Haus und Wohnen 2020 Haus + Wohnen

Jetzt kommt Bewegung rein

© Koelnmesse / ClassiCon
Zeitlosigkeit und Charakter. Möbelklassiker als Symbol für Langlebigkeit und Nachhaltigkeit.
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Ein neues Jahrzehnt hat begonnen und es macht sich Aufbruchsstimmung bemerkbar. Eine Doppelzahl, die zum Nachdenken und Umdenken anregt und endlich vieles Angedachtes auch zur Umsetzung bringen wird.

von: Barbara Jahn

Dass die Weihnachtszeit eine ruhige Zeit ist, stimmt nicht ganz. Zumindest nicht für alle. Denn für die Möbelbranche heißt es, dass es – sobald der Donauwalzer zu Neujahr verklungen ist – voll losgeht. Die ersten Möbel-, Design- und Textilmessen sind die professionellen Vorboten für die Trends, die sanft beginnen und sich mit fortschreitendem Jahr immer mehr intensivieren. Hier ist schon einmal ein Vorgeschmack.

Die Natur ist zurück
Was nicht neu, aber immer wieder gut ist, ist die Entwicklung zu mehr natürlichem Wohnen. Immer mehr Konsumenten überdenken ihr Kaufverhalten und treffen ihre Kaufentscheidung zugunsten nachhaltiger, zertifizierter oder recycelbarer Produkte. Zum Einsatz kommen Materialien wie Holz, Stein, Leder, Moose, Wolle, Rinden oder Bambus, die annähernd klimaneutral sind und eine entsprechende Qualität mitbringen. Immer öfter findet man wiederverwertete Werkstoffe, etwa in Form von PET, oder Alternativen, die einem Erscheinungsbild sehr nahekommen, wie zum Beispiel kunststoffverstärktes Papier als lederartiger Bezugsstoff. Mit Geflechten – wobei sich das Wiener Geflecht allerorts größter Beliebtheit erfreut – bekommt die Wohnlandschaft einen sanften Retrotouch. Die Optik wird leichter, das Ambiente gemütlicher, und Traditionen dürfen weiterleben und Sehnsüchte stillen, ohne überholt zu wirken. Wintergartenflair im Wohnzimmer ist keine Seltenheit mehr, was zusätzlich auch auf eine wachsende Leidenschaft für Pflanzen zurückzuführen ist.

Drinnen ist draußen
Die Nachhaltigkeit oder der sorgsame Umgang mit der Natur ist endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Gerne umgibt man sich mit sanften Natur­tönen – vom Möbelstück bis zur Wandfarbe. Gleich­zeitig etabliert sich immer stärker das Wohnen unter freiem Himmel. Schon längst sind der Komfort und das Erscheinungsbild von Indoor- und Outdooreinrichtung so gut wie nicht mehr unterscheidbar. Dieser Trend ist für die Branche so wichtig, dass es beinahe kaum noch Hersteller gibt, die nicht beides im Sortiment haben. Für 2020 kündigt sich für den Außenbereich die Farbe Weiß als federführend an: Auch hier greift man auf Rattan und Weidewerk zurück – Kunststoff hat nahezu ausgedient und Aluminium gilt (noch) als salonfähig. Drinnen wiederum wird das Mikroklima auf Vordermann gebracht – mit Zimmerpflanzen, aber auch mit Tapeten, die die Natur Einzug halten lassen. Für die Konsumenten, die einen Balkon, eine Terrasse und einen Garten besitzen – und das werden immer mehr –, herrschen also paradiesische Bedingungen

Glücklich mit weniger
Während sich nun der Lebensraum nach außen hin ausdehnt, wird er in den Häusern immer kompakter. Damit geht eine gewisse Funktionalität einher ebenso wie ein gewisses Maß an Verzicht. Besonders im urbanen Raum wird Wohnraum immer mehr zum Thema, auch Leistbarkeit rutscht in den Fokus. Damit liegen die Prioritäten ganz anders: Qualität geht vor Quantität, die Maßstäbe und Dimensionen kommen zurück auf ein gesundes Maß, die Herausforderung ist es, aus wenigen Quadratmetern das Maximum herauszuholen. Schlanke Möbel wie aus den Fünfzigerjahren finden vermehrt Einzug in die Mini-Apartments, Raumhöhen erlauben das Einziehen einer zweiten Ebene und Möbel­stücke, die mehr können als nur sie selbst sein, bekommen den Vorzug. Dabei spielt auch die unterschiedliche Skalierbarkeit, die auf die jeweilige aktuelle Situation reagiert, eine immer wichtigere Rolle. Dabei dürfen allerdings – trotz aller Einschränkungen – der Komfort und die Gemütlichkeit nicht auf der Strecke bleiben. Es ist jedoch nicht schwierig, diesen Forderungen nachzukommen: Armlehnstühle oder smarte Zweisitzer bilden schon die wichtige Grundeinheit, Sideboards, schlanke Beistelltische oder kleine Regale, die vielleicht als Raumteiler eingesetzt werden, machen den Lieblingsplatz komplett. Bei allem Verzicht darf dennoch dekoriert werden: Kissen, Vasen, Schalen, die auch im Alltag eingesetzt werden können, sind durchaus akzeptiert. Sie beleben die Szenerie und streichen die Persönlichkeit heraus

In gesunden Dosen
Nicht komplett wegzudenken ist ein gewisses Maß an Digitalisierung, auch wenn man zu Hause hauptsächlich Digital Detoxing etablieren möchte und lieber zum Buch als zum eBook greift. Die technischen Tools garantieren einen gewissen Komfort, der einfach zum 21. Jahrhundert dazugehört. Das Smart Home ist in vielerlei Gestalt in Wohnungen und Häuser bereits eingezogen – beispielsweise als computergesteuerte Optimie­rung der Raumluft, innovative Steuerung und Nutzung vom Dusch-WC oder die antizipierende und energie­optimierende Steuerung der Raumtemperatur, die kabellose, in Möbel integrierte Ladestation, im Badezimmerspiegel oder als Leuchte mit Bluetooth-­Lautsprecher. Kaum ein Lebensbereich ist davon nicht erfasst. Abgesehen nun von der Frage, wo der ganze Strom herkommt, der all diese smarten Anwendungen mit Energie versorgt, helfen gerade sie, effizient damit umzugehen und viele Funktionen zu optimieren. Tendenziell kann man resümierend sagen, dass sich alles in eine gute Richtung bewegt, auch wenn an vielen Schräubchen noch gedreht werden kann.

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