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Heißes Thema Brandschutz

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In Badens Zentrum wütete 1812 ein Brand (Wiederaufbau: Architekt Josef Kornhäusl). ­Rigoroser Brandschutz verhindert Derartiges.
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Auch wenn Brände nicht alltäglich sind, lesen sich die Chroniken der Feuerwehren des Landes doch einigermaßen dramatisch. Von Putz, der von den Wänden und Decken platzt oder von Glutnestern in Decken ist die Rede sowie vom Übergreifen von Flammen und natürlich von Rauchgas.

Zwei Menschenleben hatte laut Medien­berichten im März ein Hausbrand in Wien gefordert und ein Mehrparteienwohnhaus war eines Brandes wegen evakuiert worden. Gleichen Tags heißt es beim Bundesfeuerwehrverband Alarmstufe 4 und weit über 100 Feuerwehrleute rücken mit 30 Löschfahrzeugen zum Wiener Donauzentrum, wo Flammen von innen durch das Blechdach lodern.

„Kahlschlag und Nachwachsen“ von Richtlinien
Brandschutz, der aus solchen Erfahrungen abgeleitet wird, mündet in zahlreichen Richtlinien zur Vorbeugung. Um ein koordinatives Abstimmen zu ermöglichen, wurde vor einiger Zeit das „Dialogforum Bau“ ins Leben gerufen. „Es gab immer wieder Kritik an widersprüchlichen Regelungen“, motiviert Irmgard Eder, Leiterin der Kompetenzstelle Brandschutz der Stadt Wien, das Forum. Alle Angelegenheiten des Brandschutzes, ob baulich oder anlagentechnisch, sind in Wien bei der Kompetenzstelle Brandschutz bei der Magistratsabteilung 37 zusammengefasst. Eder, die den Vorsitz beim Brandschutz im „Dialogforum Bau“ führt, verweist auf bereits ausgeräumte Widersprüche, zum Beispiel was Heizraumtüren im Brandfall können müssten. Sie stellt gegenüber dem Architektur­journal Wettbewerbe auch wesentliche Änderungen für die 2019 kommende Neufassung der OIB-Richtlinie 2 in Aussicht. Für Versammlungsstätten und für bestimmte Nutzungen, wie zum Beispiel Alten- und Pflegeheime, wird demnach die extra Brandschutzplanung entfallen. „Das bisher erforderliche Brandschutzkonzept wird durch Rahmenregelungen mit Fest­legungen wie Mindestanforderungen bei Treppen­breiten ersetzt“, sagt Eder.

Professionalisierung der Brandschutzplanung
Beim Mödlinger Brandschutzplanungsbüro Kunz stellt man fest, dass die Vielzahl an Regelungen zur Herausbildung einer eigenen Spezialdisziplin beigetragen habe. In Zusammenarbeit mit Bauträgern und Architekturplanern werden dort Konzepte für öffent­liche Gebäude, Industriebauten oder auch Hochhäuser wie das „HoHo“ erstellt. Die zweite Geschäftsführerin, ­Architektin Monika Osterkorn, sieht die Spezialdisziplin Brandschutz als Ergänzung und Hilfestellung: „Wir können kompensatorische Maßnahmen vorschlagen, damit der Entwurf am Ende nicht zerstört wird.“ Die Einbindung in den Prozess beginne auch bereits im Stadium des Vorentwurfs.

Für Christian Schütz, Geschäftsführer der IMS-Brandschutz Ingenieurbüro GmbH, ist auch der Beitrag in weiterer Folge wesentlich: „Wir tragen Sorge dafür, dass vollständig eingereicht wird, und unterstützen Ausführungspläne, damit bis ins Detail Baubares abgegeben wird.“ Den praktischen Wissensvorsprung bei der Fachmaterie würden Bauherren oder Generalplaner schätzen: „Hier geht es darum, die Konsequenz von Varianten zu kennen.“ Dies sei beispielsweise bei Treppenhäusern im Zusammenhang mit Türen ein Thema, damit nicht zu wenig vom Brandschutz da ist, aber auch nicht zu viel davon erforderlich wird. Laut Osterkorn würde man die Ein­haltung des Kostenrahmens fördern: „Wir wissen eher, wie man beispielsweise mit Brandabschnitten umgeht, damit das Sicherheits­niveau aufrecht bleibt.“

Brennbarkeit hin oder her
Die Produkthersteller versuchen ihrerseits eine Lücke zu füllen, wo lösungsorientiert gedacht werden muss. „Zum Auflösen schwieriger Brandschutzthemen legen wir Wert auf eine aktive Architektenberatung am Objekt“, stellt Andreas Bauer, Leiter der Kommunikation der Knauf GmbH, fest. Außer­dem gäbe es als Service mittlerweile eine „BIM-Bibliothek“, die den Brandschutzstandard der Produkte integriert hat. Ganz neu in der BIM-Bibliothek ist die Diamant-­Steel-Platte, die den Brandwiderstand EI 90 bei einer zehn Zentimeter schlanken Trennwand ermöglicht.

Der Trockenbau macht vielfach Stahl- und Holzbau fit für den Brandschutz. Letzterer ist wegen der grundsätzlichen Brennbarkeit von Holz immer wieder mit Nachweispflichten konfrontiert. Die Firmen Binderholz und Rigips haben deshalb ein Massivholzhandbuch online gestellt, das den Brandschutz planungsbezogen abhandelt. Die digitale Planungshilfe soll ein rasches Bemaßen sowie Finden passender Aufbauvarianten ermöglichen. Die KHL Massivholz GmbH geht einen anderen Weg und qualifiziert Wandaufbauten mithilfe der Holzforschung Austria exemplarisch über Prüfzertifikate. Eine 95-Millimeter- Brett­sperrholzplatte mit 2 x 15 Millimetern Gipskartonplattenbeplankung erreicht hier zum Beispiel die Klasse REI130.

Erste Wahl bei Baustoffen
Da die Brennbarkeit nicht das Thema sein kann, lehnen sich Baustoffhersteller mit Produkten auf mineralstofflicher Basis beim Brandschutz eher zurück. Beim Verband Österreichischer Ziegelwerke führt man Brandlastvergleiche ins Treffen: Mobile Brandlasten, mit Ausstattung und Mobiliar von 214 MWh bei einem Mehrfamilienhaus, würden beim Ziegelhaus einer konstruktiven Brandlast von nur 20 MWh gegenüberstehen. Beim Betonmarketing verweist man auf Tabellen zur richtigen Dimensionierung für das angestrebte Feuer­widerstandsniveau.

Im Normalfall könne von einer Wider­standsdauer von annähernd 60 Minuten ausgegangen werden. Reduzierte Stabilität ab 600 Grad wird eingeräumt, wobei man mit der entsprechenden Dimen­sionierung reagieren könne und man damit auch auf 240 Minuten an Brandwiderstand kommt. Weil ein Haus aber mehr als die Summe der Teile ist, darf schon beim Dämmen auf jeden Fall alles neu überlegt werden.

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