356 Naturstein

Neuer Glanz für die Hofburg

Alle Bilder © Richard Watzke
Der noch nicht sanierte östliche Fassaden­abschnitt zeigt Verschmutzungen, Fehlstellen und Kriegsschäden.
Alle Bilder © Richard Watzke

Bei der erstmaligen Sanierung eines Fassadenabschnittes der Neuen Burg wurden sämtliche Steine schonend gereinigt, Fehlstellen ergänzt und Kriegsschäden behoben. Seit Vollendung der Arbeiten kommen die feinen Details der Bauzier eindrucksvoll zur Geltung.

Als Teil des von Gottfried Semper konzipierten, aber nie realisierten Kaiserforums bildet die sogenannte Neue Burg den ­südlichen Abschluss der Wiener Hofburg. Begonnen wurde der monumentale Bau zwischen Heldenplatz, Burggarten und Burg­ring im Jahr 1881 unter der Leitung von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer, finanzielle Engpässe und mehrmalige Wechsel der Bauleitung verzögerten die Fertigstellung jedoch bis 1913. Heute sind in dem Gebäude Teile der Österreichischen Nationalbibliothek und Sammlungen des Kunsthistorischen Museums untergebracht.
Die viergeschoßige, insgesamt 170 ­Meter breite Palastfassade im Stil der Neorenaissance ist auf den Burggarten ausgerichtet. Als markante Gliederungselemente treten ein Mittelrisalit sowie zwei Eckrisalite aus der Fassadenfläche hervor. Die beiden davon eingefassten Abschnitte werden durch jeweils neun Fensterachsen strukturiert, die im Bereich des Erdgeschoßes einen Wechsel zwischen Bogenstellungen mit Serliana-Motiv und Dreiecksgiebeln zeigen. Während die beiden unteren Geschoße kräftig rustizierte Mauerflächen aufweisen, zieren die beiden oberen Geschoße glatte Mauerflächen und Fensterumrahmungen mit Rund- und Dreiecksgiebeln.

Erstmalige Sanierung nach dem Krieg
Das ursprüngliche Erscheinungsbild der steinsichtigen Fassade war durch die Verwendung zweier in Farbe und Textur sehr ähnlicher Kalksteine aus Lagerstätten in Marzana, Istrien, sowie von der Insel Brač in Kroatien hell und beinahe monochrom. Vor Beginn der Sanierung 2018 zeigte sich die seit dem Krieg noch nie sanierte Fassade stark verschmutzt und geschwärzt. Über die gesamte Fläche verteilten sich kleinere Fehlstellen und Ausbrüche an den Mauerflächen und der Bauzier, hervorgerufen durch natürliche Auslöser wie Verwitterung und thermische Ausdehnung. Darüber hinaus waren Splittertreffer und Einschusslöcher infolge der Kriegshandlungen am Ende des Zweiten Weltkriegs vorhanden.
Das denkmalpflegerische Konzept für den Fassadenabschnitt zwischen Mittel­risalit und westlichem Eckrisalit sah die Wieder­herstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes vor. Dazu wurde der gesamte Fassadenteil im ­Niederdruck-­Sandstrahlverfahren gereinigt und die ­Festigkeit einzel­ner Steinpartien mittels Bohrwiderstandsmessungen geprüft. ­Insgesamt zeigte sich die Natursteinfassade in gutem Zustand. Kleinere Fehlstellen, Ausbrüche und Witterungsschäden wurden mit Stein­ergänzungsmörtel geschlossen, schadhafte Fugenabschnitte schonend erneuert und Fehlstellen an den Ornamenten und dem Figurenschmuck mit Restauriermörtel und Vierungen ergänzt. Zur Behebung von Schäden an Architekturelementen kamen in traditioneller Steinmetzmanier Vierungen zum Einsatz.

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