342 Naturstein

Naturstein ist Vertrauenssache

Foto: Steinmetzmeister Steller
Schlichte Eleganz: Küchenarbeitsplatte aus beflammtem und gebürstetem Nero Assoluto, Boden­belag aus bruchrauem Gneis im wilden Römischer Verband.
Foto: Steinmetzmeister Steller

Richard Watzke im Gespräch mit Steinmetzmeister Dietmar Steller aus Wels, Oberösterreich

von: Richard Watzke

Wo überall wird Naturstein im Wohn­bereich eingesetzt?
Grundsätzlich lässt sich Naturstein äußerst vielseitig in jedem Wohnbereich einsetzen. Unsere Ausführungen reichen im Innenbereich vom Schlafzimmer über Bad und Küche bis hin zum Wellnessbereich einschließlich Sauna. Im Außenbereich ist die Anwendungsvielfalt ebenfalls groß und umfasst Terrassen, Flächen rund um Schwimmbäder und die Gestaltung von Gärten, die im Sommer zunehmend als erweiterter Wohnbereich genutzt werden. Es kommt aber nicht darauf an, möglichst viel Naturstein zu verwenden, sondern ihn dort einzusetzen, wo er seine Wirkung und Funktion in der Gesamtplanung des Architekten optimal zur Geltung bringen und das Gefühl von Natürlichkeit mit seinen hervorragenden Eigenschaften als Natur-Baustoff vermitteln kann.

Welche Anforderungen stellen Architekten und Bauherren an Material und Oberfläche?
Im Idealfall kommen Architekten rechtzeitig vor Beginn der Planungsphase auf uns zu, um Materialien auszuwählen, die zum optischen und haptischen Konzept des Objektes passen. Oft auch haben sich Auftraggeber bereits im Internet umgesehen und kommen mit Vorstellungen zu uns, die nach einer fachlichen und erfahrungsreichen Beratung ein ganz anderes Material ergeben. Wichtig ist vor allem, die Anforderungen an den Naturstein mit der Nutzungsart und Lebensweise des Kunden in Einklang zu bringen. Dabei soll das gewählte Material den Kunden nicht in seiner Lebensweise einschränken, sondern vielmehr das Wohlbefinden in den Vordergrund stellen und Natürlichkeit vermitteln. Nehmen wir das Beispiel Bad: Einem Kunden, der das Bad unmittelbar nach dem Duschen verlässt und für ein paar Handgriffe zur Reinigung und Pflege des Natursteines keine Zeit hat, raten wir zu einem unempfindlichen Naturstein mit pflegeleichter Oberfläche. Auf der anderen Seite kann es durchaus gewünscht sein, dass der Naturstein durch die tagtägliche Beanspruchung lebendig wirkt und Patina bekommt, wie beispielsweise Solnhofer Platten in stark frequentierten Räumen zeigen.  

Welche Natursteine sind im Trend?
Naturstein als Baustoff ist immer gefragt. Trends innerhalb der großen Materialvielfalt sind der jeweiligen Architektur geschuldet. Bei Küchenarbeitsplatten waren in den letzten Jahren vorwiegend schwarze und dunkle Farben gefragt, die sich jetzt zum Klassiker entwickeln. Aktuell sind Grau- und Brauntöne mit ruhiger Struktur beliebt. Warme Beige- und Brauntöne mit homogenen Strukturen werden auch bei großzügigen Flächen an Böden und Wänden sehr viel verwendet. Akzente setzen wir durch kontrastreiche und farbige Steine, hierbei kommen die heimischen Materialen Sölker Marmor oder Chloritschiefer gut zur Geltung. Ein Trend im traditionellen Wohnbau sind nach wie vor Natursteine aus der Region des Wohnsitzes oder aus der Gegend, in der die Kunden aufgewachsen sind. Wer fest im Innviertel verwurzelt ist und Granit wünscht, entscheidet sich mit großer Wahrscheinlichkeit für einen Schärdinger Granit. In Tirol oder in Salzburg sieht das im traditionellen Wohnbau wieder ganz anders aus.

Gibt es „Granit“- und „Marmor“-Typen bei den Auftraggebern?
Eine Typisierung von Auftraggebern möchte ich nicht vornehmen. Fast alle Kunden haben aber eine tendenzielle Vorliebe zu gewissen Materialarten. Dies spiegelt sich im Einrichtungsstil und der Lebensart wider und kann zwischen dem Hauptwohnsitz und dem Feriendomizil, der Wohnung, dem Garten und dem Wellnessbereich unterschiedlich sein. So darf eine Gestaltung bei Kunden, die eine geradlinige Architektur und zurückhaltende Materialien im Wohnbereich vorziehen, andernorts durchaus rustikal sein. Wer am Tag mit Sakko und Krawatte seine Arbeit verrichtet und am Feierabend mit Anzug und Fliege auf einen Ball geht, kann am nächsten Morgen leger am Frühstückstisch sitzen und auch so das Wochenende verbringen.

Wie wichtig sind ökologische Argumente?
Da Naturstein in der Vorstellung der Kunden als sehr schwer, aber auch als körperlich anstrengend bei der Gewinnung gilt, wird sehr oft nach ökologischen und ethischen Belangen gefragt. Diese sind sowohl unseren Kunden als auch mir persönlich sehr wichtig. Österreichische und europäische Natursteine haben hier einen klaren Vorteil durch kurze Transportwege und gesetzlich streng geregelte Standards. Man darf sich aber dem Markt und den Ansprüchen von Auftraggebern nicht verschließen und muss auch die Kirche im Dorf lassen, wenn Steine in fernen Ländern verarbeitet und von dort importiert werden. Dabei ist es jedoch wichtig, genau hinzuschauen, woher der Naturstein stammt. Ich kenne keine Steinbrüche oder Verarbeitungsbetriebe, in denen nicht Mindeststandards eingehalten werden. Ohne diese könnten Firmen im internationalen Wettbewerb, in dem der Kunde verstärkt auf soziale Aspekte achtet, nicht mehr bestehen.

Welche Vorteile bietet die Zusammen­arbeit mit VÖN-Fachbetrieben für Architekten und Auftraggeber?
Bei der VÖN handelt es sich um eine Werbegemeinschaft, die ursprünglich von Naturstein abbauenden Betrieben gegründet wurde, um heimischen Naturstein am Markt zu repräsentieren. Heute sind auch reine Verarbeiter wie wir Teil der VÖN. Als ehemaliger Betreiber eigener Steinbrüche haben wir Naturstein im Blut und sind mit allen Belangen von Naturstein vertraut, von der Abbaustelle bis zum hochwertig verarbeiteten Produkt. Die DNA der VÖN-Mitgliedsbetriebe hebt sich vom Markt durch ihren Anspruch an die Verarbeitung, Qualität und das umfangreiche Wissen rund um den Stein ab. Architekten und Auftraggeber profitieren davon. In der VÖN gibt es keinen Betrieb, der seine Kompetenzen überschätzt. Das gibt Sicherheit in der Qualität der Planung, Verarbeitung und kompetenten Umsetzung.

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Alle Fotos: © Richard Watzke

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