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(K)eine Frage des Formats

Organisation international Genève
Die Frontansicht des Gebäudes „Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung“ mit der fertigen Glasfassade.
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XXL-Gläser erweitern den Gestaltungsspielraum in der Architektur. Inzwischen sind Längen bis 18 Meter machbar, die 20-Meter-Marke hat ein Hersteller für 2018 schon fest im Visier.

Lange Zeit galt der möglichst effiziente U-Wert einer Verglasung als das Maß der Kompetenz und der Technologie, wenn es um die Frage der Transparenz in der Architektur ging. Und tatsächlich ist es binnen 50 Jahren gelungen, von der Einscheibenverglasung über die erste Generation der Isolierverglasung bis hin zur heutigen Dreifach-Wärmeschutzverglasung den Ug-Wert von mehr als 5,0 W/(m2K) auf 0,7 W/(m2K) auf fast ein Zehntel zu reduzieren. Allerdings ist dieser Wettlauf um den effizientesten Wärmeschutz einer Isolierverglasung bauphysikalisch heute so ziemlich am Ende der Fahnenstange angekommen – weitere Verbesserungen durch Vierfach- oder Vakuumverglasungen sind technisch möglich, aber vom Aufwand, den Kosten und anderen funktionalen Nachteilen her gesehen in der Breite am Markt derzeit und sehr wahrscheinlich auch künftig weder durchsetzbar noch sinnvoll.

Die Verglasung hat an Format gewonnen
Der Wärmeschutz einer Verglasung ist jedoch nur ein Aspekt von vielen, die in der Architektur eine Rolle spielen. Man denke nur an den Brand- und Schallschutz oder die Verschattung, die inzwischen durch elektrochrome (schaltbare) Gläser auch von der Ver­glasung selbst gelöst wird – ganz ohne mechanische Komponenten wie Raffstores oder Rollläden, die oft störungsanfällig sind und in großen Höhen den Windlasten nicht mehr standhalten können. Die Formate der Scheiben sind aktuell ein viel diskutiertes Thema in der Glasbranche, welches die Bedeutung der Verglasung für die Architektur weg von rein bauphysikalischen Aspek­ten in den Fokus der Gestaltung und der
Ästhetik rückt. Tatkräftig unterstützt, aber auch herausgefordert von den Planern, haben sich die Glashersteller auf den Wettlauf eingelassen, wer es wohl schafft, die noch größere Glasscheibe zu produzieren, zu bearbeiten und zu veredeln. Die Firma Sedak ist neben Thiele Glas, AGC Interpane, Saint-Gobain und anderen einer der Glashersteller, die bei der Entwicklung so­genannter XXL-Gläser Formate bis 18 x 3,21 Meter anstreben.

Die Herausforderung: Statik und Logistik
Die Bemessung übergroßer Gläser unterscheidet sich lediglich in den Dimensionierungen der Glasstärken
(6 bis 20 mm), das Verfahren an sich ist aber üblich wie bei gewöhnlichen Scheibengrößen.
Schwieriger wird es bei statischen Fragen hinsichtlich der geeigneten Konstruktion am Einbauort. Denn Befestigungsmittel, tragende Profile und Untergründe müssen in der Lage sein, das enorme Eigengewicht der Scheiben (je nach Größe zwei bis drei Tonnen) aufzunehmen und dazu die Wind- und eventuell Schneelasten mit abzutragen. Und gelöst sein will auch die Frage: Wie bekommt man so große Scheiben an der Baustelle vom LKW zum Einbauort – ohne zu riskieren, dass sie beschädigt werden oder komplett verloren gehen? 

Neue Technologien bei Bearbeitung und Veredelung
Die Veredelungsvorgänge von XXL-Scheiben umfassen, ganz nach Wunsch des Auftraggebers, vom Bearbeiten über das Vorspannen (TVG, ESG, Heat Soak Test), den keramischen Druck (Rollen- / Digitaldruck) bis hin zum Beschichten und Laminieren die gleichen Arbeitsschritte wie bei jeder anderen Scheibe. Selbst das Biegen ist möglich. Saint Gobain Glass zeigt etwa auf der Sonderschau „glass technology live“ eine acht Meter große gebogene Scheibe.

Stabiler Randverbund
Neben der Veredelung, Logistik und Montage stehen bei XXL-Verglasungen auch die Aspekte Randverbund und Sonnenschutz im Fokus. Da zumindest eine Kantenlänge auf 3,2 Meter begrenzt ist, steigt die Eigenlast bei größer werdender Scheibe überproportional auf die herstellungsbedingt längenbegrenzte Schmalseite. Die Klebung des Randverbunds muss – je nach Befestigungsart der Verglasung an der Fassade – deutlich mehr leisten, um Statik und Dichtheit zu ge­nügen. Im Gegensatz zur statischen Bedeutung nimmt die energetische Relevanz des Randverbundes bei zunehmen­der Scheibengröße immer mehr ab, weil dessen Wärmebrückeneinfluss im Flächenverhältnis geringer wird. Umso wichtiger wird hingegen ein verlässlicher und effizienter Sonnenschutz, der bei großen Scheiben und noch dazu in großen Höhen in konventioneller Bauart – zum Beispiel mit Raffstores – kaum möglich ist. Hier kommt zudem die Frage der Ästhetik ins Spiel: Es ist kontraproduktiv, einerseits mit über­formatigen Scheiben die Transparenz einer Architektur in Szene zu setzen, um sie dann hinter Sonnenschutzanlagen zu verstecken. Zwar lässt sich mit einer Low-E-Beschichtung der Hitzeeintrag spürbar reduzieren, jedoch bleibt der Blendeffekt bei strahlendem Sonnenschein ohne Verschattung ungelöst.

Schaltbare Gläser
Für XXL-Gläser wären schaltbare Verglasungen, wie sie zum Beispiel Saint Gobain unter der Marke SageGlass anbietet, daher geradezu prädestiniert, um sowohl die Blendung, die Ästhetik als auch die Problematik der Windlast elegant zu lösen. Die geringen Kosten für den Energiebedarf (SageGlass: 2,4 Watt pro Quadratmeter) fallen quasi unter den Tisch, wenn man bedenkt, was man an Investitionen für die Installation und Wartung von Jalousien einspart. Hinzu kommt die ständig erlebbare Transparenz im Innenraum, weil der Ausblick auch im gedimmten Zustand permanent gewährleistet ist.
Die Technologie der schaltbaren Gläser unter­scheidet sich durch aktiv oder passiv ausgelöste Scheibentönung. Am meisten verspricht derzeit die aktive elektrochrome Variante (z. B. EControl Glas) mit innenliegender Nanostrukturbeschichtung. Diese erzeugt über eine elektrische Spannung den sogenannten „elektrochromen Effekt“, wodurch sich das Glas blau einfärbt. Größenmäßig ist man bei dieser Technologie allerdings noch auf eine Länge von drei Meter begrenzt.

Referenzen offenbaren Kompetenzen
Für die Glashersteller sind die Referenzen die beste Werbung, um zu zeigen, was für eine großartige Architektur mit XXL-Scheibenmaßen möglich ist und was für eine Kompetenz dahintersteckt, solche Projekte umzusetzen. Beispiele hierfür sind der Austausch der 45 Jahre alten und 13 Meter hohen Fassadenscheiben des UNO-Gebäudes „Konferenz der vereinten Nationen für Handel und Entwicklung“ in Genf – ein Scheibenformat aus nicht vorgespanntem Glas, das für das Jahr 1971 sehr ungewöhnlich war und damals vermutlich die größten je eingebauten Scheiben war. Für Furore sorgten auch die 15 Meter hohen Fassadenscheiben für das neue Apple Hauptquartier in Cupertino – solche Projekte wecken bei Architekten und imagebewussten Konzernen natürlich Begehrlichkeiten.

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