337 Naturstein

Interview. Naturstein als Emotionsträger

© BWM Architekten
Erich Bernard ist der Visionär hinter dem Architekturbüro BWM. Die Gestaltung exklusiver Interior Designs ist eine seiner Kernkompetenzen.
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Ein Raum wird geprägt von der Wahl der Werkstoffe und ihrer Oberflächenbearbeitung. Architekt und Interior Designer Erich Bernard erläutert im Gespräch mit Richard Watzke, welche Aufgabe Naturstein dabei erfüllt.

Was ist Naturstein für Sie – Luxusgut oder Vernunftmaterial?
Weder noch. Je nach Verwendung und Verarbeitung spiegelt Naturstein Luxus wider, kann aber auch eine Atmosphäre von Authentizität erzeugen. Ein reines Vernunftmaterial ist Naturstein nie. Entscheidend ist die Art der Bearbeitung. Gebürstet, geschliffen, gestrahlt oder poliert – die Oberfläche prägt maßgeblich die Anmutung eines Raumes. Am liebsten ist uns, wenn ein Material seine Natürlichkeit entfalten kann und auf diese Weise die Qualität eine Raumgestaltung unterstreicht. In bestimmten Fällen nutzen wir Naturstein für eine ganz gezielte, punktuelle Aufwertung, beispielsweise in Form eines besonderen Waschbeckens oder eines Pultes.

Welchen Stellenwert hat Naturstein in der Spitzengastronomie?
Naturstein ist ein sehr aussagekräftiges Material und steht auch im übertragenen Sinn für Permanenz und Haltbarkeit. Eine Theke aus Naturstein drückt aus, dass hier bewusst für eine lange Nutzungsdauer investiert wurde. Besonders bei Böden, Theken und Tischen ist Naturstein ein Traditionsmaterial. Ich bin überzeugt, dass man – ähnlich wie auch in der bildenden Kunst-  jede Form von Energie spürt, die in ein Objekt eingebracht wurde, sei es manuell oder mit Hilfe von Maschinen. So ist die Auseinandersetzung mit einem Material und Thema am fertigen Produkt, beispielsweise durch die Präzision und Bearbeitungsintensität der Steinoberfläche, ablesbar.

Erleben Marmor und andere ­natürliche Steine eine Renaissance im Innenraumdesign?
Auch wenn Marmor und andere Steinsorten allgemein wieder vermehrt eingesetzt werden, ist Naturstein ein Klassiker, der nie ganz verschwunden war. Die intensivere Auseinandersetzung von Planern und Designern hat dazu geführt, dass man nicht einfach von einem „Marmor“ oder „Granit“  spricht, sondern viel stärker differenziert. Man unterscheidet also in der Kategorie Marmor in unzählige verschiedene Sorten, Nuancen, Abbauregionen. Die natürliche Vielfalt des Werkstoffs und der Respekt davor kommt in aktuellen Projekten stärker zur Geltung. Wir haben in unserem Büro rund 300 Steinmuster zur Auswahl vorrätig.

Welche Anforderungen stellen Sie an Werkstoffe?
Zuallererst muss die technische Funktionalität gegeben sein. Ebenso achten wir auf eine starke ästhetische Komponente. Dabei prüfen wir, was das Material ausdrückt und erzählt. Ein eigenes Kapitel ist die Haptik. Die Oberfläche ist der Berührungspunkt, an dem der Mensch mit der Architektur zusammenstößt. Material und Oberfläche müssen zueinander passen, denn wie jedes Material ist Naturstein ein Vermittler und Träger von Emotionen. Daher ist diese nur Bruchteile von Millimetern dünne Kontaktzone zwischen der menschlichen Haut und dem architektonischen Objekt so entscheidend. Bei jedem Stein testen wir die spezifische Wirkung anhand verschiedener Oberflächenbearbeitungen.

Wie entwickeln Sie ein Raumdesign?
Wir beginnen jedes Projekt über das Materialkonzept und untersuchen, welche Bezüge es inhaltlich zwischen Thema und Ort gibt. Bei einem Projekt am Meer verwenden wir Materialien mit Bezug zum Thema Wasser. Beim Sacher Eck haben wir recherchiert, welche Materialien typisch für Wien sind. Je präziser ein Konzept ist, desto weniger unterschiedliche Materialien benötigt man. Dann ordnen wir die Materialien dem Raum, dem Mobiliar und den Oberflächen zu. Anregungen haben wir beispielsweise bei den Marmor-Bodenbelägen im Kunsthistorischen Museum gefunden, die Kombination aus weißem und schwarzem Stein ist aber generell charakteristisch für die Raumausstattung Wiener Kaffeehäuser, bei Böden und Wänden, aber auch in Form weißer oder schwarzer Tische.

Letztlich spiegelt die Farbkombination das weltbekannte Erscheinungsbild des Hotel Sacher wider. Zum Spiel mit den Farben Weiß und Schwarz haben wir im Sacher Eck roten Samt, Holz und die Farbe Gold kombiniert.


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