335 Wettbewerbe

Konzerthaus ­München, D

© Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH
1. Platz: Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH
© Cukrowicz Nachbaur Architekten ZT GmbH

Auslober: Freistaat Bayern, vertreten durch Staatliches Bauamt München 1, Peter-Auzinger-Straße 10, 81547 München, Deutschland

Gegenstand des Wettbewerbs
Gegenstand des Wettbewerbes ist ein architektonischer Entwurf für das neue Konzerthaus in München.

Art des Wettbewerbs
Nichtoffener Realisierungswettbewerb

Preisgerichtssitzungen
26. und 27. Oktober 2017

Preisgericht
Fachpreisrichter: Prof. Markus Allmann (München), Ltd. BD Kurt Bachmann (Leiter Staatliches Bauamt München 1), Kai-Uwe Bergmann (New York/Kopenhagen), Prof. Hannelore Deubzer (München), MDirig Friedrich Geiger (Leiter Abteilung Staatlicher Hochbau, Oberste Baubehörde, München), Prof. Finn Geipel (Paris/Berlin), Prof. Harry Gugger (Basel), Prof. Hubert Hermann (Wien/Leipzig), Prof. Hermann Kaufmann (München), Prof. Ulrike Lauber (München/Berlin), Prof. Arno Lederer (Stuttgart), Josef Peter Meier-Scupin (München), Prof. Dr.(I) Elisabeth Merk (Stadtbaurätin, Landeshauptstadt München)
Sachpreisrichter: Horst Seehofer (Bayerischer Ministerpräsident), Joachim Herrmann (Bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr), Dr. Markus Söder (Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat), Dr. Ludwig Spaenle (Bayerischer Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissen­schaft und Kunst), MD Dr. Peter Müller, Leiter der Lenkungsgruppe Konzert­saal (Amtschef Bayerisches Staats­ministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst), Dieter Reiter (Oberbürgermeister der Landeshauptstadt München), Bettina Messinger, Stadträtin (Stadtratsfraktion SPD, München), Hans Podiuk (Stadtrat, Stadtratsfraktion CSU, München), Robert Kulzer (Vorsitzender 14. Bezirksausschuss und Vorsitzender Unterausschuss Planung, Bau, München), Ulrich Wilhelm (Intendant Bayerischer Rundfunk, München), Prof. Dr. phil. Bernd Redmann (Präsident Hoch­schule für Musik und Theater, München), Werner Eckart (Geschäftsführer OTEC, München)

Preisgelder
Preisgeldsumme: € 500.000,– (netto)
1. Preis: € 125.000,–
2. Preis € 100.000,–
3. Preis € 75.000,–
4. Preis € 60.000,–
5. Preis € 40.000,–
4 Anerkennungen: je € 25.000,–

Weitere Teilnehmer (Auszug)
3XN AS, Staab Architekten, Henning Larsen Architects, Zaha Hadid Architects, Mecanoo International, Christ & Gantenbein, Baumschlager Eberle Architekten, Riegler Riewe Architekten, Herzog & De Meuron, ­Snøhetta, Atelier Jean Nouvel, Portzamparc. 

1. Preis
Projekt 2026
Cukrowicz Nachbaur ­ArchitektenZT GmbH, Bregenz
Gegründet 1996
cn-architekten.at

Verfasser: Andreas Cukrowicz, Anton Nachbaur-Sturm
Mitarbeiter: Martin Ladinger, Michael Mayer, Tobias Beyrer, Johanna Brunner, Gregor Benz, Dominik Hofstetter

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
„Die Besinnung auf das Wesentliche, die Grundtugend von Qualität und Anspruch braucht kein Spektakel“, so beschreiben die Verfasser der Arbeit ihren neuen Stadtbaustein, der in fast archaischer Gebäudeform kraftvoll und prägnant im heterogenen Umfeld des Werksviertels steht. Komplett in Glas eingehüllt wird die herausragende Höhe (45 m) durch das Zurückweichen der Baumasse in den oberen Geschoßen verträglich und wirkt gut ein­gepasst sowie unverwechselbar und bedeutend. Rundherum hat das Gebäude nur Vorderseiten, kann mit seiner Nachbarschaft kommunizieren. Die Wirkung bei Nacht könnte die eines schimmernden Leuchtkörpers sein, der das neue Konzerthaus deutlich und weithin sichtbar macht. Der Vorplatz führt direkt zum durch eine Einprägung sehr zurückhaltend formulierten Eingang; hier stört leider die direkt daneben angeordnete und nach vorne orientierte Tiefgarageneinfahrt. Man fragt sich, ob der niedrige Zugang ein ausreichend deutliches Willkommen ausdrücken kann. Im Inneren überzeugt das Konzept durch die klare Zonierung. Das Foyer im EG ist vom Stadtplatz aus durchgeführt über den Vorbereich des kleinen Saales bis hin zum einladenden Restaurant am Stadtpark, ein Bezug zur Umgebung wird hierdurch positiv aufgenommen. Ein weiterer Veranstaltungsbereich für spezielle Anlässe liegt in pro­minenter Höhenlage im obersten Stockwerk mit Panaromablick. In den oberen Ebenen sind die öffentlichen und die Backstage Bereiche sind gleichwertig und fast mittig getrennt. Die Foyer Bereiche auf den verschiedenen Ebenen sind sehr einladend und attraktiv, und über Rolltreppen und Aufzüge komfortabel erschlossen. Die Aufteilung der Foyers und die Besucher­führung sowie die Anordnung der Garde­roben ist überzeugend ...

 

2. Preis

Projekt 2019
PFP Planungs GmbH, Hamburg (D)
Gegründet 1986
pfp-architekten.de

Verfasser: Architekt Prof. Jörg Friedrich

Mitarbeiter: Götz Schneider, Friedrich Benter, Christoff Oltmann, Nils Klinkmann, Tolga, Bulutcu, Detlef Junkers

Beurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
Das Objekt setzt einen städtebaulichen Akzent dadurch, dass die einzelnen Funktionen (Säle/Bereiche) spezifische Bauvolumen formulieren, die von außen ablesbar sind. So entsteht eine räumliche Verzahnung des Objektes mit der Umgebung. Durch die plastische Ausformung tritt das Objekt in ein dialogisches Verhältnis zu den benachbarten Baukörpern im Werksviertel (Hochhaus u.a.). Das Objekt ist durch seine Dimen­sionen weithin sichtbar und durch seine skulpturale Expressivität ausstrahlungskräftig. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal des Objektes. Der Hauptzugang erfolgt vom Vorplatz aus und ist deutlich durch einen Einschnitt in den Hauptbau­körper akzentuiert. Zugleich wird eine Verbindung zum Piusanger hergestellt. Der Werkstatt-, Hochschul- und Education-­Bereich ist diagonal zum Haupteingang vom südlichen Platz aus separat zugänglich. Das Anfahrts- und Anlieferungskonzept für LKWs funktioniert in der vorgelegten Form nicht und ist zu überarbeiten. Der nördliche Platz ist versiegelt und gewinnt dadurch eher urbanen Charakter; im Gegensatz dazu scheint der südliche Platz Abschluss einer Grünachse zu sein. Dies suggeriert einen Campuscharakter für den Education-Bereich ...

3. Preis

Projekt 2013
David ­Chipperfield Architects Gesellschaft von ­Architekten mbH, Berlin (D)
Gegründet 1985
davidchipperfield.com

Verfasser: Alexander Schwarz
Mitarbeiter: Annette Flohrschütz, Alexander Bellmann, Bernhard Danigel, Dalia Liksaite, Nabih Salmoun, Lion Schreiber

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
Gestapelte Räume, ein Gebäude, das sich einer typologischen Aussage entzieht, ein umgestülptes Ding – das steht bei diesem Entwurf für die außerordentliche neue Kultur­einrichtung in einem räumlich unbestimmten Umfeld. Die in Beton gegossene Landschaft ist zweifelsohne signifikant und robust: ein Statement. Die Arbeit zeigt Präsenz, eine spannende Balance zwischen Ausstrahlung und Unbekümmertheit, Leichtigkeit – denn die Begehbarkeit des Bauwerks von außen durch Rampen bis auf die oberste Plattform ist im Städtischen ungewöhnlich, irgendwie doch einladend – eine Option auf ein kulturell lebendiges Umfeld. Eine eigentliche Fassade wird durch eine regelmäßig durchbrochene Beton-Glasstruktur ersetzt. Die Verteilung der Funktionen im Inneren ist sauber durchdekliniert. So liegen die Bereiche der Hochschule direkt zugängig im Erdgeschoß. Dadurch werden die Alltagsbereiche der Musikstudierenden auf kürzestem Wege erreichbar. Die Besucher werden am Erdgeschoß vorbei über einen knappen Eingang schnell in das erste Obergeschoß gehoben, über Rolltreppen und zwei Aufzugsgruppen. Ob sie für die große Anzahl der Besucher ausreichen, wird jedoch bezweifelt. Dort angekommen erklärt sich das Raumwerk, das den zentralen Konzertsaal beherbergt quasi von selbst ...

4. Preis

Projekt 2011
3XN AS, Kopenhagen (DK)
Gegründet 1986
3xn.com

http://www.3xn.comVerfasser: Kim Herforth Nielsen, Jan Ammundsen
Mitarbeiter: Jesper Bork, Audun Opdal, Christian Brink, Jes Tonsgaard, Nicholas Rawitscher Torres, Kenn Clausen, Andrea Baresi, Sang Yeun Lee, Aleksandre Andghuladze

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
Es handelt es sich um einen faszinierenden Entwurf mit starker ästhetischer Wirkung. Die sehr spezielle Fassade, die wie ein geworfenes Tuch wirkt, lässt den kulturellen Ort sofort erkennen. Alle drei Aufführungsorte sind schon von außen klar lesbar und haben jeweils großes Gewicht. Die Fassadenstruktur schafft ein einzigartiges Erlebnis und öffnet sich am Haupteingang an der Längsseite dem Besucher. Auch das dort angesiedelte Eingangstreppenhaus schafft große Erwartung. Der Entwurf überzeugt weiter durch eine gute Aufteilung in öffentlichen und nichtöffentlichen Bereich. Der große Saal überzeugt mit seiner geschwungenen Anmutung. Das Café ist klug platziert, macht Lust zum Verweilen; auch die Büros sind gut strukturiert. Die ästhetisch an sich überzeugende Anordnung der drei Säle nebeneinander auf einer Ebene führt allerdings zu einer erheblichen Problematik der Erschließung. Der Foyer-Bereich im Obergeschoß birgt gravierende Schwierigkeiten, da mit einer extremen Ballung der Publikumsströme zu rechnen ist, die für Großen und Kleinen Saal am Absatz der Eingangstreppe zusammenlaufen. Der Entwurf bietet zwar eine zweite Zugänglichkeit für den Kleinen Saal an (über eine separate Treppe zwischen Kleinem Saal und Werkstatt), angesichts der zentralen Treppe des Haupteingangs ist allerdings nicht damit zu rechnen, dass die Besucherstromlenkung im gewünschten Umfang gelingt. Das herausragende Projekt zeigt über alle Aspekte sehr gute akustische Voraussetzungen. Der Große Konzertsaal hat ein sehr hohes akustisches Potenzial. Bei der akustischen Detailplanung des Großen Konzertsaals sollte ein besonderes Augenmerk auf die frühen seitlichen Reflexionen und die Gestaltung der Bühne (Chor) gelegt werden. Auch ist das Konzertpodium erheblich zu klein (entspricht etwa der Tiefe des Herkulessaals), das Chorpodium ist in der vorgeschlagenen Form nicht funktional. Die Vorgabe von maximal 20 % der Zuschauerplätze hinter der vorderen Podiumskante wird überschritten. Zudem ist der Bühnenzugang sehr beengt. Allgemein ist die Backstage-Erschließung beschränkt bzw. nicht vorhanden (speziell beim Kleinen Saal) ...

5. Preis

Projekt 2004

Staab Architekten GmbH, Berlin (D)
Gegründet 1991
staab-architekten.com

Verfasser: Prof. Volker Staab
Mitarbeiter: Petra Wäldle, Simon Banakar, Franziska Ebeler, Jamie Queisser, Georg Hana, Tom Zumdick, Julia Zillich

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
Das Projekt bezieht sich ausdrücklich in Form und Struktur auf die bauliche Geschichte des Werksviertels. Es verweist auf eine industrielle und seriell geprägte Ästhetik, arbeitet jedoch dieser durch differenziert gestaltete Oberflächen gleichzeitig entgegen. Zurückhaltung, eine präzise Setzung im Stadtraum und ein aus den konstruktiven Absichten resultierender Ausdruck sind die prägenden Merkmale des Konzeptes. Diese Haltung kann auf den ersten Blick überzeugen. Zugunsten einer Aufnahme der Baufluchten nutzt das Gebäude überraschend nicht den möglichen Bauraum und offeriert damit großzügige Freiräume. Die kontextuelle Einordnung gelingt dadurch im Hinblick auf das Volumen in überzeugender Weise. Diese Schlankheit des Baukörpers hat aber ihren Preis, da damit für die Funktion des Gebäudes selbst erhebliche Einschränkungen verbunden sind. Die Barrierefreiheit muss punktuell überarbeitet werden. Die Tiefgaragenzufahrt ist eine trennende Öffnung im Stadtraum und auch die gesamte Anlieferungssituation kann in der dargestellten Form nicht akzeptiert werden und müsste umfänglich überarbeitet werden. Die, durch die konstruktive und organisatorische Struktur betonte Orientierung in der Längsachse, widerspricht zum Teil der beabsichtigten Öffnung nach allen Seiten des Werksviertels. Die Längsfassaden sind zu einem großen Teil durch notwendige funktionale bauliche Elemente belegt und konterkarieren die multilaterale Orientierung. Die äußere Erschließung ist selbstverständlich, die Hauptzugänge werden durch das große, stützenfreie und die gesamte Bauwerksbreite einnehmende Portal adäquat abgebildet. Weitere Zugänge ergeben sich durch die Rhythmisierung der Tragstruktur. Diese Multilateralität der Zugänge und der transitorische Charakter der Foyer-Ebene werden vom Preisgericht besonders gewürdigt. Die Verfasser schlagen mit dem Foyer ein Territorium vor, welches als Feld mit unterschiedlichsten Veranstaltungen relativ flexibel bespielt werden kann. Mit dieser Intention entspricht das Projekt den Erwartungen an Öffnung und Öffentlichkeit des Foyers zum urbanen Raum. Fast alle notwendigen Serving-Spaces, Shops etc. werden an den beiden längsseitigen Konstruktionszonen passgenau angeordnet, jedoch sind Garderoben und WC-Anlagen für die Besucher in der Lage 1. Untergeschoß und auch im Raumzuschnitt und Raumfluss nicht adäquat angeordnet und nicht selbstverständlich erfahrbar. Der vorgeschlagene kleine Zugang zum Parkett des großen Saales wird in dieser Form nicht möglich sein. Die Raumqualität der Erschließungen, wie auch die Führung des Publikums zum großen und kleinen Saal wie auch im weiteren Verlauf zu den Rängen sind noch nicht befriedigend gelöst. Auch wäre eine größere Transparenz der Besucherzonen vom 1. Untergeschoß bis zum 2. Obergeschoß wäre im Haus wünschenswert. Bis auf die punktuelle Deckenöffnung des großen Wendeltreppenraumes zum Tageslicht sind die wesentlichen Besucherzonen vor den Sälen und dem Werkstattbereich im 1. und 2. Obergeschoß vom Tageslicht und von Sichtbezügen nach außen, aber auch von außen nach innen weitgehend abgeschlossen. Die Aufenthaltsqualität ist dadurch deutlich eingeschränkt. Der im Foyer frei eingestellte große Saal wirkt angesichts der schmalen Kubatur teilweise eingezwängt. Die Entfluchtung des großen Saales im Erdgeschoß durch das Foyer ist nicht nachgewiesen. Die allseitige Transparenz zum Foyer wird seitens des Preisgerichts kontrovers diskutiert und bewertet. Die rationale Anmutung des Saales entspricht eher einem Plenarbereich, der durch hohe Brüstungen abgetrennte Chorbereich funktioniert nicht. Generell wird von Nutzerseite kritisiert, dass die Räume für die Künstler und Dirigenten zu weit voneinander entfernt sind. Das Projekt basiert auf einem guten akustischen Konzept, welches beim Großen Konzertsaal sehr innovativ ist. Allerdings erfordert die Verglasung im EG bezüglich Schallstreuung eine deutliche Überarbeitung. Das Volumen sollte etwas reduziert werden. Der Schallreflektor kann die Sichtlinien beeinträchtigen, was akustisch bedeutsam ist.  Das Tragwerk erscheint plausibel, die benötigten Geschoßflächen liegen im oberen, die Wirtschaftlichkeit im mittleren Bereich. Energietechnisch hat das Gebäude keine spezifischen Merkmale, gehört aber im Vergleich zu den besseren Beiträgen. Das Projekt ist ein wertvoller Beitrag zur gestellten Aufgabe, der aber leider nicht in Gänze die, in einem zurückhaltenden Ausdruck im Äußeren, zugunsten einer räumlichen Opulenz im Inneren, liegende Möglichkeit nutzt.

Anerkennung

Projekt 2009

Henning Larsen Architects a/s, Kopenhagen (DK)
Vertreten durch Mette Kynne Frandsen
Gegründet 1959
henninglarsen.com

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
Der Hauptbaukörper wird in Form und materieller Erscheinung in den Charakter des Werksviertels eingebunden. Die gewählte Dachform gliedert dabei den Baukörper und lässt ein sehr eigenständiges Bild entstehen. Mit dem vorgelagerten Riegel – vom Verfasser „Produktionsgebäude“ genannt – wird an der Südwestseite ein völlig eigenständiges Element eingeführt, dessen Begründung nicht überzeugt, insbesondere weil die Separierung funktionale Defizite erzeugt. Der Entwurf erscheint durch die Gebäudeform, die prägnante Farbigkeit und Materialität einprägsam. Die Ausnutzung des kompletten Grundstücks erzeugt räumliche Enge am Vorplatz. Ein Rücksprung im Erdgeschoß schafft im Eingangsbereich eine überdachte Aufweitung des Platzes. Der Gebäudezugang ist dabei aber nicht klar gelöst. Die formulierten Vorstellungen zur Landschaftsgestaltung des Vorplatzes mit großformatigen Ortbetonplatten ist interessant, wobei die Funktionsfähigkeit überprüft werden müsste. Die räumliche Qualität des erdgeschoßigen Foyers, sowie die Wegführung ins Obergeschoß sind einem Konzerthaus dieser Größe und Bedeutung nicht angemessen. Die Idee zweier separater Zugänge am Vorplatz und im Bereich des Zentralparks schafft eine eigene Adresse für den kleinen Saal, die innere Wegeführung zwischen den beiden Zugängen überzeugt aber nicht. Tiefgaragenzufahrt und Anlieferung weisen deutliche Mängel auf. Der große Saal mit einer klaren Weinberg-Konfiguration erzeugt eine angenehme und spannungsvolle Atmosphäre. Er wirkt jedoch im gesamten Grundriss überproportioniert und reduziert das südwestlich gelegene Foyer auf Restflächen. Der Entwurf des kleinen Saales zeigt vielfältige technische Gestaltungsmöglichkeiten auf und bietet die Möglichkeit den Raum mit Tageslicht zu versorgen. Chorprobensaal und Werkstatt überzeugen ebenfalls durch natürliche Belichtung Das Projekt zeigt über alle Aspekte sehr gute akustische Voraussetzungen. Der Große Konzertsaal hat ein sehr hohes akustisches Potenzial. Das Volumen sollte jedoch deutlich reduziert werden.  Die Anordnung des Foyers entlang der Glasfront an der Atelierstraße erscheint zunächst schlüssig. Die Ausgestaltung entbehrt jedoch einer klaren räumlichen Fassung. Insgesamt sind Schlüsselstellen der inneren Erschließung für die zu erwartenden Besucherströme viel zu eng. Diese Problematik zeigt sich insbesondere bei der Garderobe, der Gastronomie, an Treppen und Toiletten. Die Orientierung der Besucher fällt schwer. Die Wege zwischen den Sälen sind zu lang. Im großen Saal funktionieren sowohl die Verteilung des Publikums als auch die Bühne sehr gut. Es werden durchdachte Details wie flexible Hubpodien und ein optimal platzierter Flügelaufzug gezeigt. Die Backstage-Bereiche für großen und kleinen Saal sind gro.zügig, insbesondere die Bühnenzugänglichkeit funktioniert sehr gut. Allerdings liegen die Stimmzimmer drei Ebenen über der Bühne und sind damit falsch angeordnet. In einer Überarbeitung könnten diese mit den Büros getauscht werden. Der Education-Bereich ist kompakt zusammengefasst und kann tagsüber natürlich belichtet werden. Die Defizite der Besuchererschließung setzen sich bei weiteren Funktionen des Foyers fort. Es fehlen vom Foyer unabhängige Rettungswege. Die Barrierefreiheit ist nicht adäquat hergestellt und muss punktuell überarbeitet werden, die WCs sind im Untergeschoß ungünstig situiert. Insgesamt gibt es viel zu wenige WCs. Auch die Garderoben sind zu klein bemessen. Die vorgeschlagenen Dachausschnitte könnten – nach Vorschlag des Entwurfsverfassers – für kleinere Konzerte genutzt werden. Ihre Anordnung liefert jedoch nicht die gewünschten Ausblicke. Die Logistik funktioniert, bis auf die Schrägstellung der LKW-Anlieferung, gut. Die Oberflächen der Fassade des Hauptkörpers, hauptsächlich Kupfer und Glas, erzeugen durch unterschiedliche Transparenz innerhalb dieses Materialkanons insgesamt ein haptisches und gegliedertes Bild. Die Verteilung der offenen, geschlossenen und  semitransparenten Flächen erscheint aber zufällig. Die Fassade des „Produktionsgebäudes“ bricht ohne nachvollziehbaren Grund mit dem Materialkanon des Hauptgebäudes. Die vorgeschlagene Beton-Glas-Fassade überzeugt nicht, die horizontalen Faltungen der Fassade erscheinen zumindest in den oberen G schoßen willkürlich und manieriert. Die Konstruktion ist gut nachvollziehbar. Jedoch fehlt der Nachweis einer konstruktiven schalltechnischen Entkopplung. Es werden zu wenig Technikflächen nachgewiesen. Die Energiebilanz ist aufgrund der großen Hüllfl.chen mit sehr hohem Glasflächenanteil in Bezug auf Heizen und Kühlen ungünstig. In der Gesamtbetrachtung ist die Wirtschaftlichkeit bei der Erstellung des Gebäudes gegeben. Die Fassade lässt aufgrund der aufwändigen Oberflächen aus metallischen Geweben (Corten-Stahl, Kupfer, Aluminium) hohe Investitions- als auch Unterhaltskosten erwarten. Insgesamterfüllt die Arbeit weitgehend die Vorgaben der Auslobung. Der äußere Ausdruck erscheint an diesem Ort überzeugend. Die Säle selbst bieten Atmosphäre, haben großes akustisches Potenzial und erfüllen die Ansprüche an die Nutzungsvariabilität. Die qualitativen Defizite bei Zugangssituation und innerer Erschließung, sowie die genannten funktionalen Mängel und die unausgereifte innere Organisation erscheinen jedoch gravierend und in der Summe schwer heilbar.

Anerkennung

Projekt 2016
Zaha Hadid Limited (Zaha Hadid Architects), London (GB)
Gegründet 1979

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
In Anlehnung an industrielle Silos entwickelt das Projekt eine starke und sehr eigenständige Präsenz im Werksviertel. Der monolithische Körper ist mit einer glatten Metallhaut verkleidet, welche an unterschiedlichen Stellen in gewölbte und unterschiedlich lichtreflektierende Glasflächen übergeht wird. Dadurch werden visuelle Bezüge zum Werksplatz, zum Piusanger, zum Park sowie zu den Werksgebäuden hergestellt. Der Baukörper selbst wie auch die angegliederten Lichthöfe überschreiten teilweise die Bau- sowie die Grundstücksgrenze. Der Haupteingang für Besucher liegt schlüssig am Hauptplatz, während der Eingang für Musiker und Mitarbeiter am südlichen Ende ebenfalls eine markante und ansprechende Situation ausbildet. Direkt am Haupteingang liegt der Foyer-Bereich, geprägt von einem Atrium, das sich in das 2. Untergeschoß erstreckt. Das Foyer wird über Oberlichter und lichtführende Zylinder auf expressive Art belichtet, wobei die ausreichende Belichtung vor allem der Publikums- und Education-Bereiche fraglich bleibt. Die Räume der Musiker und der Verwaltung liegen an der Außenfassade und sind somit unproblematisch  Der große und der kleine Saal, im 1. respektive im 2. Obergeschoß gelegen, werden über das Atriumfoyer gut erschlossen. Die Lage des Education-Bereichs im 1. und 2. Untergeschoß sowie dessen Erschließung werden hingegen problematisch bewertet. Der große Saal folgt zunächst dem Prinzip der Schuhschachtel, in welche zusätzlich über drei Ebenen ringförmige Balkone eingehängt sind. Die Anzahl der Plätze wird deutlich unterschritten. Der zweigeschoßige Technikraum unter der Bühne und einem Teil der Zuschauer ist in seiner Funktionalität klärungsbedürftig. Das herausragende Projekt zeigt über alle Aspekte sehr gute akustische Voraussetzungen. Der Große Konzertsaal hat ein sehr hohes akustisches Potenzial. Kritisch erscheint die Auswirkung der notwendigen Erhöhung der Anzahl Plätze in Großen Konzertsaal. Die Bedingungen für gegenseitiges Hören im Orchester und laterale Reflexionen für das Publikum sind zu überprüfen. Die Durcharbeitung der Pläne macht eine Beurteilung der räumlichen Qualitäten schwierig. Im Bereich des Haupteingangs entmaterialisieren sich die Zylinder in eine riesige, geschwungene Glasfläche. Die Frage des Primärtragwerks in diesem Bereich, aber auch das der Glasflächen an sich bleibt unklar. Die Kompaktheit des Gesamtbaukörpers wirft energetisch keine besonderen Fragen auf. Insgesamt handelt es sich um einen kraftvollen Entwurf, der das Röhrenmotiv des Silos in seiner äußeren Erscheinung, aber auch teilweise im Inneren (Beleuchtungselemente) fortsetzt. Sehr problematisch erscheint die Lage des gesamten Education-Bereichs im 1. und 2. Untergeschoß. Im Falle einer weiteren Bearbeitung müssten sowohl die Licht- und Aufenthaltsqualitäten sowie die Zugänglichkeit stark überarbeitet werden. Ebenfalls müsste die Kapazität des großen Saals den Anforderungen gemäß angepasst werden.

Anerkennung

Projekt 2021
Mecanoo International B.V, Delft (NL)
Gegründet 1984
mecanoo.nl

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
Das Gebäude hält weitgehend die städtebaulichen Rahmenbedingungen ein, die Abstandsflächen werden eingehalten, die Höhe wird aber um gut 6 m überschritten. Eine klare Erschließung von Nordwesten über den „Konzerthausplatz“ zeigt eine eindeutige und entschiedene Adressierung. Nichtsdestotrotz kommuniziert das Haus im Erdgeschoß aber wenig mit seiner Umgebung. Mit Ausnahme der Shops, die so angeordnet sind wie es die Auslobung erfordert, ist dieses weitgehend mit Funktionsräumen belegt, eine Verwebung mit der Umgebung ist dadurch stark eingeschränkt und findet nur auf der Eingangsseite, am Vorplatz wirklich statt. Das Haus gibt sich somit eher introvertiert, die Öffnung im Obergeschoß, im Saal und Foyer-Bereich kann das nicht kompensieren – die Gefahr der Abgehobenheit besteht. Das äußere Erscheinungsbild entspricht nach Einschätzung des Preisgerichts nicht angemessen einem Konzerthaus. Die Baukörperkonfiguration der gestaffelten Schichten, die in den Obergeschoßen zurückspringen, erzeugen nicht die notwendige gestalterische Spannung und bieten wenig Signifikanz und Unverwechselbarkeit. Das kann auch nicht durch die Messingfassade und ihrer formalen Anlehnungen an die Rhythmik der Musik wirklich kompensieret werden. Die axiale Erschließung erzeugt gute Orientierbarkeit und klare Raumstrukturen, eine zentrale Treppenanlage führt zu den Saalgeschoßen. Das rundum laufende, verglaste Foyer ist großzügig und bietet attraktive Begegnungsmöglichkeiten und Ausblicke. Ebenfalls gelungen ist die vom kleinen Saal aus angebotene Austrittsmöglichkeit auf eine Terrasse, die zum Zentralpark hin orientiert ist. Die Anlehnung an die klassischen Prinzipien der Konzerthaustypologie (Gewandhaus) verspricht eine gut funktionierende Einheit von großem und kleinen Saal. Das Bild des Saales ist angenehm und eigenständig und entspricht den Erwartungen an einen modernen und guten Konzertsaal. Es zeigt über alle Aspekte sehr gute akustische Voraussetzungen. Der Große Konzertsaal hat ein sehr hohes akustisches Potenzial. Das Volumen des Große Konzertsaal sollte reduziert werden. Die flexible Bühnenrückwand ist zu überprüfen. Die Erschließung ist eher kompliziert, der Besucher muss zuerst durch einen relativ niedrigen und wenig attraktiven Raum über eine Treppe von hinten ins Untergeschoß zu den Garderoben, dann über die Treppenanlage ins Saalgeschoß. Für zwei Säle erscheinen diese zu knapp. Die Anzahl der Sitzplätze seitlich und hinter dem Podium im Hauptsaal ist relativ hoch, in Summe sind zu wenig Plätze vorhanden und teilweise Situationen mit schlechter Bühnensicht angeboten. Der Bereich Education liegt sehr unattraktiv und nicht eigenständig erschlossen im Untergeschoß. Das Restaurant im obersten Geschoß ist öffentlich sehr schlecht angebunden, ebenfalls nicht eigenständig zugänglich, auch sehr knapp bemessen und es ist in dieser Art schwer zu betreiben. Die interne Organisation im „Zwischengeschoß“, das die Backstage-bereiche abbildet ist wohl überlegt und funktional weitgehend in Ordnung. Die einfache und klar durchgearbeitete Konstruktion verspricht eine wirtschaftliche Errichtung, die Struktur erscheint robust, dadurch ist eine Langlebigkeit und damit niedriger Erhaltungsaufwand zu erwarten. Die Geschoßfläche liegt leicht über dem vorgegebenen Soll. Die Energieeffizienz liegt auf Grund der große Hüllfläche (schlechtes A/V Verhältnis) mit hohem Glasanteil im mittleren Bereich. Insgesamt ist der Entwurf stringent und in großen Teilen entsprechend der Anforderungen entwickelt, dem Projekt fehlt jedoch die überzeugende Idee für ein einprägsames Konzerthaus.

Anerkennung

Projekt 2030
Christ & Gantenbein, Basel (CH)
Gegründet 1998
christgantenbein.com

Projektbeurteilung (Auszug aus dem Juryprotokoll)
Der Entwurf ordnet sich in seinem Ausdruck und in seiner Maßstäblichkeit in den Gedanken des Werksviertel als „Werktempel“ für Musik ein. Ein klarer Baukörper, der sich über ein großes Zugangsfoyer zum Platz öffnet und durch seine umlaufende Industriegussfassade authentisch auf die Geschichte des Ortes bezieht. Die Orientierung ist innen wie außen gut nachvollziehbar, nimmt aber durch die geschlossene Fassadenstruktur der Halbglaszylinderprofile keinen direkten visuellen Bezug zur Umgebung auf. Eine große Treppe bestimmt den Raumeindruck des Eingangsfoyers über die alle drei Säle gut nacheinander erschlossen werden. Der Education-Bereich liegt mit am Piusanger. Er verfügt über keinen eigenständigen Eingang, was problematisch gesehen wird. Das Restaurant liegt vorn am Platz, ist aber sehr schmal und wird logistisch eher problematisch gesehen. Die funktional überzeugende Lage der Übungs-, Stimm- und Garderobenräume wird durch eine Ordnung erzielt, die weitestgehend vollständig ohne natürliches Licht auskommen muss. Nicht einmal über die Erschließungskorridore ist Tageslicht sichtbar. Lediglich die Projekträume im 1. Untergeschoß haben einen Lichtschacht. Durch die besondere Fassadengestaltung sind auch die Arbeitsräume in den oberen Geschoßen wie durch normale Fensteröffnungen belichtet. Der große Saal als Schuhschachtel ausgebildet ist im Inneren nochmal mit der ästhetischen Sprache der halbschaligen Pfeiler gestaltet. Das Projekt zeigt über alle Aspekte gute akustische Voraussetzungen. Der Große Konzertsaal hat ein hohes akustisches Potenzial. Die Materialwahl im Großen Saal sollte jedoch überprüft werden.  Die Bühne funktioniert aber durch die langen Podien schlecht und ist aufgrund der Raumanordnung hinter der Bühne sehr eng und schlecht erreichbar. Der Bühnenkasten wird von der Akustik auch schlecht gesehen. Generell ist die Wegeführung im Backstage-Bereich sehr gedrängt. Die große Klarheit der Anordnung im vorderen Foyer und Treppenbereich führt so zu einer sehr engen Raumbildung in der hinteren Gebäudehälfte. Tragwerk, konstruktive Ausbildung und angenommene Baukosten liegen im durchschnittlichen Bereich. Das Gebäude wird über die Atelierstrasse erschlossen. Die gewählte Form der Anlieferung über zwei Bereiche und nur ein Aufzug werden kritisch gesehen. Auf die ganze Länge öffnet sich hier die Architektur nicht zum Werksviertel, was städtebaulich unbefriedigend ist. Die Anordnung der Shops zum Park ist stadträumlich und von der Nutzerseite her eher ungünstig. Insgesamt ein Entwurf der sich durch seine architektonische Sprache innen wie außen einer sehr reduzierten ehrlichen Werksatmosphäre bedient bei der sich aber die Frage stellt ob sie dem Anspruch eines Konzerthauses für München genügt.


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