337 Projekte
© Adolf Bereuter
Der Schulcampus Schendlingen beherbergt eine Volks- und Mittelschule mit ganztägiger Schulform, die auch das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen berücksichtigt.
© Adolf Bereuter

Lernen, wohnen, arbeiten

Schulcampus Schendlingen, Bregenz // Architekten Bär/Riegger/Querformat

Brutalismus und Wohlfühlatmosphäre? Nackte Betonwände und Kuschelpädagogik? Geht das denn zusammen? Der neue Schulcampus im Bregenzer Stadtteil Schendlingen wird das noch beweisen müssen. Er ist erst seit dem Wintersemester 2017/18 in Betrieb. Volks- und Mittelschüler werden das Gebäude, das vollständig mit unbehandeltem und rohem Material – neben Sichtbeton sind das sägeraue Esche, Weißtanne, Filz, Glas, geschliffener Estrich – errichtet wurde, nach und nach in Besitz nehmen und, so ist zu hoffen, sich dort wohlfühlen.

Der Schulcampus Schendlingen ist der erste seiner Art, weitere derartige Clusterschulen sind für Bregenz geplant. Ausgangspunkt für die Idee einer Bildungslandschaft waren die sich verändernden gesellschaftlichen Umstände, die einen erweiterten Bildungsbegriff notwendig machen. Die ganztägige Schulform, die auch das Freizeitverhalten von Kindern und Jugend­lichen berücksichtigt, bietet in diesem Stadtteil, in dem 65 Prozent der Schüler eine nichtdeutsche Mutter­sprache haben, einen Lern- und Lebensraum für die sechs- bis 14-Jährigen.

Klare Gliederung des öffentlichen Raums

Der von den Vorarlberger Architekten Matthias Bär, Bernd Riegger sowie Gerald Amann, Paul Steurer und Stefan Kopecny von Querformat geplante Neubau hat auf diese neuen Anforderungen an eine Schule – neben dem Lernen auch Freizeit und Arbeitsplatz zu bieten – mit einem als Schul-, Wohn- und Bürohaus konzipierten Hybriden geantwortet. Das Team gewann den 2014 von der Stadt Bregenz ausgelobten Realisierungswettbewerb mit einem Konzept, den Bauplatz als Freifläche zwischen der südlichen kleinmaßstäblichen Einfamilienhaussiedlung und einer monotonen Siedlungsstruktur der nördlich angesiedelten bis fünfgeschoßigen Wohnbauten zu begreifen. Das dreigeschoßige kompakte Schulgebäude, das mit der bestehenden Sporthalle ein neues Ensemble bildet, sitzt mitten in einem Parkraum mit daraus resultierenden vorgelagerten Plätzen und Grünflächen. Durch diese Konstellation ergibt sich eine klare Gliederung des öffentlichen Raumes mit drei Solitären: Turnhallenvolumen, Schulhaus und Kirchengebäude.

Die zwischen den Volumen entstehenden Platzfolgen sind als Verbindung von der Gemeinde zum Vorplatz bis hinein ins Zentrum der Schule entwickelt. Die Übergänge der Bereiche sind subtil herausgearbeitet. Die Sitzstufen am Rande des Sportplatzes wirken als Zäsur zum Vorplatz der Schule, der zu einem gedeckten Eingangsbereich für die Turnhalle und die Schulanlage und hinein in einen zentral belichteten mehrgeschoßigen Raum der Gesamtschule führt.

Differenzierte Sicht, rohe Materialien

Diese mehrgeschoßige Aula bildet den zentralen Kern und Verteiler im Gebäude, gliedert aber auch den westlichen Volksschul- und Mittelschulteil. Sämtliche Departments sind direkt an die Aula und deren große Lufträume angebunden. Dadurch sind kurze Wege und eine gute Vernetzung gegeben. Ein Großteil der Bereiche wird von Raum zu Raum erreicht, die wenigen Erschließungszonen sind kurz und breit dimensioniert und verfügen über viel Tageslicht sowie Sicht- und Außenbeziehungen. Differenziert werden die Sichtbeziehungen durch unterschiedliche Belichtungsarten, Materialien und semitransparente Screens. Dieses Prinzip des Zusammenspiels zwischen den Klassenräumen wurde von der Jury unter dem Vorsitz des Architekten Reinhold Wetschko im Wettbewerb lobend hervorgehoben, ebenso die vertikalen Kommunikationsbereiche über die Außenraum- und Innenraumhöfe.

Der hellgraue Sichtbeton, der bei der zweischaligen Betonkonstruktion mit Kerndämmung, der Fassade und den Brüstungen im Aulabereich dominiert, wird konsequent in brutalistischer Tradition vom hellen, unbehan­delten Holz der Fenster- und Türrahmen, der Pfosten-Riegelverglasungen, der Holzböden in den Innenräumen und Terrassen sowie der Deckenverkleidungen in den Gängen und Allgemeinräumen ergänzt. In den Klassenräumen sorgen hochkant im Deckenbereich montierte, in hellgrauen Filz gekleidete Akustikpaneele, sogenannte Baffels, für Schalldämmung und sind zugleich Gestaltungselement. 

Projekt
Schulcampus Schendlingen, Wuhrwaldstraße 26, 6800 Bregenz

Bauherr
Landeshauptstadt Bregenz

Architektur
Architekt Matthias Bär ZT GmbH, Dornbirn (Entwurf)
baer.studio

Architekt Bernd Riegger ZT GmbH, Dornbirn
berndriegger.com

Querformat ZT GmbH, Dornbirn
querformat-zt.com

Tragwerksplanung
DI Manfred Plankel, Bregenz

Projektdaten
Schultyp: Volks- u. Mittelschule, 8 Cluster mit je 3 Klassen pro Jahrgang
Grundstücksfläche: 12.700 m²
Überbaute Fläche: 3.355 m² Neubau (+ ca. 1.685 m² best. Turnhalle)
Nettonutzfläche: 6.920 m² Neubau (+ca. 2.490 m² best. Turnhalle)
Bruttogeschoßfläche: 9.035 m² Neubau (+2.750 m² best. Turnhalle)
Bruttorauminhalt: 36.975 m³ Neubau (+18.000 m³ best. Turnhalle)
Baukosten: ca. € 24.000.000,– netto

Projektablauf
Wettbewerb 06/2014
Ausführung  2015-2017
Wettbewerbsdokumentation: ARCHITEKTURJOURNAL / WETTBEWERBE 5/2014 (315)


Der ecoplus Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich entwickelte ein Rechenmodell zur Prognose des Schallschutzes von ein- und mehrschaligen…

Weiterlesen
© Peter Oswald & Daniel Sostaric
Menschen

STUDIO WG3

„It‘s all about details.“

Weiterlesen
© Martin Steiger

Klaus Baringer heißt der neue Obmann des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV).

Weiterlesen
Alle Fotos: © Chris Mavric

Bei der Generalsanierung des Wiener Gartenbaukinos stand die Rückführung in den von Robert Kotas 1960 hinter­lassenen Originalzustand im Vordergrund.…

Weiterlesen
Foto: Felix Pitscheneder © Peikko

In den Vorhallen der hinduistischen Tempel ist jede Säule ein Einzelstück. So ist es auch in der offenen Säulenhalle STOA169 in der Nähe des…

Weiterlesen
Alle Fotos: © Karin Lernbeiß

Graz Museum Schlossberg / Studio WG3

Weiterlesen
© Architekturbüro Reinberg

„Architektur für eine solare Zukunft“

Weiterlesen
© vic schwarz

„Europe 40 under 40“ Award für Oliver Steinbauer

Weiterlesen
© ÖFM/Bruno Klomfar

Das Kino ist eine Maschine. Es funktioniert am besten, wenn es unsichtbar ist, so die These Peter Kubelkas. Denn je mehr Aufmerksamkeit und Farbe der…

Weiterlesen
Alle Fotis: © bause tom - photography

Musikpavillon Finkenberg (Tirol) / ATP architekten ingenieure

Weiterlesen

Abonnement und Mediadaten

Sie wollen die führende österreichische Fachzeitschrift kennen lernen?
Sie wollen sich über Erscheinungstermine, Schwerpunkte und Werbemöglichkeiten informieren?

Hier sind Sie richtig.  

Abonnement

Mediadaten

Anmeldung zum Newsletter

Frau / Mrs  Herr / Mr