Naturstein

Neuer Glanz für die Hofburg

© Richard Watzke
© Richard Watzke

Bei der erstmaligen Sanierung eines Fassadenabschnittes der Neuen Burg wurden sämtliche Steine schonend gereinigt, Fehlstellen ergänzt und Kriegsschäden behoben. Seit Vollendung der Arbeiten kommen die feinen Details der Bauzier eindrucksvoll zur Geltung.

von: Richard Watzke

Als Teil des von Gottfried Semper konzipierten, aber nie realisierten Kaiserforums bildet die sogenannte Neue Burg den ­südlichen Abschluss der Wiener Hofburg. Begonnen wurde der monumentale Bau zwischen Heldenplatz, Burggarten und Burgring im Jahr 1881 unter der Leitung von Gottfried Semper und Carl von Hasenauer, finanzielle Engpässe und mehrmalige Wechsel der Bauleitung verzögerten die Fertigstellung jedoch bis 1913. Heute sind in dem Gebäude Teile der Österreichischen Nationalbibliothek und Sammlungen des Kunsthistorischen Museums untergebracht.

Die viergeschoßige, insgesamt 170 ­Meter breite Palastfassade im Stil der Neorenaissance ist auf den Burggarten ausgerichtet. Als markante Gliederungselemente treten ein Mittelrisalit sowie zwei Eckrisalite aus der Fassadenfläche hervor. Die beiden davon eingefassten Abschnitte werden durch jeweils neun Fensterachsen strukturiert, die im Bereich des Erdgeschoßes einen Wechsel zwischen Bogenstellungen mit Serliana-Motiv und Dreiecksgiebeln zeigen. Während die beiden unteren Geschoße kräftig rustizierte Mauerflächen aufweisen, zeichnen sich die beiden oberen Geschoße durch glatte Mauerflächen und Fensterumrahmungen mit Rund- und Dreiecksgiebeln aus.

Erstmalige Sanierung nach dem Krieg
Das ursprüngliche Erscheinungsbild der steinsichtigen Fassade war durch die Verwendung zweier in Farbe und Textur sehr ähnlicher Kalksteine aus Lagerstätten in Marzana, Istrien, sowie von der Insel Brač in Kroatien hell und beinahe monochrom. Vor Beginn der Sanierung 2018 zeigte sich die seit dem Krieg noch nie sanierte Fassade stark verschmutzt und geschwärzt. Über die gesamte Fläche verteilten sich kleinere Fehlstellen und Ausbrüche an den Mauerflächen und der Bauzier, hervorgerufen durch natürliche Auslöser wie Verwitterung und thermische Ausdehnung von Werkstücken. Darüber hinaus waren Splittertreffer und Einschusslöcher infolge der Kriegshandlungen am Ende des Zweiten Weltkriegs vorhanden.

Das denkmalpflegerische Konzept für den Fassadenabschnitt zwischen Mittelrisalit und westlichem Eckrisalit sah die Wiederherstellung des ursprünglichen Erscheinungsbildes vor. Dazu wurde der gesamte Fassadenteil im ­Niederdruck-­Sandstrahlverfahren gereinigt und die ­Festigkeit einzelner Steinpartien mittels Bohrwiderstandsmessungen geprüft. ­Insgesamt zeigte sich die Natursteinfassade in gutem Zustand. Kleinere Fehlstellen, Ausbrüche und Witterungsschäden wurden mit Steinergänzungsmörtel geschlossen, schadhafte Fugenabschnitte schonend erneuert und Fehlstellen an den Ornamenten und dem Figurenschmuck mit Restauriermörtel und Vierungen ergänzt. Zur Behebung von Schäden an Architekturelementen kamen in traditioneller Steinmetzmanier Vierungen zum Einsatz.

Projekt
Sanierung eines Fassadenabschnitts der Neuen Burg, Wien

Bauherr
Burghauptmannschaft Österreich, Abteilung 303, 1010 Wien

Natursteinarbeiten
Schreiber & Partner Natursteine GmbH, 2170 Poysdorf
sp-natursteine.at

Der Artikel als PDF


© Richard Watzke

Die Sanierung von Fassaden aus Naturstein ist eine wesentliche Aufgabe der Denkmalpflege. Neben fachlichen Fragen zur Erhaltung und Pflege gilt es…

Weiterlesen
© Behnisch Architekten. Foto: David Matthiessen

adidas World of Sports ARENA / Behnisch Architekten

Weiterlesen
© Guenter R. Wett

Ingenieurskunst und architektonische Ausdrucksstärke sind die Kriterien für den Österreichischen Stahlbaupreis. In der Kategorie Hochbau wurde heuer…

Weiterlesen
© TIGER Coatings GmbH & Co.KG

Tiger Coatings GSC, Wels / Karl und Bremhorst Architekten

Weiterlesen
© Otto Chemie
metalljournal.at Metall-Bau

Vom Fenster zur Fassade

Fenster in großen Formaten, die zusätzlich eine teilweise Aussteifung von Gebäuden beinhalten und schnell zu montieren sind, eröffnen neue…

Weiterlesen
© CA Immo AG

Wenn auf die Glasfassade zu viel Licht trifft, kann sie mit Spezialglas die Tönung verändern. Intelligente Fassadentemperierung mit Glas geht auch.

Weiterlesen
© iStock sborisov

Architektur verändert sich. Alleine die Umweltproblematik stellt sie vor nie dagewesene Herausforderungen und zwingt zum Umdenken. In Zeiten des…

Weiterlesen
© Hertha Hurnaus

Die Drei Schwestern, Wien / Clemens Kirsch Architektur

Weiterlesen
© Henrik Stenberg
Interior Design

Klasse statt Masse

Die Hotellerie setzt immer mehr auf gutes Design, ausgezeichnete Qualität und extravagante Details. Denn es wird immer schwieriger, den Gast von heute…

Weiterlesen
© Danica O. Kus
Produkte & Systeme

Eine Blume in der Wüste

National Museum Katar, Doha / Ateliers Jean Nouvel

Weiterlesen

Termine

In norwegischen Landschaften

Datum: 14. September 2019 bis 19. Januar 2020
Ort: Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main

Analoge Techniken für digitale Prozesse

Datum: 14. November 2019
Ort: Thirtyfive - on top of Vienna! Myhive Twin towers | Hertha-Firnberg-Str. 8 | Ecke Maria-Kuhn-Gasse | 1100 Wien

Boutique-Messe „HAUS UND WOHNEN“

Datum: 15. November 2019 bis 17. November 2019
Ort: Design Center Linz, Europaplatz 1, 4020 Linz

Mehr Termine

Sonderausgabe: Immobilien 2018

LESEN

METALL + GLAS 2019

LESEN

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten