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Alle Fotos: ISOLAR Glas Beratung
Mit ihrer Architektur setzt die neue Zentralbibliothek der Universität Marburg einen Akzent im Stadtbild der mittelhessischen Stadt. Gleichzeitig fügt sie sich gekonnt in die historische Kulisse ein.
Alle Fotos: ISOLAR Glas Beratung

Mit der neuen zentralen Bibliothek der Universität Marburg hat die mittelhessische Stadt ein weiteres architektonisches Highlight erhalten.

An Büchern führt auch im 21. Jahrhundert kein Weg vorbei, und längst sind Bibliotheken weit mehr als reine Bücherspeicher. Sie haben sich zu attraktiven und hellen Orten des Lernens gewandelt. Dies zeigt besonders eindrucksvoll der Neubau des zentralen Bibliotheksgebäudes der Philipps-Universität Marburg. Seit Sommer 2018 beherbergt es auf einer Fläche von rund 18.500 Quadratmetern mehr als 3,2 Millionen Medien. Insgesamt neun geistes- und sozialwissenschaftliche Bereichsbibliotheken mit insgesamt 25 Außenstellen sowie der Bestand der bisherigen Zentralbibliothek haben nun ein gemeinsames Dach auf dem „Campus Firmanei“ der Sozial- und Geisteswissenschaften. Ein Neubau war auch deshalb notwendig, da die 1967 fertig gestellte bisherige Zentralbibliothek nicht mehr den Anforderungen an modernes universitäres Schaffen entsprach. Beispielsweise fehlten in dem Altbau Gruppenarbeitsräume sowie Computerarbeitsplätze.

„Die Bibliothek versteht sich nicht nur als Ort des stillen Lernens. Wir wollten Räume und Arbeitsplätze schaffen, um Kommunikation und wissenschaftliche Interaktion zu ermöglichen“, erläutert Dr. Susanne Saker, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit in der Universitätsbibliothek. Dem tragen auch die sogenannten Lounge-Bereiche Rechnung; ausgestattet mit Sesseln und Sofas, sollen sie dem Arbeiten in entspannter Atmosphäre sowie als Kommunikationsorte dienen.

 

Mit dem Gebäude ist es dem Architekturbüro Sinnig aus Darmstadt gelungen, einen Akzent im Zentrum der traditionsreichen Stadt zu setzen, der sich dennoch harmonisch in seine Umgebung einfügt. So orientiert sich der viergeschoßige Neubau in seiner Höhe an den historischen Nachbarbauten und greift deren Farbgebung auf: Die Sandsteinfarbe der Elisabeth-Kirche sowie des Schäferbaus findet sich wieder; der helle Putz angrenzender Gründerzeitbauten bestimmt die Farbigkeit der Fassaden.

Einen außergewöhnlichen Blickfang setzt dabei die Glasfassade der Eingangshalle. Gemeinsam mit dem Glasdach bildet sie das zentrale Element des Entwurfs. Sie durchschneidet das lang gestreckte Gebäude diagonal und formt dabei eine Passage, die den Zugang zum Inneren der Bibliothek ermöglicht. Als markanter Durchgang ist aber auch ein gern genutzter Verbindungsweg zwischen der Stadtkirche St. Elisabeth und dem alten botanischem Garten. Damit fungiert das Atrium als ein Bindeglied zwischen universitärem Campus und öffentlichem Raum.

Eine solch imposante Verglasung sorgt für ein lichtdurchflutetes Inneres, birgt aber auch eine Gefahr: Vogelschlag. Denn anders als Menschen nehmen Vögel konventionelles Glas nicht als Hindernis wahr. Um dies zu verhindern, kam beim Bau der Universitätsbibliothek das Vogelschutzglas Ornilux mikado A70 von Isolar zum Einsatz. Das Glas verfügt über eine filigrane Beschichtung, die an ein Spinnennetz erinnert. Für den Menschen ist sie nahezu unsichtbar. Vögel jedoch sehen die Struktur und erkennen dadurch das Hindernis. Die schützende Wirkung wurde in Anflugtests in sogenannten Flugtunnelanlagen bereits vielfach bestätigt.

Insgesamt 1300 Quadratmeter hat der Isolar-Partner Hunsrücker Glasveredelung Wagener für die verglaste Fläche der neuen Bibliothek geliefert. Eine Besonderheit stellt dabei die Dachkonstruktion dar. Sie ist als Stahl-Gitternetztragwerk in einer geschwungenen organischen Form mit quadratischen und rechteckigen Glasfeldern konzipiert. Da Glas bis zu einem gewissen Grad flexibel ist, ließen sich die prinzipiell ebenen Scheiben problemlos der leicht gekrümmten Form der Tragstruktur anpassen. Nur an wenigen sehr stark gekrümmten Gefachen mussten sie mit den Klemmtellern in die Dichtung hineingezogen werden.

Die Struktur liegt Stahlrandträgern auf, die der Dachform folgen. Knapp 20 Meter hohe Stahlsäulen hinter der vertikalen Fassade stützen die Konstruktion. Für die Umsetzung des geometrisch komplexen Stahl-Glas-Aufbaus waren die Experten der Roschmann Group zuständig. Michael Skopp, technischer Leiter bei Roschmann, erläutert: „Wir haben die gesamte Tragstruktur der vorgefertigten Elemente des Dachs in unserem Werk in Gersthofen vorgefertigt. Das Zusammenschweißen erfolgte dann vor Ort in Marburg.“ Daher bildet die Dachkonstruktion eine einzige Einheit. „Es gibt zwar Losbrech- und Bewegungspunkte sowie Anschlussfugen zu den benachbarten Bauteilen, aber alle vertikalen und horizontalen Elemente der Gesamtstruktur aus Fassade und Dach hängen zusammen“, ergänzt Skopp. Durch dieses Konstruktionsprinzip ergeben sich auch Vorteile in der Längsversteifung.

Mittlerweile ist die Universitätsbibliothek auch eine gern fotografierte Sehenswürdigkeit im Stadtbild Marburgs, wie Dr. Susanne Saker bemerkt: „Hier ist ein echtes architektonisches Highlight entstanden.“ Das mittlerweile übrigens einen eigenen Eintrag im Online-Lexikon Wikipedia hat. Auch Saker selbst arbeitet sehr gerne in den neuen Räumlichkeiten und hat aus ihrer Beobachtung das Gefühl, dass die Studierenden die lichte Offenheit des Gebäudes zu schätzen wissen.


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