360 Naturstein

Meisterhaft inszeniert

Alle Fotos: © Richard Watzke
Post Family Resort: Das Kneippbecken markiert das Zentrum des Wellnessbereichs im aufgestockten Obergeschoß. Post Family Resort: Das Kneippbecken markiert das Zentrum des Wellnessbereichs im aufgestockten Obergeschoß.
Alle Fotos: © Richard Watzke

Wo anspruchsvolle Gäste bewirtet und bedient werden, ist der Einsatz von Naturstein mehr als eine Entscheidung für einen Werkstoff. Granit, Marmor, Kalkstein und andere Steinarten vermitteln über die vorteilhaften Materialeigenschaften hinaus eine klare Botschaft: In diesen Räumen legen Gastgeber Wert auf nachhaltige, bodenständige Rohstoffe und Lebensmittel.

von: Richard Watzke

Vom Städtetrip bis zum Refugium inmitten der heimischen Bergwelt bietet Österreichs Hotellerie ein vielfältiges Angebot. Noch ist die Buchungslage weit von früheren Zeiten entfernt und potenzielle Gäste wollen mehr denn je umworben werden. Viele Betreiber haben die Coronazeit daher genutzt, die eigenen Häuser für die zahlungskräftige Klientel attraktiver zu machen und die Lust aufs Reisen wieder anzukurbeln.
Mit einer Mischung aus Natur, Bewegung und Entspannung lockt etwa das Post Family Resort in Unken. Das familiengeführte Viersterne-Superiorhotel auf halbem Weg zwischen Lofer und Salzburg punktet mit einem ganzjährigen Freizeitangebot. Um die Gäste zu verwöhnen, wurde das Haupthaus 2021 erweitert und um ein Geschoß samt Wellnessbereich aufgestockt. „Wir haben sehr anspruchsvolle Gäste, die auch zu Hause schön wohnen. Dementsprechend wählerisch sind diese Familien, wenn es um die Wahl des Urlaubdomizils geht“, erklären die Inhaber Gertraud und Matthäus Unseld. Es wird daher sehr wohl darauf geachtet, welche Materialien in den Gästezimmern, in den Restaurants, im Spa und an vielen anderen Stellen eines Hotelbetriebs zum Einsatz kommen. Der Blick der Gäste richtet sich längst nicht mehr nur auf die Nachhaltigkeit und Herkunft der Speisen, sondern auch auf die Raumausstattung. Wer Premium bucht, erwartet hohe Standards. Bio-Qualität auf dem Teller und Baumarkt-Fliesen in den Sanitärräumen würden in der Wahrnehmung der Gäste kein stimmiges Gesamtbild ergeben. Folglich wird im Resort wie beim jüngsten Projekt in hochwertige, zweckmäßige und dauerhafte Werkstoffe wie Naturstein investiert. Für die Erweiterung wählten die Hotelbetreiber einen Stein aus der näheren Umgebung. Der Steinbruch liegt rund 75 Kilometer von Unken entfernt.
Der graugrüne Rauriser Quarzit ist großflächig eingesetzt: Als Bodenbelag und Wandbekleidung ebenso wie für Theken, Tauchbecken, das Dampfbad und die Sauna. Auch bei den Liegeflächen im Außenbereich wurde der Stein mit einer trittsicheren Oberflächenbearbeitung verlegt. Die Materialwahl trafen weder Innenarchitekt oder Designer, sondern die Inhaber selbst. Weil sich Rauriser bei ihrem 2008 errichteten Privathaus bis heute bestens bewährt, wählten ihn die Bauherren auch bei ihrer Hotelerweiterung. Natürlich ist bei einem großen Umbau die Kostenfrage immer aktuell, die Wahl fiel dennoch auf echten Stein anstelle von Fliesen: Spätestens beim Barfuß-Vergleich spürt man den großen Unterschied zwischen Naturstein und Fliese, erklärt Gertrud Unseld. Weil bei einem Wellnessbereich auch praktische Aspekte zählen, erfüllen die neuen Steinflächen auch die Anforderungen an Reinigung und Pflege. Der Quarzit besitzt eine hohe Rohdichte und nimmt kaum Feuchtigkeit und Wasser auf. Angesichts einer geplanten Nutzungsdauer eines Bades und auch des Wellnessbereichs von mindestens 20 Jahren relativiert sich die Investition in hochwertigen Naturstein anstelle günstigerer Baustoffe bald. Sollten einzelne Werkstücke im Laufe der Jahre schadhaft werden, lassen sie sich dank der regionalen Gewinnung und Verarbeitung problemlos durch Originalmaterial ersetzen.

Ein Tempel für Brot
Traditionelle Handwerkskunst und hochwertige Rohstoffe sind das Erfolgsrezept von Öfferl. In der Wollzeile im 1. Wiener Gemeindebezirk hat sich die familiengeführte Bäckerei aus dem Weinviertel vom Wiener Studio Riebenbauer einen Tempel für Brot und Backwaren gestalten lassen. Grauer Kalkstein gibt für die Schaubäckerei und das Bistro den bodenständigen Rahmen. Die dem gesamten Öfferl-Konzept zugrunde liegende Philosophie setzt auf den direkten Rohstoffbezug von Bauern und Partnern, welche biologisch beziehungsweise biodynamisch arbeiten, schildert Sandra Schaffer, die das Marketing verantwortet: „Handwerk und die Nähe sind uns wichtig, darum ist unser Geschirr in der Wollzeile von MA Keramik aus dem Burgenland und unsere Mitarbeiterkleidung wird in Wien geschneidert. Unsere Vision ist, mit gutem Brot die Welt zu verbessern.“ Wesentlichster Faktor dabei ist der Boden. Im Selbstverständnis von Öfferl ist dieser keine unter marktwirtschaftlichen Prinzipien zu nutzende Anbaufläche, sondern nichts Geringeres als die Lebensgrundlage selbst.

Natürlich und bodenständig
Für den ersten Flagship-Store in der Wollzeile wurde ein ganzheitliches Konzept mit dem Slogan „Vom Boden we“« kreiert. Die gesamte Filiale ist erdig und reduziert gehalten. Die bewusste Konzentration auf wenige Werkstoffe macht das Wesen und den Herstellungsprozess des Brotes visuell spürbar. Jeder Aspekt des Flagship-Stores wurde durchdacht, um Einfachheit, Handwerk und die Verbindung zur Herkunft der Lebensmittel zu betonen. Das Motto der Marke wurde mit einem modernen Interieur aus Stein, gebürstetem Aluminium, Beton und Erde aus Öfferls Heimatort Gaubitsch im Bezirk Mistelbach umgesetzt. Um die unmittelbare Verbindung zum Boden auch physisch herzustellen, sind Felder im Betonboden ausgespart und mit Erde aus dem Weinviertel gefüllt. Den Mittelpunkt des Verkaufsraums bildet die Brotbar. Dafür wählte das Studio Riebenbauer einen Naturstein, der optisch und thematisch in das Gesamtkonzept passt.
Ceppo di Gré ist ein sedimentäres Konglomerat, das am Ufer des Lago d‘Iseo in Norditalien gewonnen wird. Als Vertreter der klastischen Ablagerungsgesteine zeigt es deutlich sichtbare, grobe Einschlüsse in einer feinkörnigen Grundmasse. Mit seiner rustikalen Struktur wirkt Ceppo di Gré archaisch und bodenständig und erinnert fast an das Innere eines Brotlaibs. Auch die Graunuancen unterstreichen den Fokus auf den Boden als Lebensgrundlage, erklärt Sandra Schaffer. Im unteren Geschoß widmet sich ein Raum ausschließlich der Marke und den Kernwerten des Unternehmens. Den Mittelpunkt bildet ein sogenannter „Brotaltar“, auf dem die Umwandlung vom Mehl zum Brot zelebriert wird. Als Mensa dieses stilisierten Altares wählten die Designer – wie könnte es auch anders sein – eine Platte aus dem grauen Steinkonglomerat. In Verbindung mit dem beinahe mystisch überhöhenden Belichtungs­konzept entstand ein außergewöhnliches Raum­erlebnis, das Besucher in den Bann zieht. 

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