350 Editorial

Neue Blickwinkel

© Raphael Kanfer
© Raphael Kanfer

„Nachher wird nichts wie vorher sein“ – unter diesem Motto tauschten sich vor wenigen Wochen junge Architektinnen und Architekten in einer von der IG Architektur veranstalteten Diskussion aus – online natürlich.

von: Roland Kanfer

Denn zu dieser Zeit hatte uns der Corona-bedingte Lockdown noch voll im Griff. Wir alle saßen im Homeoffice und lernten die Vor- und Nachteile des Arbeitens von zu Hause aus kennen. Dass die Erfahrungen durchaus ambivalent sind, zeigt eine Umfrage unter 1000 Ziviltechnikern in Österreich. Rund drei Viertel meinten ein Sinken der Arbeitsleistung im Homeoffice zu verzeichnen – gleichzeitig sehen zwei Drittel derselben Befragten Effektivitätsgewinne durch die Verlagerung von Besprechungen in den Cyberraum. Wir lieben und wir hassen also das Arbeiten zu Hause. In jedem Fall wird der Lockdown eines bewirken: Die Digitalisierung der Kommunikation wird einen kräftigen Schub bekommen. Nicht für jede Besprechung muss man einander physisch treffen. Onlinetools wie Zoom erlauben auch die Präsentation von Unterlagen, Ideen können im gemeinsamen kreativen Prozess via Online-Whiteboard von überall aus weitergetrieben werden.

Nun kehren wir also, ausgestattet mit neuen Erfahrungen, langsam wieder ins vorher übliche Leben zurück. Für die Bauwirtschaft bedeutet das: Baustellen haben wieder ihren Betrieb aufgenommen, Bauverhandlungen werden wieder abgehalten. Wie sich der Baustopp auf den Wohnbau auswirken wird, lässt sich noch nicht genau beziffern. Die für den sozialen Wohnbau zuständigen gemeinnützigen Bauvereinigungen jedenfalls scheinen voller Taten­drang zu sein, um den dringend benötigten Wohnraum zur Verfügung stellen zu können.

Einblicke in die Bauwelt
Das Stichwort Bauwirtschaft bringt uns zu einem Hinweis in eigener Sache: Das ­ARCHITEKTURJOURNAL WETTBEWERBE verändert seine Struktur ein wenig. In den bewährten Bogen unserer Berichterstattung – vom Wettbewerbsergebnis zum realisierten Projekt – fügen wir mit der Rubrik „Bauwelt“ ein zusätzliches Element ein. Reportagen von in Bau befindlichen Projekten sollen den Fokus auf die Umsetzung von Entwürfen lenken – und damit den Architekturschaffenden Feedback von der Baustelle bieten. In Kurzform werden wir hier Aktuelles aus der Bau- und Wohnwirtschaft berichten, Innovationen in den Bereichen Bauen, Baustoffe, Forschung vorstellen und wichtige Player aus diesen Bereichen zu Wort kommen lassen. Wie etwa in dieser Ausgabe Vertreter der Wohnbauforschung über die mangelnde Sanierungsfreudigkeit in Österreich.

Ziel der erweiterten Blattlinie ist die Darstellung des Baugeschehens und der Architektur aus verschiedenen Blickwinkeln – nicht nur jenem der Architekten, sondern auch der Bauwirtschaft und der Nutzer. Letztere werden ebenfalls zu Wort kommen und über ihre Erfahrungen als Bewohner, Betreiber oder Verwalter berichten.

Ein aufgefrischtes Konzept braucht natürlich auch eine frische Aufmachung. Wie Sie sicher bemerkt haben, wurde auch die Covergestaltung einem sanften Redesign unterzogen. Wir räumen damit der Sprache der Bilder noch mehr Platz ein.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen beim Lesen – und: Bleiben Sie gesund!

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