347 Naturstein

Nachhaltige Baukultur

© Roland Halbe
Fassaden aus Naturstein vermitteln in ihrer ­Vielfältigkeit Natur und Baukultur (Bild: Neubau ­Historisches Museum Frankfurt).
© Roland Halbe

Das Bauen mit Naturstein steht nicht nur für hochwertige Architektur, unverfälschte Natur und Baukultur, der Einsatz von Stein verbraucht auch deutlich weniger energetische Ressourcen als der anderer Baustoffe.

von: Roland Kanfer

Fassaden aus Naturstein sind hochwertig und nachhaltig. Das ist heute, wo Gebäude nicht nur nach gestalterischen Gesichtspunkten bewertet werden, sondern wo auch der ökologische Fußabdruck eine wichtige Rolle spielt, ein gewichtiges Argument für das Bauen mit Naturstein. Im Büro- und Gewerbebau führt der Weg zu nachhaltigen Gebäuden mit den begehrten Zertifizierungen im Fassadenbau über geschlossene, wärmegedämmte Außenwände mit Natursteinverkleidung. Wie die Nachhaltigkeitsstudie des Deutschen Naturwerksteinverbands zeigt, hat eine Glasfassade einen deutlich höheren Bedarf an energetischen Ressourcen als die Natursteinfassade. Die Natursteinfassade benötigt während ihres Lebenszyklus mit ­­1743 MJ/m² um 30 Prozent weniger Primär­energie als die Glasfassade mit 5854 MJ/m² (Megajoule/m²). Dabei ist sowohl der Anteil an erneuerbarer als auch an nicht erneuerbarer Energie gerin­ger als bei der Glasfassade.

Rechnet man mit einer hundertjährigen Lebensdauer eines Gebäudes, zeigt sich ebenfalls die Nachhaltigkeit von Natursteinfassaden: In diesem Zeitraum werden die Dämmelemente zweimal komplett ausgewechselt, wobei die Natursteinplatten wieder auf die neue Dämmebene montiert werden können. Bei einer Glas-Aluminium-Fassade müssen die Aluprofile hingegen nach 50 Jahren, die Sicherheitsfolie der Wärmeschutzverglasung nach 25 Jahren und die Fensterdichtungen nach 20 Jahren ausgetauscht werden.

Naturstein fasziniert aber auch Archi­tekten. Haben sie einmal mit ihm gebaut, setzen sie ihn immer wieder ein, wie etwa Volker Bastian von gmp Architekten be­stätigt: „Natursteinmaterial steht mit seiner optischen Ausstrahlung, seiner Vielfältigkeit und seiner haptischen Qualität für Bau­kultur und reflektiert das Urmaterial der Erde mit seinen unmittelbaren, unver­fälschten, energiegeladenen Eigenschaften.“

Fassade mit Steinmetz-Ornamentik
Neubau Historisches Museum Frankfurt / Lederer Ragnarsdóttir Oei

Den Deutschen Naturstein-Preis 2018 in der Kategorie Öffentliche Gebäude erhielt der Neubau des Historischen Museums Frankfurt. Das Stuttgarter Architekturbüro Lederer Ragnarsdóttir Oei verbindet mit dem Erweiterungsbau die neuen Aus­stellungsbauten und die Altbauten des Museums mit einem städtischen Platz, der sich zum Rathaus hin mit einer großen Treppe zu einem der wenigen durch die Kriegszerstörungen verschont gebliebenen Fachwerkgebäude öffnet. Unter diesem Platz befindet sich ein unteres Foyer, von dem die Ausstellungsebenen auf vier Geschoßen erreicht werden. Ein besonderes Merkmal des Baukörpers ist sein mit Natursteinschiefer gedecktes Dach, das aus zwei aneinander liegenden Satteldächern in Längsrichtung gebildet ist.

Bewusst wählten die Architekten orts­übliche Materialien. Auch der Neckartäler Hartsandstein an den Fassaden ist ein Natur­stein, der in Frankfurt am Main, aber auch im gesamten Rhein-Main-Raum an historischen Gebäudefassaden immer wieder eingesetzt wurde. Das Besondere bei diesem Projekt ist, dass der Stein nicht als Plattenware, sondern in einer Stärke von elf Zentimetern mit anthrazitfarbenem Vormauermörtel aufgemauert wurde. Die Materialstärke gab den Architekten die Möglichkeit, den Stein in seiner Oberfläche zu ornamentieren. Die von Steinmetzen be­arbeitete Oberfläche bricht das Licht und sorgt so für interessante Effekte. Gegenüber der Eingangsfassade, auf den beiden Längsseiten, gibt es Nischen, in denen Steinskulpturen als Dauerexponate des Muse­ums ihren Platz finden.

Projekt
Neubau Historisches Museum Frankfurt

Bauherr
Stadt Frankfurt am Main, Kulturamt

Architektur
Lederer Ragnarsdóttir Oei Architekten, Stuttgart
archlro.de

Naturstein
Neckartäler Hartsandstein, Basalt

Projektablauf
Wettbewerb 01/2008
Planungsbeginn 04/2008
Baubeginn 09/2013
Fertigstellung 10/2017

Auszeichnung: Deutscher Naturstein-Preis 2018 – Sieger Kategorie Öffentliche Gebäude und Gewerbebauten

Der Artikel als PDF.


North Africa and the Iberian Peninsula, 700–1800

Weiterlesen
Die Zentrale des BIG-Konzerns im Wiener Stadtentwicklungsgebiet Viertel Zwei  © David Schreyer

Die BIG verpflichtet alle Neubauten und Generalsanierungen zur Erreichung von mindestens 750 klimaaktiv-Punkten.

Weiterlesen
© iStock

Die Natursteinbeläge auf Europas Straßen und Plätzen erzählen Geschichte. Generationen von Menschen haben Gebrauchsspuren hinterlassen. Genau diese…

Weiterlesen
Die von der Decke abgependelten Lighting Pads von Nimbus           sind akustisch wirksam, liefern direktes und indirektes Licht und schaffen ein lebendiges Lichtspiel an der Decke.  © weinbrenner.single.arabzadeh.architekten / D. Talebi

Die Wirkung von Geräuschen auf den menschlichen Körper ist biologisch nachweisbar. Aus diesem Grund wird Lärm und die Art, wie damit umgegangen wird,…

Weiterlesen
(c) Stadt Wien/C. Fürthner

Beschlossen wurden u.a. die Flächenwidmungen zum Otto-Wagner-Areal und Eurogate II sowie Grundsatzstrategien der Wiener Stadtentwicklung.

Weiterlesen

Auslober / Auftraggeber: Gemeinnützige Salzburger Wohnbaugesellschaft m.b.H., Ignaz-Harrer-Straße 84, 5020 Salzburg. Projektverantwortlich: DI H.-J.…

Weiterlesen
© Larissa Agel

SODA architekten wurde 2019 von Robert Breinesberger, Kerstin Jahn und Erwin Winkler in Wien gegründet. Kennengelernt hat sich das Architektenteam…

Weiterlesen
© Bruno Klomfar

Der von den Architekten Karl Schwanzer und Eugen Wörle geplante Trakt der Universität für angewandte Kunst wurde sensibel saniert – die…

Weiterlesen
© Franz&Sue/Hertha Hurnaus
Interior Design

Offene Atmosphäre

Bildungszentrum Innenstadt Leoben / Franz und Sue Architekten

Weiterlesen
© arge riegger metzler schelling

Die Landeshauptstadt Bregenz plant neben dem bestehenden Hallenbad den Neubau des Hallenbades Bregenz.

Weiterlesen

Sonderausgabe: Immobilien 2018

LESEN

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten