354 Naturstein

Moderner Baustoff

© Richard Watzke
Steinverkleidung in einer Villa in Wien. Natursteinarbeiten: Wolfgang Ecker
© Richard Watzke

Nach hochwertigen Natursteinen und kompetenten Technikern müssen Planer und Auftraggeber in Österreich nicht lange suchen. Die heimischen Produzenten bieten ökologische, regionale Natursteine für alle Bau- und Gestaltungsanforderungen. Zusätzlich zur Qualität des Materials wird eine hohe fachliche Kompetenz von der Gestaltung bis zur Ausführung geboten.

Im Interview: Wolfgang Ecker ist Inhaber der Gustav Hummel GmbH & Co KG. Steinmetzmeister Tobias Kritzer ist Betriebsleiter in St. Margarethen im Burgenland.

Warum wird die Herkunft eines Baustoffs immer wichtiger?
Wolfgang Ecker: In immer mehr Lebensbereichen stellen wir fest, welche Auswirkungen die Globalisierung hat. Das Leben wird vielfältiger, die unterschiedlichsten Produkte aus aller Welt sind verfügbar und erweitern unseren Horizont. Bei all den Vorteilen dürfen wir die Kehrseite der stetig steigenden Warenströme nicht vernachlässigen, denn nicht nur exotische Früchte werden aus der ganzen Welt herbeitransportiert, sondern auch viele Baustoffe. Hier sehe ich eine Grenze der Globalisierung, denn solche Importe mögen zwar kurzfristig billiger sein, die Folgen für uns alle sind jedoch langfristig. Weil wir alle auf ein und derselben Erde leben, tragen die wohlhabenden Länder eine große Verantwortung. Natursteine haben im globalen Warenverkehr nur einen geringen Anteil, dennoch kann man als Planer und Bauherr ein Zeichen setzen und Naturstein aus Österreich wählen.

Wodurch zeichnet sich Naturstein als moderner Baustoff aus?
Wolfgang Ecker: Naturstein ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. In jeder Epoche hatte er eine im wahrsten Sinne des Wortes tragende Aufgabe. So unterschiedlich die Baustile auch waren, fanden die Steinmetze stets innovative Lösungen. Auch in Zukunft bietet Naturstein viele Antworten auf die drängenden Themen wie Klimawandel und Nachhaltigkeit.

Welche Vorteile bieten regionale Natursteine?
Wolfgang Ecker: Ein wichtiges Argument sind die kurzen Transportwege. In Zeiten, in denen immer mehr Waren über weite Entfernungen transportiert werden, besinnen sich viele Auftraggeber darauf, dass es auch in der näheren Umgebung hochwertige Baustoffe gibt, die nicht um den halben Erdball hergeholt werden müssen. Kurze Wege sind besser für die Umwelt. Kurze Wege bedeuten aber auch Transparenz und Sicherheit bei der Lieferung. Auftraggeber können sich vor Ort von der Qualität überzeugen und bei Bedarf die Blöcke im Steinbruch auswählen.

Welche Vorteile bietet die Verarbeitung in Österreich?
Tobias Kritzer: Österreich hat hervorragend ausgebildete Fachkräfte, die eine sorgfältige Ausführung nach geltenden Normen und Regeln leisten. Sollte es während der Planungs- oder Bauphase zu Änderungen kommen, können diese dank dem direkten Austausch zwischen allen Beteiligten leichter berücksichtigt werden. Die Verarbeitung in Österreich sichert zudem die Wertschöpfung im Land und ermöglicht, die große Kompetenz der Handwerker an künftige Generationen weiterzugeben. Natürlich kann man Steine per Internet bestellen. Das ersetzt aber niemals den persönlichen Austausch, der gerade bei einem Naturprodukt wie Naturstein für das Gelingen entscheidend ist. Normen und Prüfzeugnisse schaffen Sicherheit, doch Naturstein ist auch etwas sehr Individuelles. Viele Architekten wollen „ihren“ Stein persönlich im Steinbruch begutachten. Das schafft über die Bauphase hinaus einen persönlichen Bezug zum Projekt.

Was sollten Architekten bei der Materialauswahl beachten?
Tobias Kritzer: Jeder Naturstein ist ein Unikat und einzigartig in seinem Aussehen, seiner Farbe, seiner Struktur. Das Material muss immer auf die Anforderungen abgestimmt werden, denn nicht jeder Stein eignet sich für jedes Bauvorhaben. Große Bedeutung haben die Formate. Stark strukturierte Steine wirken im kleinteiligen Verband unruhig, bei großen Platten hingegen kann sich die optische Wirkung entfalten. Im Idealfall pflegen Auftraggeber, Planer und Steinverarbeiter einen offenen Dialog, um den für das spezielle Projekt am besten geeigneten Stein auszuwählen. Ein Steinbruch ist eine unter natürlichen Prozessen entstandene Lagerstätte. Unterschiedliche Lagen können daher optisch und technisch voneinander abweichen. Allgemein gilt, dass oberflächennahe Schichten eher weich, tiefere Schichten eher hart sind, aber das ist in jedem Steinbruch anders. Wobei wir wieder bei den Vorteilen eines regionalen Materials sind: Kurze Wege erlauben es, bei der Materialauswahl und danach intensiv zu kommunizieren, damit alle Beteiligten genau wissen, was Auftraggeber und Architekten wünschen. Vor allem sollte man sich Zeit nehmen. Naturstein ist über Jahrmillionen entstanden, da wäre es schön, wenn man die Auswahl nicht hektisch trifft. In heutigen Zeiten klingt das wie ein frommer Wunsch, aber in der täglichen Praxis erlebe ich, wie sich diese Sorgfalt positiv auf das gesamte Projekt auswirkt.

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