338 Architektur

Mäandrierender Schluss-Stein

© Gregor Graf
Das Quartier 21 der „archinauten“ Dworschak + Mühlbacher bildet den Schlussstein des Wohnareals „Grüne Mitte Linz“.
© Gregor Graf

Grüne Mitte Linz – Quartier 21 / archinauten – Dworschak + Mühlbachler Architekten

Im Jahr 2001 hatte die Stadt Linz gemeinsam mit Vertretern der ÖBB einen Masterplan für eine Wohn­bebauung des ehemaligen Frachtenbahnhofgeländes entwickelt. 2005 kaufte sie das Gelände und führte einen städtebaulichen Wettbewerb für das „Grüne Mitte Linz“ genannte Wohnprojekt mit 744 Wohnungen durch. Das von der Stadtplanung Linz weiterentwickelte Siegerprojekt des bayerischen Architekturbüros Blaumoser bildete die Grundlage für die einzelnen Architektur­wettbewerbe von sieben oberösterreichischen Wohnbaugenossenschaften. Zusätzlich wurde im Zentrum des neuen Stadtteils ein von der Linzer Landschaftsarchitektin Heidelinde Holzinger geplanter 13.800 Quadratmeter großer öffentlicher Park angelegt.

Blockrandbebauung mit Knick
Für den Bauplatz 5 lobte die Genossenschaft ­Baureform-Wohnstätte im Jahr 2014 einen geladenen Realisierungswettbewerb aus, den das Linzer Architekturbüro Dworschak + Mühlbacher für sich entscheiden konnte. Das Quartier 21 der „archinauten“ Dworschak und Mühlbacher bildet den Schlussstein der neuen „Grünen Mitte Linz“. Die Blockrandbebauung zur Westbahn hin wird entsprechend den Bauvorschriften mit einem leichten Knick fortgesetzt und abgeschlossen. Die Jury unter dem Vorsitz von Architekt Peter Lorenz würdigte die städtebauliche Klarheit der beiden Baukörper sowie räumliche Qualität des mäandrierenden Einzelbaukörpers mit den beiden Innenatrien, die wichtige soziale Funktionen nachhaltig übernehmen. Dieser Solitär im Inneren des Bauplatzes schafft Abstands- und Zwischenzonen im Baufeld selbst, wie auch zu den angrenzenden Nachbarschaften. Nach außen hin präsentiert sich das Quartier 21 durch die feingliedrige Lochfassade als homogene und eigenständige Großform im städtebaulichen Kontext.  
Die beiden Wohnhäuser werden über jeweils ein zentrales Stiegenhaus erschlossen. An der nördlichen Stichstraße liegt die Ein- und Ausfahrt für die gemeinsame Tiefgarage. Die 58 Wohnungen im Solitär sind über ein weites gedecktes Entree erreichbar. Die innere Erschließung erfolgt über ein System von kurzen, lichtdurchfluteten Laubengängen. Die Einschnitte in den Baublock – die grünen Innenatrien – bewirken
eine Auflockerung der großen Baumasse, vergrößern die Außenhülle und schaffen damit zusätzliche Be­lichtungs- und Belüftungsflächen.

Das Gebäude ist in Massivbauweise errichtet. Ziegelmauerwerk mit Stahlbetondecken bilden die Grundstruktur. Die 44 altersgerechten Kleinwohnungen befinden sich im siebengeschoßigen Riegel des Blockrandes. Aus Schallschutzgründen sind die Wohnungen ausschließlich als Laubengangtypen zur grünen Mitte hin orientiert. Im Erdgeschoß, mit separatem Zugang von der Bahnseite her, liegen die Räumlichkeiten des Jugendclubs. Die Grundrisstypologien bieten flexible Nutzungsoptionen. Die Parklandschaft geht niveaugleich in den Innenhof und umspült die  Wohnhäuser. Den Erdgeschoßwohnungen können optio­nal Privatgärten zugeordnet werden.

Gestalterische Einbußen durch Wohnbau-Vorgaben
Das gesamte Projekt ist auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet: Durch die strenge Rasterung und die Stapelung gleicher Wohnungstypen übereinander überlagern Wohn- und Schlafräume einander. Die kompakte Bauweise begünstigt ein energieeffizientes Haustechnikkonzept mit Niedrigstenergiestandard. Die Energie­bilanz des Gebäudes wird durch Einsatz einer „kontrollierten“ Wohnraumlüftung mit Wärmerück­gewinnung in den Wohnungen optimiert.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen dieses Projekt gelaufen ist, hatten die Wett­bewerbsjury zu einem Statement bewogen, das in einem Juryprotokoll sonst nicht zu finden ist: eine grundsätzliche Kritik an den Vorgaben des Landes Oberösterreich. Sie hielt fest, dass aus ihrer Sicht keines der eingereichten Projekte alle Wirtschaftlichkeitsparameter der oberösterreichischen Wohnbauförderung erfülle und kam zu dem Schluss, dass unter den definierten Rahmenbedingungen die Vorgaben des Landes in puncto Wirtschaftlichkeit nicht erfüllt werden könnten. Als direkte Folge der Wohnbaubestimmungen seien im Wettbewerb die funktionellen Anforderungen an die Nebenräume wie Müllraum, Fahrrad- und Kinderwagenabstellplätze ungenügend oder gar nicht gelöst. Die Auswirkungen seien aus Sicht der Jury negativ: „Verhüttelung der Freiflächen; Verhinderung einer Entlastung des PKW-Verkehrs durch Fahrräder; generelle Unterschätzung von Nebenräumen für die Wohnqualität“. Das generelle Thema „grüne Mitte Linz / hängende Gärten“ werde zunehmend durch die Verknappung der Wohnbauförderungsmittel beeinträchtigt.

Aber auch für die Architekten war das Projekt unter den gegebenen Umständen eine Herausforderung, wie Architekt Andreas Dworschak betont: „Durch die geltenden Wohnbauförderungsrichtlinien und vor allem durch den Wirtschaftlichkeitsbeirat – Stichwort Planungskatalog - mussten wesentliche gestalterische Einbußen gegenüber dem Wettbewerbsbeitrag hingenommen werden. So wurden beispielsweise alle Fassadenbegrünungen gestrichen.“


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