Projekte

Kubische Skulpturen aus Ziegel

© Thomas Mayer
Der dreigeschoßige Anbau in einem Frankfurter Hinterhof schließt ohne Berührungsängste an die jahrhundertealten Steinschichten an.
© Thomas Mayer

Bereits zum fünften Mal wurde heuer der Deutsche Ziegelpreis vergeben. Die beiden Siegerprojekte geben architektonisch überzeugende Antworten auf Fragen des Klimawandels, der Ressourcenverknappung und der sich ändernden Nutzeranforderungen. Sie prägen den öffentlichen Raum zukunftsweisend.

Stylepark Neubau am Peterskirchhof, Frankfurt am Main / NKBAK Architekten, Frankfurt
Das Siegerprojekt in der Kategorie „Mehrschalige Bauweise“ ist ein dreigeschoßiger Anbau in einem Hinterhof mitten in Frankfurt. An der Rückseite zeigt sich der Baukörper als kubische Skulptur und grenzt direkt an die Friedhofsmauer zu dem kulturhistorisch bedeutsamen Peterskirchhof an. Dieser dient heute den Quartierbewohnern als schöner, kleiner Ruhegarten. Die denkmalgeschützte Friedhofsmauer bildet den öst­lichen Abschluss des Baugrundstücks und liefert einen wesentlichen Impuls für den architektonischen Entwurf: Die Autoren lassen den Neubau gewissermaßen aus dieser Mauer herauswachsen, so baut das Neue – ganz wörtlich – auf dem Bestehenden auf.
Die Fassadentextur des Neubaus schließt ohne Berührungsängste an die jahrhundertealten Steinschichten an. Der diffizile Übergang wurde mit einer stillen Behutsamkeit gemeistert, die nachhaltig begeistert. Dahinter steht eine ganze Reihe technischer und gestalterischer Besonderheiten: Für die tragenden Außenwände wurden großformatige Ziegel gewählt, während das Sichtmauerwerk aus verschiedenen Steinformaten horizontal geschichtet ist, um die textile Haptik des Verbandes herauszuarbeiten. Auch in der Abstimmung der Farbigkeit wurde der Ton dermaßen gut getroffen, dass sich der Neubau ganz selbstverständlich in die Umgebung einblendet. Beispielhaft wird vorgeführt, wie es mit dem Baustoff Ziegel gelingen kann, verschiedene Zeitschichten miteinander in Verbindung zu bringen. Alt und Neu sind nahtlos miteinander verwoben, sodass man nichts mehr wegnehmen oder hinzufügen möchte.

Rathaus mit Sitzungssaal Dorfen / Diezinger Architekten, Eichstätt
Dorfen, eine Stadt ca. 45 Kilometer von München entfernt, erhielt ein unprätentiöses Rathaus direkt am Rathausplatz. Das Baufeld: eine Baulücke in der historischen, denkmalgeschützten Stadtmitte eines gewachsenen Ensembles. Auf engstem Raum hat sich der Ersatzneubau beeindruckend unaufgeregt in die Umgebung eingefügt. Das zeitgemäße und klar gezeichnete Bauwerk schafft es gekonnt, zwischen den unterschiedlich hohen Bürgerhäusern zu vermitteln. Mit dem abgestuften Baukörper gelingt es trotz der beengten Lage, Ansprüchen wie Ästhetik, Individualität und Qualität eines öffentlichen, repräsentativen Gebäudes nachzukommen.
Aus dem zentralen Foyer im Erdgeschoß werden die Büros der Stadtverwaltung und auch der Sitzungs- und der Tagungsraum, welche im obersten Geschoß platziert sind, über eine gestaffelte Treppe erschlossen. Dieser kaskadenartige Versatz der Erschließung in Kombination mit dem dreigeschoßigen Lichthof stellt, trotz der tiefen Grundrisse, eine natürliche Belichtung im Gebäudeinneren sicher.
Ruhig und präzise ist die ausgewogen proportionierte Putzfassade. Ihre Kratzputzstruktur mit Dünnfilzputz korrespondiert sehr gut mit den benachbarten Fassaden­oberflächen. Die Fensteröffnungen sind rhythmisch platziert und sorgfältig mit schrägen Laibungen gestaltet, welche Blickbezüge zum nahe gelegenen Marktplatz ermöglichen. Durch tief in der Ebene liegende Fenster, Nachtauskühlungselemente aus eloxiertem Aluminiumlochblech und dezent abgesetzte ­Putzfaschen gewinnt die Fassade an Lebendigkeit und Plastizität. 

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Best High-Rises 2022/23

Datum: 10. November 2022 bis 22. Januar 2023
Ort: Deutsches Architekturmuseum, Schaumainkai 17, 60594 Frankfurt am Main

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