359 Projekte

Massiv, innovativ und elegant

© Christian Richters
© Christian Richters

Kreative Beispiele moderner und innovativer Ziegelarchitektur weltweit auszuzeichnen ist das Ziel des Brick Awards, der seit 2004 alle zwei Jahre verliehen wird. Aus 789 weltweiten Einreichungen wurden heuer 50 Projekte nominiert. Die Sieger werden 2022 ermittelt. Unter den Nominierten des Brick Awards 2022 finden sich zwei Projekte von österreichischen Architekturbüros, die Ziegel in unterschiedlicher Weise verwenden.

Bürogebäude 2226 Emmenweid / Baumschlager Eberle Architekten
Ein Großteil der für den Brick Award 2022 nominierten Projekte setzt auf Sichtziegel als gestalterisches Fassadenelement. Nicht so das 2018 fertiggestellte Bürogebäude „2226 Emmenweid“. Das österreichische Architekturbüro Baumschlager Eberle hat in Emmen im schweizerischen Kanton Luzern das bereits in einem Büro- und einem Wohnprojekt sowie einem Therapiezentrum verwirklichte Konzept „2226“ erneut umgesetzt. Es geht davon aus, dass eine zweischalige Wand, bestehend aus fast achtzig Zentimeter dickem Ziegelmauerwerk aus Hochlochziegeln ohne integrierte Dämmung, als thermische Masse wirkt, die zum Stabilisieren der Innentemperatur dient. Ohne Heizung oder Kühlung, nur ausgestattet mit einem sensorengesteuerten Lüftungssystem – die benötigte Wärme wird von den Menschen generiert –, soll sich die Raumtemperatur stets zwischen 22 und 26 Grad bewegen.
Der fünfgeschoßige Bau mit 2815 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche und grau melierter Kalkputzfassade steht an der Stelle des historischen Crinolbaus, einem In­dus­triegebäude aus dem 19. Jahrhundert, das Teil der Fabrikanlage von Viscosuisse war und dem Neubau aufgrund großer statischer Probleme weichen musste. Der Baukörper fügt sich in das bestehende Ensemble ein und übernimmt sowohl Volumen als auch das Walmdach des Vorgängers. Seine Außenkante liegt in der Flucht des historischen Nachbargebäudes. Diese gedank­liche Linie wird durch eine Abfolge aus Stelen fortgeführt, die gleichzeitig den Freiraum zwischen Alt- und Neubau von der Straße abgrenzen. Die schlichte Außenwirkung des länglichen Monoliths wird durch einen Fassadenversatz aufgebrochen, der an zwei Seiten übereck verläuft. Dadurch entsteht ein leichter Vorsprung der oberen zwei Geschoße, der einen harten Schattenwurf hervorruft und den Baukörper betont. Die Lochfassade charakterisiert sich durch einen regelmäßigen Rhythmus aus innen liegenden Fenstern mit tiefen Laibungen, wodurch der massive Charakter des Baus unterstützt wird. Das Walmdach besteht aus Betonfertigteilen mit integrierten Schrägfenstern und wurde im lichten Grau der Fassade ausgeführt, um die monolithische Wirkung beizubehalten und eine Aufheizung der Innenräume im Sommer zu reduzieren.
Der offene Bürogrundriss wird durch einen festen, zentral angeordneten Kern gegliedert, in dem sich Sanitäranlagen, Erschlie­ßung und weitere Nebenräume befin­den. An den beiden kurzen Gebäudeseiten liegt jeweils ein abgeschlossener Besprechungsraum. Die über Mauerwerksanker verbundene zweischalige Wand besteht innenseitig aus statischen Ziegeln, während die äußere Schale aus isolierenden Ziegeln einen möglichst hohen Wärmeschutz bieten soll. Der U-Wert des inneren Ziegels liegt bei 0,34 W/m²K, der des äußeren 0,24 W/m²K. Die Außenwände erreichen insgesamt einen U-Wert von etwa 0,15 W/m²K. Die beiden Schalen werden mit einer zwanzig Millime­ter starken Mörtelfuge zusammengehalten und sind sowohl innen als auch außen mit einer Grundierung aus Kalkzementputz versehen, auf die eine Kalkputzoberfläche aufgebracht wurde. Der außenseitig sichtbare gelöschte Kalkputz wird unter Witterung und Sonneneinstrahlung immer weiter erhärten und im Laufe der Zeit steinähnliche Eigenschaften an­nehmen. 

Paracelsus Bad & Kurhaus, Salzburg / Berger+Parkkinen Architekten
Eine Überraschung ist sicherlich die Nominierung dieses Projekts im Zusammenhang mit dem Thema Ziegel. Assoziiert man doch mit dem Paracelsus Bad & Kurhaus in Salzburg primär den Baustoff Stahl. Konstruktiv handelt es sich bei dem 2019 fertiggestellten Bauwerk auch um eine Stahl-Glaskonstruktion. Die vorgesetzte Fassade und die Decke über der Badehalle bestehen jedoch aus Keramiklamellen. Die vertikal angeordneten Fassadenelemente sind in gedecktem Weiß glasiert und versetzen das Gebäude scheinbar in leichtes Wogen. Im dritten Obergeschoß werden die Lamellen durch ein geschwungenes, raumhohes Lichtband unterbrochen.
Die Schwingungen der Wellendecke über der Badehalle spiegeln die Bewegungen des Wassers wider. Die Decke hat eine Fläche von fast 1000 Quadratmetern und besteht aus Hunderten Deckenziegeln, die in Heißglasurtechnik widerstandsfähig gegen Temperaturwechsel, Wasser, Säuren und Laugen gemacht wurden. Befestigt sind die Lamellen auf einem Aluminium-Trägerkasten. Eine Haltekonstruktion auf der Rückseite der Ziegel verhindert, dass sich größere Keramikteile lösen und herunterfallen könnten.  
Das Bade- und Kurhaus ist als drei­dimensional begehbare Landschaft kon­zipiert. Die Hauptelemente des Hauses bilden eine klar ablesbare vertikale Stapelung. Der introvertierte Sockel beinhaltet das Kurhaus und die Garderoben des Bades. Darüber liegt die offene Panorama-Badeebene, überdeckt durch die Anlage der Gastronomie und der Saunalandschaft. Die gesamte Dachebene wird für die Saunaanlage mit spektakulärem Außenpool und freiem Blick über die Stadt genutzt.
Städtebaulich bildet das Bad mit Kurhaus ein Gelenk zwischen den gründer­zeitlichen Blockstrukturen der Auersperg­straße, der offenen Bebauung der Schwarz­straße und dem historisch gewachsenen Mirabellgarten. Die zum Park verschwenkte Geometrie des Badehauses nimmt Bezug auf die Form der ehemaligen barocken Bastionsmauern mit ihrem Wassergraben. 

Der Artikel als PDF


Jedes DS Modell ist gespickt mit Handarbeit, Liebe zum Detail und luxuriösen Feinheiten. Die vier DS Modelle − DS 3 CROSSBACK, DS 4, DS 7 CROSSBACK…

Weiterlesen

Am Donnerstag, dem 2. Juni 2022, findet nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause wieder das PLANERFORUM.ARCHITKTUR im Kuppelsaal der TU Wien statt.

Weiterlesen
Quelle: Screenshot

Thesim 3D ist ein einfach zu handhabendes 3D-Online-Simulations-Tool zur Veranschaulichung der Auswirkung planerischer Maßnahmen auf das sommerliche…

Weiterlesen
Querschnitt eines Probewürfels

In Sachen Kreislaufwirtschaft ist ÖKOBETON ein echter Alleskönner.

 

Weiterlesen

Die Bundeshauptstadt ist um ein Messe-Highlight reicher: Vom 10. bis 13. November 2022 feiert die Bauen+Wohnen Premiere in Wien! Warum die Messe für…

Weiterlesen
© Klaus Vhynalek

„Jedes Projekt ist ein Baustein im großen Ganzen und muss dazu beitragen, die Welt besser zu machen.“

Weiterlesen
© Daniel Hawelka

ASG | marchfeld terrassen, Wien / trans_city

Weiterlesen
© Modulnova
Interior Design

Was kommt, was bleibt

Einblicke und Aussichten. Trends kommen und gehen. Am Ende zählt allerdings das, was Bestand hat. Ein Aspekt, den sich auch die Möbel­industrie zu…

Weiterlesen
© Prashant Dubey, Nitish Goel
Produkte & Systeme

Des Hauses neue Kleider

Genau genommen ist die Hülle das Wichtigste an einem Bauwerk: An ihrer Schönheit partizipieren nicht nur die Menschen, die sich im Gebäude aufhalten,…

Weiterlesen
Alle Fotos: © Richard Watzke

Die ressourcenschonende Gewinnung, kurze Transportwege und eine ausgezeichneten Ökobilanz machen Natursteine aus Österreich zu einer guten Wahl.…

Weiterlesen

Termine

Fortschritt durch Schönheit – Josef Hoffmann

Datum: 15. Dezember 2021 bis 19. Juni 2022
Ort: MAK-Ausstellungshalle MAK, Stubenring 5, 1010 Wien

Aufgeblasen

Datum: 04. März 2022 bis 18. Juni 2022
Ort: aut. architektur und tirol, Innsbruck

Diskussion „Der Innsbrucker Gestaltungsbeirat stellt sich vor“

Datum: 31. Mai 2022
Ort: aut. architektur und tirol, Adambräu, Lois-Welzenbacher-Platz 1, 6020 Innsbruck

Planerforum.Architektur

Datum: 02. Juni 2022
Ort: TU Wien

Mehr Termine

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten

Anmeldung zum Newsletter

Frau / Mrs  Herr / Mr