358 Naturstein

Naturstein ist ein Gottes­geschenk

© Galleria dell'Accademia/Florenz
Die Einzigartigkeit des David von Michelangelo begeistert die Menschen heute noch.
© Galleria dell'Accademia/Florenz

Ludwig Wittgenstein sagte: Architektur verewigt und ver­herrlicht etwas. Darum kann es Architektur nicht geben, wo nichts zu verherrlichen ist.

von: Reinhard Bimashofer

Wenn die richtigen Elemente unter großem Druck zusammenkommen, dann entsteht eine Katastrophe oder positivst Faszinierendes: Etwa Naturstein, Marmor, gar Edelsteine. Wahre Schätze unseres Universums. In unvorstellbar langen Zeiträumen gereift.
Etwa beim Sölker Marmor sind es 380 Millionen Jahre. Entstanden ist er aus Kalkablagerungen diverser Fossilien und Kleintiere aus dem Urmeer. In der heutigen Steiermark wird er gewonnen. So wie andere hochwertige Natursteine, ein paar Millionen Jahre jünger oder sogar älter, in Österreich.
Jeder Zentimeter ein Unikat, Natur pur, sogar im Lebensmittelbereich verwendbar, schonend abgebaut, langlebig und vor allem so schön! In der Langzeitbetrachtung ist Naturstein sogar günstiger als vergleichbare künstliche Baustoffe. Es hilft, die CO2-Belastung von Bauvorhaben erheblich zu reduzieren, wenn der Naturstein aus Österreich kommt.
Natur steht für Langlebigkeit und eine ganzheitlich zelebrierte Architektur. Ein Beispiel gefällig? Hochhäuser mit Steinfassade kommen auf einen jährlichen Energiebedarf von 100 bis 150 kWh/m2. Die hochgezogenen Glasfassaden haben einen bis zu siebenfachen Energiebedarf pro Quadratmeter. Das ist fernab aller Nachhaltigkeitsziele, unverantwortlich und kurzsichtige Wertvernichtung. Ein Freund von mir will seine Hochhauswohnung in einem dieser Super-Ausblick-Bauten in Wien verkaufen, da es im Sommer unerträglich ist. Aber er muss bis in den Winter warten, denn sonst ist sie unverkäuflich!
Schon Wilhelm Busch schrieb uns ins Lebensbuch: „Das Gute – dieser Satz steht fest – ist stets das Böse, was man lässt!“ Das Böse können wir natürlich durch „das Falsche“ ersetzen.
Umweltschutz und Nachhaltigkeitsphilosophie sind Formen der Nächstenliebe. Da möchte ich auch den großen österreichischen Philosophen von Weltgeltung einbringen, Ludwig Wittgenstein, der einmal festhielt: „Architektur verewigt und verherrlicht etwas. Darum kann es Architektur nicht geben, wo nichts zu verherrlichen ist.“
Viele Kathedralen und Gotteshäuser sind weltweit die schönsten Bauten aus Naturstein und oftmals zum Lobpreis Gottes in Marmor ausgeführt. Womit wir beim Hauptthema dieser Ausgabe sind: Sanitärbereich, Badgestaltung und Wellnessbereiche. Wie dankbar bin ich, dass wir uns vor zehn Jahren für Marmor im Bad entschieden haben. Zum Niederknien schön in einem Bereich, der viel mit Ritualen und Reinigung zu tun hat. Ja, und Wohlbefinden. In manchem Schlosshotel ist das Dampfbad eine größere Kunststoffkabine. Im Naturhotel Alpenrose in Obermillstatt wurde im Wellnessbereich auf Marmor gesetzt. Wer das einmal schätzen gelernt hat, der mag es kaum noch billiger geben.
Wenn wir von Badekultur schreiben, dann ist vor allem die Wahl der Materialien entscheidend, welchen Standard wir uns gönnen. Naturstein-Lösungen für Bade- und Wellnessbereiche sind immer zeitlos und ewiglich. Mindestens für Jahrzehnte gemacht. Wenn das kreative Potenzial der Architekten mit dem der Steinmetze zusammentrifft, sind Naturstein-Augenweiden ein logisches Resultat.
Das im Land vorhandene Natursteinangebot ist enorm vielfältig und vielseitig. Das zeigt nicht zuletzt die Landkarte mit Übersicht aller Mitgliedsbetriebe und ihre Abbaugebieten.
Weltberühmt ist wohl der 1504 von Michelangelo für Florenz geschaffene David, dessen Schönheit und Einzigartigkeit die Menschen heute noch begeistert. Naturstein ist eine Art David, der in Sachen Langlebigkeit, Schönheit, Vielseitigkeit, Nachhaltigkeit und Werthaltigkeit alles schlägt. Vor allem ist er Gottesgeschenk.
Dazu eine Anekdote: Der bereits verstorbene Benedikt Scheffer aus Altenmarkt wollte aus Dankbarkeit für den fast unfallfreien Betrieb der Skilifte und als Zeichen seines Glaubens eine Heilige Familie bei einer Bergstation aufstellen. Dazu beauftragte er den Wiener Bildhauer Prof. Hans Muhr, der diese aus Sölker Marmor (der Steinbruch in der Kleinsölk gehörte ebenfalls Benedikt Scheffer) formen sollte. Zuerst formte Muhr ein Modell. Im Jesu-Kind in den Armen von Maria und Josef kam aus dem Stein ein graues Herz zum Vorschein. Ein Phänomen. Ein Glücksfall? Bewundert, aber das war ja nur das Modell! Doch die Begeisterung war noch größer, als das Herz im Kinde auch bei der über zwei Meter großen, tonnenschweren Skulptur auftauchte.
Man stelle sich das vor: Jeder Millimeter, der vom ursprünglichen Block entfernt worden war, war unwiederbringlich. Aber in genau diesem Block wurde bereits vor Jahrmillionen festgelegt, dass dieses Herz im Kunstwerk der Danksagung in Altenmarkt-Zauchensee erscheinen sollte. Als Zeichen für alle Skifahrer und Wanderer, dass Naturstein ein Gottesgeschenk ist. Ganz im Sinne von Huschang Rohanis bewegendem Buch „Es gibt keine Zufälle“.

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Der Autor ist Nachhaltigkeitsexperte und lebt in einem Plus-Energie-Naturstammhaus in Obermillstatt mit Infrarot- Marmorheizung und Photovoltaikanlage. Die im Kommentar vertretenen Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch.


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