

Bei der Gewinnung von Weichgesteinen wie Marmor oder Kalkstein ist das Prinzip ähnlich: Zuerst wird mit der sogenannten Schrämmsäge ein horizontaler Schnitt auf Höhe der Bruchsohle eingebracht und anschließend die Wand mit dem Diamantseil gelöst. Beim Umlegen auf ein vorbereitetes Bett aus Abraum zerfällt die Wand in kleinere Teile. Stücke, die intakt bleiben, sind „gesund“ in der Sprache der Steinmetze und können zunächst mit Seilsägen oder Sägegattern und später auf Kreissägen in die unterschiedlichsten Werkstücke weiterverarbeitet werden. Material, das dafür nicht kompakt genug ist, findet Verwendung im Wasserbau, in der Garten- und Landschaftsgestaltung oder wird zerkleinert als Edelsplitt. Bestimmte Sorten werden sogar als zermahlener Zuschlagstoff in der pharmazeutischen Industrie eingesetzt.

Vielfältige Lebensräume

Mit ihren hoch aufragenden Felswänden wirken Steinbrüche auf den ersten Blick kahl und unbelebt. Tatsächlich ist die vermeintlich lebensfeindliche Welt aus Bruchwänden, Geröllhalden und Fahrspuren von schwerem Gerät ein wertvoller Zufluchtsort für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Studien verschiedener Umweltschutzorganisationen charakterisieren Stein­brüche daher als Areale mit einer hohen Vielfalt unterschiedlichster Lebensräume, einschließlich extremer Standorte wie Spalten an senkrechten Felswänden. Genau solche Bedingungen erfüllen die Ansprüche seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. Felsenbrüter wie Mauerläufer, Felsenschwalbe und verschiedene Falkenarten finden entlang der Bruchwände geschützte Brutstandorte. Wärmeliebende Reptilienarten wie Schlingnatter und Zauneidechse finden zwischen Steinblöcken und vegetationsfreien Steinhaufen Unterschlupf. Bedrohte Amphibienarten profitieren von Tümpeln als Laichplätze. Wertvoll ist jedoch nicht nur die aufgehende Felswand, sondern auch der flache, humusarme Boden. Zahlreiche Flechten, Moose und Blütenpflanzen profitieren von nährstoffarmen Be­reichen innerhalb der Bruchsohlen. Ein bedeutender Lebensraumtyp für den Arten- und Naturschutz sind Blockhalden. Auf den gesägten oder spaltrauen Steinflächen entwickeln sich reiche Moos- und Flechtenfloren.

Umfassende gesetzliche Vorgaben
Beim Abbau in Steinbrüchen ist in Österreich als Bundesgesetz zunächst das Mineralrohstoffgesetz, vormals Berggesetz, zu befolgen. Muss Wald gerodet werden, ist das Forstgesetz relevant. Bei Änderungen des Grundwassers oder von Oberflächengewässern ist das Wasserrechtsgesetz zu beachten. Die Vorgaben im jeweiligen Naturschutzgesetz als Ländersache sind ebenfalls einzuhalten. Ein Bergbaubetrieb ist nach bergbehördlich zugelassenen Betriebsplänen zu führen. Im Zuge des Bewilligungsverfahrens muss der Betreiber eine Bestandsaufnahme durchführen. Schon in diesem Verfahren legt die Montanbehörde fest, wie das Gelände nach dem Rohstoffabbau gestaltet werden soll und welche Folgenutzung in Frage kommt. Üblich für Werksteinbrüche ist die Renaturierung, bei der die Abbaustelle sich weitgehend selbst überlassen wird. Ohne Zutun des Menschen erobert sich die Natur den Ort zurück. Diese Form wird als „natürliche Sukzession“ beschrieben, beispielsweise die Wiederbesiedlung von Gesteinshalden. Besonders schnell erholt sich die Natur auf Abraumhalden. Innerhalb weniger Jahre wachsen dort bereits wieder Bäume.


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